VDIV-Branchenbarometer 2026: Immobilienverwaltungen zunehmend überlastet
Trennung von unrentablen Eigentümergemeinschaften unvermeidlich
Der Verband der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV Deutschland) veröffentlicht die Ergebnisse seines Branchenbarometers 2026. Die aktuelle Erhebung zeichnet das Bild einer mittelständisch geprägten Branche, die sich trotz eines schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds wirtschaftlich behauptet, gleichzeitig aber zunehmend an Kapazitätsgrenzen stößt. Digitalisierung, ESG-Vorgaben, Fachkräftemangel und steigende regulatorische Anforderungen führen dabei zum betriebswirtschaftlichen Wandel.
62,1 Prozent der befragten Unternehmen gaben bei der Befragung zum diesjährigen Branchenbarometer an, überlastet zu sein. Dabei nimmt diese Kennzahl weiter zu, je größer das Unternehmen ist. Personalengpässe potenzieren diesen Umstand, da mehr als die Hälfte der Verwaltungen offene Stellen nicht besetzen kann.
Überlastung als Normalzustand
Gleichzeitig wachsen die Anforderungen durch Wohnungseigentümergemeinschaften Digitale Prozesse, der Einsatz Künstlicher Intelligenz sowie kontinuierliche Weiterbildung der Mitarbeitenden werden dadurch immer wichtiger. Demgegenüber stehen investive Ausgaben, die zunehmend steigen und durch die Unternehmen erwirtschaftet werden müssen.
Portfoliosteuerung statt reiner Expansion
Als größte Herausforderungen im Arbeitsalltag nennen die Verwaltungen den schwer vorhersehbaren Zeitaufwand pro Objekt (64,7 Prozent), gefolgt von nicht kalkulierbaren Zusatzaufgaben (38,2 Prozent). Entsprechend steuern die Unternehmen ihr Portfolio zunehmend aktiv, statt auf reinen Umsatz zu achten. 57,1 Prozent planen, sich von zu zeitaufwändigen Objekten zu trennen, 49,5 Prozent wollen unrentable Mandate abgeben – nur 5,7 Prozent geben an, an ihrer bisherigen Ausrichtung festzuhalten. Diese Selektion setzt bereits bei der Akquise an: Bei 45,9 Prozent der Befragten wurde mehr als die Hälfte der eingehenden Gesuche von Eigentümergemeinschaften abgelehnt, nicht weiterverfolgt oder mit einem sogenannten Abwehrangebot beantwortet. 31,0 Prozent der Verwaltungen planen zudem, kleinere Objekte abzustoßen. 21,0 Prozent wollen künftig nur noch Objekte ab einer Mindestgröße annehmen, im Mittel liegt diese bei rund 16 Wohneinheiten je Objekt.
Erhöhung der Vergütung unumgänglich
Um Herausforderungen zu begegnen und Ansprüche der Kunden erfüllen zu können, steigen dadurch die Vergütungssätze. Im vergangenen Jahr stiegen diese in der WEG-Verwaltung um 2,7 Prozent. In der Mietverwaltung um 3,4 Prozent auf 30,19 Euro. In diesem Jahr planen die Befragten eine Regelvergütung in der WEG-Verwaltung von durchschnittlich 31,77 Euro – ein Plus von 9,1 Prozent.
„Unsere Branche setzt immer stärker auf betriebswirtschaftliche Kennzahlen – und das ist angesichts steigender Anforderungen auch dringend notwendig. Wer ohne Controlling und klare Kalkulation ‚aus dem Bauch heraus‘ arbeitet, wird es künftig deutlich schwerer haben. Kennzahlen schaffen zudem Transparenz gegenüber den Eigentümern: Wenn sie verstehen, was die Arbeit einer Immobilienverwaltung tatsächlich ausmacht, können sie auch nachvollziehen, warum die Vergütung vielerorts noch nicht leistungsgerecht ist. Deshalb müssen die Unternehmen zwei Dinge bedenken: Preise anpassen und gleichzeitig die eigene Datenbasis stärken. Nur so sichern die Unternehmen ihre Wirtschaftlichkeit – und die Zukunftsfähigkeit einer Branche, die für Millionen Wohneinheiten in Deutschland Verantwortung trägt“, ordnet VDIV-Geschäftsführer Martin Kaßler die Erkenntnisse der wichtigsten Jahresumfrage unter Immobilienverwaltungen ein.
Die Umfrageergebnisse können hier abgerufen werden: https://vdiv.de/publikationen
