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Europas Life-Sciences-Sektor bleibt auf Wachstumskurs – Deutschland etabliert sich als einer der dynamischsten Märkte

Frankfurt am Main, 05.03.2026

Der europäische Life-Sciences-Sektor setzt seinen Expansionskurs fort. Getrieben von technologischen Durchbrüchen in den Bereichen KI-gestützte Wirkstoffforschung, personalisierte Medizin, Zell- und Gentherapien sowie digitale Gesundheitslösungen, entwickelt sich die Branche zunehmend zu einem strategischen Wachstumstreiber für Volkswirtschaften und Immobilienmärkte. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Report „European Life Sciences Ecosystems: Sector Guide 2026“ des globalen Immobiliendienstleisters CBRE, der auf der Website von CBRE verfügbar ist.

Europa: Innovationskraft, Kapitalzufluss und Flächennachfrage steigen

Europa zählt inzwischen 43 der weltweit 100 führenden Life-Sciences-Universitäten und profitiert von einem starken Forschungsumfeld sowie umfangreichen Fördermitteln, darunter ein EU-weites Forschungs- und Innovationsbudget von 93,5 Milliarden Euro. Auch auf der Finanzierungsseite zeigt sich eine positive Dynamik: Das Venture-Capital-Volumen im europäischen Healthcare- und Life-Sciences-Sektor stieg 2025 auf 13,22 Milliarden Euro – ein Plus von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Parallel dazu wächst die Zahl universitärer Spin-offs. Europäische Deep-Tech- und Life-Sciences-Ausgründungen werden inzwischen mit rund 398 Milliarden US-Dollar bewertet und beschäftigen mehr als 167.000 Mitarbeitende in über 7.300 Unternehmen.

Diese Dynamik spiegelt sich zunehmend am Immobilienmarkt wider. In etablierten Clustern wie Cambridge, London, Paris, Kopenhagen, Basel oder Zürich sowie in aufstrebenden Standorten entstehen neue spezialisierte Labor- und F&E-Flächen. Der Bedarf an flexibel nutzbaren, technisch hochgerüsteten Immobilien steigt deutlich – insbesondere in urbanen Wissenschaftsquartieren mit enger Verzahnung von Forschung, Klinik und Industrie.

„Der europäische Life-Sciences-Sektor entwickelt sich zunehmend über seinen Status als Nischenmarkt hinaus und gewinnt strategische Bedeutung. Für Immobilieninvestoren formiert sich hier eine spezialisierte Assetklasse, die durch eine langfristig stabile Nachfrage und attraktive Wertschöpfungspotenziale überzeugt“, sagt Dr. Jan Linsin, Head of Research bei CBRE in Deutschland.

Ein prägendes Marktmerkmal bleibt der sogenannte „Lab-Premium“-Effekt: Laborflächen erzielen signifikante Mietaufschläge gegenüber klassischen Büroflächen. Ursache sind höhere Bau- und Betriebskosten, komplexe technische Anforderungen sowie ein strukturell begrenztes Angebot in zentralen Lagen. Gleichzeitig professionalisiert sich der Investmentmarkt weiter, da institutionelle Investoren gezielt in spezialisierte Life-Sciences-Produkte investieren.

Deutschland: Berlin und München als Wachstumsmotoren

Deutschland nimmt im europäischen Vergleich eine Schlüsselrolle ein. Insbesondere Berlin und München haben sich als führende Innovationsstandorte etabliert.

Berlin profitiert von einer ausgeprägten Start-up-Kultur, einer starken universitären Forschungslandschaft sowie international sichtbaren Institutionen wie dem Berlin Institute of Health @ Charité. Die Stadt vereint den Großteil des deutschen Venture-Capital-Volumens im Life-Sciences-Sektor auf sich. „Dabei zeigt sich ein deutlicher Trend zur Urbanisierung: Um im Wettbewerb um hochqualifizierte Talente zu bestehen, fragen Unternehmen verstärkt Standorte in zentralen Innenstadtlagen nach.  Neben etablierten Clustern in Adlershof, im Südwesten Berlins und in Potsdam unterstreichen neue, innerstädtische Projektentwicklungen die wachsende Bedeutung spezialisierter Laborimmobilien“, sagt Matthias Mohr, Teamleader Valuation Advisory Services bei CBRE in Berlin.

München gilt als Deutschlands führender und größter Biotechnologie-Standort mit rund 450 Biotech- und Pharmaunternehmen. Das Ökosystem wird getragen von einer exzellenten Forschungs- und Hochschullandschaft unter anderem mit der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und der Technische Universität München (TUM) sowie Einrichtungen der Helmholtz- und Max-Planck-Gesellschaft. Standorte im Südwesten Münchens wie Martinsried und auch im Norden wie Garching zählen zu den wichtigsten Innovationszentren Europas. „Große Finanzierungsrunden, neue Forschungs- und Produktionszentren sowie geplante Campusentwicklungen unterstreichen die langfristige Wachstumsdynamik des Standorts“, sagt Rainer Knapek, City Lead Munich bei CBRE.

„Deutschland spielt innerhalb Europas eine zunehmend zentrale Rolle. Berlin überzeugt durch seine Forschungsstärke und Gründungsdynamik, München durch seine industrielle Tiefe und internationale Vernetzung. Beide Märkte profitieren von einer außergewöhnlich starken Innovationspipeline“, erklärt Linsin.

„Der Bedarf an hochspezialisierten Labor- und F&E-Flächen wird weiter steigen. Erfolgreich werden jene Standorte sein, die wissenschaftliche Exzellenz, Kapitalzugang und passende Immobilienprodukte strategisch miteinander verbinden“, so Linsin.