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Wie oft Menschen wirklich im Aufzug stecken bleiben

- Ein Personeneinschluss pro 300.000 Fahrten - Hohe Gebäude sind im Vorteil - Aufzüge der Baujahre 1975 bis 1989 am häufigsten mit Personeneinschluss - Viel Wartung erhöht die GefahrDauer der Rettung: Fast immer unter 30 Minuten

Hamburg, 14.07.2026

Rund 300.000 Mal fährt ein Aufzug in Deutschland im Durchschnitt, bis es zu einem Personeneinschluss kommt. „Dabei treten in Berlin Personeneinschlüsse etwa doppelt so häufig auf wie beispielsweise in Frankfurt am Main“, sagt Oliver Hundt. Er ist Gründer und Gesellschafter von Hundt Consult. Für 20.000 in Deutschland sensorisch überwachte Aufzüge liegen dem Unternehmen Daten von insgesamt 1,25 Milliarden Fahrten vor. „Die Gesamtstrecke dieser Fahrten würde uns 13 Mal zum Mond und wieder zurückbringen“, so Hundt. Und weiter: „Die Kombination der sensorischen Liveüberwachung und über 60.000 digitalen Aufzugs-Zwillingen erlaubt uns eine faktenbasierte Sicht über alle Hersteller und Ausführungen hinweg.“

Hohe Gebäude sind sicherer

Die Daten zeigen, dass Aufzüge, die nur zwei bis vier Geschosse anfahren, relativ betrachtet am häufigsten Personeneinschlüsse aufweisen: In 0,48 Fällen pro 100.000 Fahrten, was einem Einschluss pro rund 200.000 Fahrten entspricht. „Ein Grund ist, dass es sich bei niedrigen Fahrhöhen oft um Hydraulikaufzüge handelt, die etwas anfälliger sind als Seilaufzüge“, sagt Alexander Wüllner. Er ist Geschäftsführer bei Hundt Consult. Zum Vergleich: bei zehn bis 12 Geschossen liegt die Quote bei 0,21; bei mehr als 12 Geschossen beträgt sie 0,32 und demnach dem Durchschnitt von rund einem Personeneinschluss nach 300.000 Fahrten. „Frankfurt mit seinen höheren Gebäuden ist verglichen mit Berlin im Vorteil“, so Wüllner.

Sehr alt heißt nicht automatisch sehr schlecht

Nicht nur die Gebäudehöhe, auch das Alter der Aufzüge ist entscheidend: „Neuere Aufzüge schließen seltener Personen ein als ältere, wobei die ältesten keineswegs die schlechtesten sind“, sagt Oliver Hundt und zeigt auf: „Am schlechtesten schneiden die Baujahre 1975 bis 1989 ab.“ Rund zwölf Prozent der Aufzüge – auffällig durch besonders viele Störungen – sind für knapp 60 Prozent aller Personeneinschlüsse verantwortlich. Welche Anlage im Einzelfall betroffen ist, lässt sich aber erst anhand laufender Betriebsdaten erkennen, nicht an Alter oder Bauart allein. Paradox: Je häufiger ein Aufzug gewartet wird, desto wahrscheinlicher wird ein Personeneinschluss – bei zwei Wartungen pro Jahr liegt die Quote bei 0,22 pro 100.000 Fahrten, bei sechs Wartungen liegt die Quote bei 0,30. „Jede Wartung ist ein Eingriff ins System und erhöht die Gefahr, dass sofort danach technische Probleme auftreten“, so Oliver Hundt. „Wir plädieren für eine möglich seltene, betriebs- und zustandsbasierte Wartung statt einer kalenderbasierten Überwartung. Wer seine Aufzüge sensorisch überwacht, kann durch erste Anzeichen von Abweichungen im Fahrbetrieb automatisch den bestmöglichen Wartungszeitpunkt bestimmen“, so Wüllner.

Rettung innerhalb von 30 Minuten

Aber auch bei Überwartung gelte: „Die Angst, im Aufzug stecken zu bleiben, ist irrational groß im Vergleich zu der Seltenheit des Ereignisses“, so Oliver Hundt. In 90 Prozent der Fälle sei die betroffene Person in weniger als 30 Minuten wieder befreit. „Üblicherweise kommt ein Wach- und Schließdienst, der für die Aufzugsbefreiung geschult ist. Noch schneller geht es bei medizinischen Notfällen, weil dann die Feuerwehr kommt.“ Am wichtigsten sei es, dass man Rufe bewahre, während man über den Notrufknopf auf dem aktuellen Stand gehalten werde, ob Hilfe schon unterwegs sei oder noch nicht. Man sollte auf keinen Fall versuchen, sich selber zu befreien, da es dabei regelmäßig zu schweren Unfällen kommt. Über die Sprechverbindung wird man jederzeit über den Stand der Befreiung informiert.