NHW Award 2026: „Live different!“ – Kasseler Studierende entwickeln Zukunftsideen für das Wesertor

Jurytag und Preisverleihung an der Universität Kassel: Studierendenwettbewerb der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt (NHW) widmet sich der zukunftsfähigen Gestaltung eines lebendigen, grünen und gemeinwohlorientierten Stadtquartiers

Kassel, 02.11.2026
Urkunden, Schecks und ein Gläschen Sekt: Siegerfoto mit allen Preisträgern des NHW Award Nord 2026.

Die Gewinnerinnen und Gewinner des NHW Award Kassel 2026 stehen fest. Jurysitzung, feierliche Preisverleihung und Ausstellungseröffnung fanden am Donnerstag, 29. Oktober 2026, im ASL-Neubau der Universität Kassel statt. Unter dem Titel „Live different! im Wesertor“ hatten Studierende der Universität Konzepte für die Weiterentwicklung eines heute stark versiegelten und nur unzureichend mit dem Stadtgefüge verbundenen Gebiets im Stadtteil Wesertor entwickelt. Der Wettbewerb ist mit 10.000 Euro dotiert.

122 Studierende haben sich mit der Aufgabenstellung auseinandergesetzt. 20 Arbeiten wurden eingereicht, die meist mehrere Studierende im Team interdisziplinär bearbeitet haben. Eine ebenso spannende wie herausfordernde Aufgabe für die Jury unter Vorsitz von Sonja Moers (raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH, Frankfurt am Main | Düsseldorf | Hamburg). Das achtköpfige Gremium traf seine Entscheidung nach einem intensiven Diskussionsprozess. „Alle Arbeiten waren von außerordentlich hoher Qualität und großer inhaltlicher Tiefe“, so die einhellige Meinung. „Die Siegerteams sind besonders experimentierfreudig und visionär an die Aufgabe herangegangen, haben das Thema noch ein Stück besser gelöst und für diesen schwierigen Ort sehr gute neue Ideen entwickelt.“

Siegerentwurf überzeugt mit schlüssigem Gesamtkonzept

Den mit 3.000 Euro dotierten ersten Platz belegten Sophie Schadow, Sophia Dreysse, Thorben Gille und Jakob Paulsen, ein Team aus Architekt:innen und Stadtplaner:innen. Ihre Arbeit „Vom Wasser zum Hof“ überzeugte die Jury durch ein schlüssiges Gesamtkonzept, das Städtebau, Architektur, Freiraumgestaltung und Klimaanpassung miteinander verbindet. Ein flexibles Grundraster schafft eine klare Struktur mit einer urbanen Flaniermeile, grünen Gassen und geschützten Innenhöfen. Als besondere Lösung für die schwierige Randlage zur Kläranlage hob die Jury das geplante Sportband als Pufferzone hervor. Ein „blau-grüner Loop“ und verschiedene Quartiersplätze sorgen für vielseitige Freiräume und machen den Umgang mit Wasser im Quartier erlebbar. Die Jury würdigte außerdem die geplante Mischung aus Wohnen, Arbeiten und sozialen Nutzungen sowie das autofreie Zentrum mit Mobilitätsangeboten am Rand. Besonders innovativ sei die Verbindung von Hochwasserschutz, modularer Holzbauweise und einem durchgängigen Netz aus Grün- und Freiräumen. Zu prüfen bleibe, wie vielfältig und lebendig die großmaßstäbliche Struktur im Detail wirkt, wie bestehende Gebäude und Nutzungen integriert werden können und ob die geplanten grünen Gassen ausreichend Raum für Begegnung und gemeinschaftliche Aktivitäten bieten.

Auf Rang zwei (2.500 Euro) folgten Christina Vaupel und Tim Lindemann mit „RE:WELLE – LANDschafft STADT, gefolgt von Friederike Huttary, Ilona Jarmolowitsch und Annette Czubaiko mit „flussAUFWÄRTS“ (3. Platz, 2.000 Euro) sowie Laura Grosch, Jannah Schmalfuß und Lukas Nagel auf Platz 4 (1.500 Euro) mit „PIXEL“. Jeweils eine Anerkennung und 500 Euro gingen an Alina Dittenbir und Sarah Mustaffa mit „Quartier Flora – Ein Permakultur-Quartier“ sowie Alina Rosenkranz und Janina Eileen Müller mit „FLIESSEND VERDICHTET“

Gesucht: ein lebendiges, grünes und zukunftsfähiges Stadtquartier

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie aus einem durch Gewerbebauten, große Stellplatzanlagen und starke Versiegelung geprägten Gebiet ein lebendiges, grünes und zukunftsfähiges Stadtquartier entstehen kann – idealerweise in Form einer sozialverträglichen Mischung aus Wohnen, Arbeiten, Kultur, Freizeit und Natur. Die Studierenden sollten das Wesertor als „5-Minuten-Stadt“ neu denken – als Quartier der kurzen Wege, in dem Wohnen, Bildung, Arbeit, Versorgung, Kultur und Freizeit eng miteinander verbunden sind. Bestehende Orte wie das Kaufland-Areal, die Freestyle-Halle, der geplante Skate- und Parkourpark, die Kleingärten und die Fulda sollten neu bewertet, weiterentwickelt und miteinander verknüpft werden. Zugleich griff der Wettbewerb das Leitbild der produktiven Stadt auf. Gefragt waren Modelle, die Wohnen und Arbeiten qualitätsvoll verbinden – vom gemischt genutzten Quartier bis hin zu Wohnungen mit integrierten Arbeits-, Atelier- oder Werkstattbereichen. Im Fokus standen außerdem eine bessere Vernetzung, qualitätsvolle öffentliche Räume, gemeinwohlorientierte Nutzungen sowie Maßnahmen zur Klimaanpassung, Renaturierung und umweltverträglichen Mobilität. Freiräume sollten dabei auch als Orte der Produktion, Energiegewinnung und blau-grünen Infrastruktur verstanden werden.

Wertvoller Perspektivwechsel

„Als Wohnungsunternehmen betrachten wir Quartiere nicht isoliert, sondern in ihrem sozialen, räumlichen und wirtschaftlichen Zusammenhang Der NHW Award macht sichtbar, wie viel Potenzial in Orten liegt, die durch Barrieren, monofunktionale Nutzungen und starke Versiegelung geprägt sind“, betonte NHW-Geschäftsführerin Monika Fontaine-Kretschmer. „Die Entwürfe für das Wesertor zeigen Wege, wie aus einem abgehängten Bereich ein gut vernetztes Quartier mit neuen Wohn- und Arbeitsangeboten, attraktiven Freiräumen und mehr Lebensqualität entstehen kann. Für die NHW ist dieser Perspektivwechsel sehr wertvoll: Er erweitert den Blick auf die Aufgaben, vor denen die Wohnungs- und Stadtentwicklung steht, und bringt dabei neue Ideen in den Austausch zwischen Hochschule, Stadt und Praxis ein.“

Prof. Frank Kasprusch von der Universität Kassel ergänzte: „Die Studierenden müssen ein Quartier als komplexes Gefüge verstehen. Sie setzen sich mit bestehenden Strukturen, unterschiedlichen Interessen und langfristigen Transformationsprozessen auseinander. Dabei lernen sie, architektonische, städtebauliche und landschaftsplanerische Entscheidungen miteinander zu verknüpfen und ihre Konzepte gegenüber einer interdisziplinär besetzten Jury zu vertreten. Diese Erfahrung stärkt die fachliche Urteilskraft und bereitet auf die verantwortungsvolle Gestaltung realer Veränderungsprozesse vor. Die Wettbewerbsergebnisse sind keine Musterlösungen, sondern begründete Entwürfe, an denen sich die Diskussion über die Zukunft des Wesertors und vergleichbarer Quartiere weiterführen lässt.“

Hintergrund: NHW Award

Die Unterstützung junger Menschen in ihrer Ausbildung ist eine Säule des gesellschaftlichen Engagements der NHW. Der NHW Award fördert experimentelle und zukunftsweisende Konzepte und Ideen von Studierenden der Architektur, der Landschaftsarchitektur und -planung sowie der Stadt- und Regionalplanung an der Universität Kassel. Er wird alle zwei Jahre ausgelobt, widmet sich aktuellen Fragen des Wohnungsbaus in Hessen mit Schwerpunkt auf Kassel und seiner Region und soll die fachliche und politische Auseinandersetzung mit neuen Aufgabenstellungen im Geiste des sozial orientierten Wohnungs-, Siedlungs- und Städtebaus fördern. Im Fokus steht eine sichere und sozial verantwortbare Wohnungsversorgung für breite Schichten der Bevölkerung unter besonderer Berücksichtigung von Wohnungssuchenden, die aufgrund ihrer persönlichen Verhältnisse oder Umstände Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche haben. Ausgezeichnet werden experimentelle, visionäre Wohnungsbau- und Hybridkonzepte sowie die damit verbundenen Freiräume.

Die Jury

  • Sonja Moers (Vorsitz), raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH, Frankfurt am Main | Düsseldorf | Hamburg
  • Monika Fontaine-Kretschmer, NHW-Geschäftsführerin
  • Paul Giencke, GM013 Landschaftsarchitektur, Berlin – Saarbrücken
  • Julia Jaentsch, Stadt Kassel, Leiterin Amt für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz
  • Stefanie Kleppek, Baufrösche Architekten und Stadtplaner GmbH, Kassel
  • Philine Meckbach, Stadt Kassel, Amt für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz
  • Prof. Ritz Ritzer, bogevischs buero, München; Professor für Städtebau und Entwerfen, BTH Berlin
  • Ulrich Türk, NHW, Leiter Stadtentwicklung Hessen Nord

Die Ausstellung der eingereichten Arbeiten ist bis zum 12. November im ASL-Neubau der Universität (Universitätsplatz 9, 34127 Kassel) zu sehen.

Weiterführende Informationen

https://www.nhw.de