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Witten zeigt modellhaftes Gebäudetyp-E-Projekt für bezahlbares Bauen

Symbolischer Spatenstich für öffentlich gefördertes Wohnungsbauvorhaben in der Jahnstraße

Witten, 04.11.2026
Beim Rundgang über die Baustelle des neuen Gebäudetyp-E-Projekts in Witten (v.l.n.r.): Tim Leweringhaus, Vorstand Wohnungsgenossenschaft Witten-Mitte eG, Frank Nolte, Vorstandsvorsitzender Wohnungsgenossenschaft Witten-Mitte eG, Alexander Rychter, VdW-Verbandsdirektor, Ina Scharrenbach, NRW-Bauministerin, Dirk Leistner, Bürgermeister Stadt Witten.

Mit einem symbolischen Spatenstich haben die Wohnungsgenossenschaft Witten-Mitte eG, NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach und der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (VdW) Rheinland Westfalen heute ein Wohnungsbauprojekt im Zentrum von Witten vorgestellt, das die Ansätze des Gebäudetyps E modellhaft in die Praxis überträgt.

Auf dem Grundstück entsteht ein Mehrfamilienhaus mit acht öffentlich geförderten Wohnungen. Das Vorhaben verbindet die Grundidee des Gebäudetyps E mit modularer Bauweise. Ziel ist es, Wohnungsbau einfacher, schneller und kostengünstiger umzusetzen. Der Gebäudetyp E steht für „einfach“ und „experimentell“ und setzt bestehende Anforderungen und Standards auf den Prüfstand, ohne Abstriche bei sicherheitsrelevanten Vorgaben zu machen.

„Wir wollen mit dem Projekt zeigen, dass sich bezahlbares Bauen und gute Wohnqualität nicht ausschließen, sagt Frank Nolte, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Witten-Mitte eG. „Wenn sich die erwarteten Einsparungen bestätigen, können die gewonnenen Erkenntnisse auch auf weitere Wohnungsbauprojekte übertragbar sein. Zudem gehen wir davon aus, dass einfache und robuste Lösungen langfristig Vorteile bei den Instandhaltungskosten bringen können, etwa durch den Verzicht auf störanfällige Ausstattungsbestandteile.“

Neben der Anwendung modularer Bauweisen werden in Witten unterschiedliche Ansätze für ein kostenbewusstes Planen und Bauen erprobt. Die gewonnenen Erfahrungen sollen dazu beitragen, die aktuelle Debatte um einfaches und bezahlbares Bauen mit konkreten Praxiserfahrungen zu unterlegen. Nach aktuellen Kalkulationen werden dabei Baukostenersparnisse von rund 15 bis 20 Prozent gegenüber einer konventionellen Ausführung desselben Gebäudes erwartet.

Dazu werden unter anderem Deckenstärken reduziert, technische Vorgaben vereinfacht sowie einzelne Ausstattungsmerkmale auf das notwendige Maß begrenzt. Gleichzeitig kommen vorgefertigte Bauteile zum Einsatz: Sämtliche Wandelemente werden vorproduziert zur Baustelle geliefert, die Bäder als Fertigbäder eingebracht. Zudem wird auf eine Unterkellerung verzichtet. Neben den Kosteneffekten soll insbesondere die Bauzeit verkürzt werden. Bereits bei diesem vergleichsweise kleinen Wohngebäude führt eine um zwei bis drei Monate kürzere Bauzeit dazu, dass der Wohnraum schneller zur Verfügung steht.

NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach würdigte das Vorhaben als wichtigen Praxisbeitrag für die Weiterentwicklung des bezahlbaren Wohnungsbaus in Nordrhein-Westfalen. „E² – einfacher bauen, erschwinglich wohnen: Wir zünden den doppelten Schub für bezahlbares Wohnen. Wir machen Bauen einfacher und sorgen mit unserer öffentlichen Wohnraumförderung zugleich für bezahlbare Mieten. Witten zeigt: Einfacheres Bauen war in Nordrhein-Westfalen bereits möglich. Das Modellvorhaben der Wohnungsgenossenschaft Witten-Mitte eG umfasst acht öffentlich geförderte Wohnungen. Wir unterstützen das Projekt mit rund 1,78 Millionen Euro aus der öffentlichen Wohnraumförderung. Nach Fertigstellung sollen die Wohnungen zur aktuell geltenden Fördermiete von 6,50 Euro pro Quadratmeter angeboten werden. Mit unserem BauCode NRW haben wir jetzt noch einen draufgesetzt. Wir machen einfaches Bauen noch einfacher, bauen unnötige Vorgaben ab und schaffen mehr Klarheit beim Umgang mit technischen Normen. Während der Bund noch über die notwendigen bauvertragsrechtlichen Regelungen diskutiert, zeigen wir in Nordrhein-Westfalen, was schon heute möglich ist. Weniger unnötiger Aufwand, geringere Baukosten und schneller bezahlbare Wohnungen“, sagt Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.

„Pilotprojekte allein werden die Probleme auf den Wohnungsmärkten nicht lösen“, sagt Alexander Rychter, Verbandsdirektor des VdW Rheinland Westfalen. „Das Projekt in Witten zeigt, welches Potenzial im Gebäudetyp E steckt. Nordrhein-Westfalen hat die Voraussetzungen für einfacheres und kostengünstigeres Bauen geschaffen. Nun ist vor allem die Bundesregierung gefordert, die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen nachzuziehen. Damit dieses Potenzial auch im Mietwohnungsbau gehoben werden kann, braucht es jetzt die notwendige Rechtssicherheit. Solange Bauvertrags- und Mietrecht nicht besser verzahnt werden, werden viele Wohnungsunternehmen und -genossenschaften die Möglichkeiten des Gebäudetyps E nicht nutzen. Die Chance, einfacheres und kostengünstigeres Bauen rechtssicher zu ermöglichen, darf nicht ungenutzt bleiben.“

Die Fertigstellung des Gebäudes ist für Mitte 2027 geplant. Die acht Wohnungen werden als öffentlich geförderte Wohnungen errichtet und zu der aktuell geltenden Fördermiete von 6,50 Euro pro Quadratmeter angeboten. Belastbare Erkenntnisse zu den tatsächlichen Einsparungen und zur Bauzeitenverkürzung sollen nach Abschluss des Projekts und der abschließenden Nachkalkulation im zweiten Halbjahr 2027 vorliegen. Erst dann wird sich belastbar beziffern lassen, welchen Anteil die Gebäudetyp-E-Ansätze, die modulare Bauweise und die öffentliche Förderung jeweils an den Einsparungen haben.