EXPO REAL 2026: Die Messe ist gelesen
Ein Kommentar von unserem Redakteur Andreas Söntgerath
Noch während die Messe lief, haben viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Heimweg im Taxi, in der U-Bahn oder am Gate eiligst ihre Gedanken zur EXPO REAL 2026 zusammengefasst. Teilweise in einem Anflug von Hybris fluteten sie dann die sozialen Medien mit ihren Gedanken.
Vieles davon darf man so vergnügungssteuerpflichtig wie einen Besuch im Casino konsumieren. Bei anderen Beiträgen müsste man eher Schmerzensgeld erhalten. Die Wahrheit liegt dazwischen. Genauso war es auch mit der EXPO REAL in diesem Jahr.
Die EXPO REAL 2026 reiht sich in eine lange Reihe von Messen auf dem Weg zum neuen Normal ein. Einigkeit herrschte an den Ständen, auf den Gängen und abends bei Veranstaltungen in der Stadt darüber, dass sich die Branche konsolidiert.
„28 – for many too late“ ist sicher keines der optimistischen Motti, wie wir sie aus den letzten Jahren kennen, doch es ist eines, das bei aller Zuspitzung einen soliden Kern Wahrheit enthält.
Konsolidierung geht nun einmal damit einher, dass sich die Spreu vom Weizen trennt. Auf der EXPO REAL 2026 zeigte sich deutlich, dass Liquidität das wesentliche Element ist, um zum Weizen zu gehören. Das allerdings fließt nur noch gebremst nach Deutschland. Die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus hat sicher einen hohen Anteil an der enormen Zurückhaltung ausländischer Investoren. An die Zurückhaltung beziehungsweise Vorsicht der Banken hat man sich bereits gewöhnt.
Und so wird es wieder nötig, die Wertschöpfung aus der Immobilie heraus in den Fokus zu nehmen. Dazu gehört, mit den Einnahmen effizienter umzugehen. Das betrifft dann die internen Prozesse. Die Alternative, also die Einnahmen zu steigern, ist in vielen Assetklassen schwer möglich.
Die EXPO REAL 2026 zeigte auch eines deutlich: Die Messe selbst ist im Wandel. Das Rahmenprogramm gewinnt an Bedeutung. Insgesamt wies das Konferenzprogramm 264 Veranstaltungen auf 15 Bühnen und Foren in den Messehallen sowie in 43 Konferenzräumen aus.
Schwerpunkt der Veranstaltungen war das Thema Digitalisierung und Innovationen mit insgesamt 71 Veranstaltungen. Zum Thema KI gab es immerhin 23 Veranstaltungen. Dabei wird deutlich, dass die Messe neben dem klassischen Netzwerken auch einen steigenden Anteil an Wissensvermittlung anbietet. Eine Entwicklung, die für die EXPO REAL in diesem Ausmaß neu ist.
Die REA in Hannover hat von Beginn an auch auf Wissensvermittlung gesetzt. Der Wettbewerb scheint auf die Verantwortlichen in München zu wirken.
Ob es nun freiwillig geschieht, Bühnen und Foren in die Hallen zu integrieren, oder darum geht, die freien Flächen in den immer noch sechs Hallen plus einem „Food Court“ zu bespielen, bleibt offen. Netto wäre die Messe mit fünf Hallen ausgekommen, wäre es nach der belegten Standfläche gegangen.
Eine EXPO REAL mit nur fünf Hallen! Doch ob man dieses Signal in diesen Zeiten senden wollte? Nein, dann freut man sich als Messe München in der offiziellen Pressemeldung lieber über ein Ausstellerwachstum, das noch bescheidener ausfällt, als die Durchschnittsrendite in der Assetklasse Wohnen und eine stagnierende Besucherzahl. 2025 meldete die Messe 1742 Aussteller und diese Jahr 1777 bei jeweils rund 42.000 Besuchern.
Hätte man in diesem Jahr nur fünf Hallen bespielt, würden sich jetzt viele Einschätzungen in den sozialen Medien ganz anders lesen. Das ist sicher. Immerhin würde uns das Vergnügungssteuer sparen
