Politik | Wohnimmobilien

Wohnungswirtschaft warnt vor Sanierungsbremse für Mietwohnungen

Bauministerkonferenz muss klares Signal senden: BEG-Kürzung zurücknehmen und vermietete Mehrfamilienhäuser fair fördern

Berlin, 09.09.2026

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW warnt im Vorfeld der morgen beginnenden Bauministerkonferenz und mit Blick auf die aktuellen Haushaltsberatungen vor einer massiven Benachteiligung von Mietwohnungen durch die neuen Förderbedingungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Bei einem Mehrfamilienhaus mit zwölf Wohnungen sinkt die förderfähige Kostenbasis für einzelne Sanierungsmaßnahmen von bislang 360.000 Euro auf nur noch 153.000 Euro.

„57,5 Prozent weniger förderfähige Kosten sind keine kleine Nachjustierung, sondern eine Sanierungsbremse. Wer die förderfähige Kostenbasis für Mehrfamilienhäuser mehr als halbiert, bremst die Wärmewende genau dort aus, wo besonders viele Menschen wohnen. Sanierungen werden verschoben, hohe Energiekosten bleiben länger bestehen und der Kostendruck auf das bezahlbare Wohnen wächst“, sagt GdW-Präsident Axel Gedaschko.

Die Kürzung trifft keine Luxusmodernisierungen. Sie trifft vor allem sozial orientierte Vermieter, die große Wohnungsbestände mit bezahlbaren Mieten schrittweise klimaneutral machen müssen. Gerade bei Gebäuden mit hohem Energieverbrauch lässt sich mit pragmatischen Einzelmaßnahmen häufig schnell besonders viel CO₂ einsparen.

Das Problem wächst mit der Größe des Hauses. Ausgerechnet Mehrfamilienhäuser mit vielen Mietparteien verlieren einen besonders großen Teil ihrer förderfähigen Kosten. Damit wird die Förderung pro Wohnung dort schwächer, wo Investitionen möglichst vielen Menschen zugutekommen würden.

„Die Förderung muss breite, bezahlbare CO₂-Minderung ermöglichen. Entscheidend darf nicht allein der technisch höchste Standard sein, sondern wie viel Treibhausgas mit jedem eingesetzten Förder-Euro vermieden wird. Einfach umsetzbare Maßnahmen an Gebäudehülle und Technik dürfen nicht gegenüber teuren Komplettsanierungen ins Hintertreffen geraten“, sagt Gedaschko.

Auch beim Bonus für serielles Sanieren (SerSan) braucht es eine Korrektur. Der derzeitige SerSan-Bonus schließt den Standard Effizienzhaus 85 aus. Gerade dieser praxisnahe Standard kann bei serieller Umsetzung Kosten senken und Sanierungen in großer Zahl ermöglichen. Der GdW hat dafür eine neue europaweite Rahmenausschreibung auf den Weg gebracht, die Effizienzhaus 85 ausdrücklich einbezieht.

„Wir fordern den Bund auf, die degressive Kürzung der förderfähigen Kosten bei Mehrfamilienhäusern zurückzunehmen, den SerSan-Bonus auf Effizienzhaus 85 auszuweiten und die Förderung konsequent an erreichbarer CO₂-Minderung, Einfachheit und Kostenwirksamkeit auszurichten. Die Länder bitten wir hierfür dringend um Unterstützung. Von der Bauministerkonferenz muss dazu ein klares Signal an den Bund gehen. Die Förderbedingungen müssen endlich verlässlich werden, damit die sozial orientierten Wohnungsunternehmen langfristig investieren können“, sagt Gedaschko.

Weiterführende Informationen

www.gdw.de