ESG, Nachhaltigkeit

Deutsche Allianz für Serielle Sanierung bemängelt fehlende Strategie im Nationalen Gebäuderenovierungsplan (NBRP)

15.07.2026
  • Entwurf benennt Sanierungsbedarf, lässt aber konkrete Fahrpläne und Umsetzungsinstrumente offen
  • Serielle Sanierung fehlt als eigenständige Kategorie trotz nachgewiesener Skalierbarkeit
  • Langfristige Förderkulisse des Bundes fehlt als unabdingbare Voraussetzung für flächendeckende Sanierungsmaßnahmen

Die Bundesregierung hat den Entwurf zum ersten Nationalen Gebäuderenovierungsplan (NBRP) vorgelegt und damit die EU-Vorgabe aus der Energy Performance of Buildings Directive (EPBD) umgesetzt. Die Deutsche Allianz für Serielle Sanierung (DASS) begrüßt den Entwurf als wichtigen Schritt zur strategischen Planung der Wärmewende. Zugleich bleibt der Entwurf an zentralen Stellen unvollständig. Zum einen fehlen entscheidende Daten, etwa zu aktuellen Sanierungsvolumina, und Zusicherungen für eine langfristige stabile Förderung im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Außerdem fehlt eine notwendige Strategie zur Beschleunigung der Sanierung, gerade von Gebäuden mit schlechter Energieeffizienz. Die serielle Sanierung ist eine der wenigen Methoden, die die nötige Skalierung zur Erreichung der Klimaziele tatsächlich erlaubt.

„Der NBRP-Entwurf ist ein wichtiger Anfang, aber er muss mehr sein als eine Bestandsaufnahme der aktuellen und historischen Förderlandschaft“, sagt Alexander Fuchs, Sprecher der DASS. „Ein relevanter Teil der deutschen Bestandsgebäude gehört in die schlechtesten Effizienzklassen. Der Entwurf benennt dieses Problem, ohne einen Lösungsvorschlag zu liefern. Die serielle Sanierung stellt eine solche skalierbare Lösung dar, benötigt aber für eine flächendeckende Anwendung eine langfristige stabile BEG-Förderkulisse samt entsprechendem Bonus. An dieser entscheidenden Stelle schweigt sich der NBRP-Entwurf leider aus.“

Der NBRP-Entwurf stellt dar, dass Deutschland im Wohngebäudebestand derzeit rund 710.000 Renovierungen pro Jahr durchführt, aber nur 30.000 davon als umfassende energetische Modernisierungen (Kategorie Deep) eingestuft werden können. Konkrete Zielquoten für 2030, 2040 und 2045 sind im Entwurf noch nicht festgelegt. Gleichzeitig soll der NBRP-Fahrplan bis Ende 2026 finalisiert werden. Aus Sicht der DASS steht fest: Ohne angestrebte Deep-Renovation-Quote und ohne Nennung skalierbarer Methoden zur Umsetzung bleibt der Plan unvollständig.

Der Entwurf identifiziert rund 9,5 bis 11,5 Millionen Wohngebäude als sogenannte „Worst Performing Buildings“, was 43 Prozent des Bestands entspricht. Diese Gebäudeklasse mit der geringsten Gesamtenergieeffizienz profitiert in besonderem Maße von seriellen Fassaden- und Dachsanierungen. In diesem Bereich weist der Entwurf eine strategische Lücke auf.

Probleme werden benannt, wirksame Lösungen fehlen bislang

Der NBRP-Entwurf beschreibt die Herausforderung präzise: Fachkräftemangel, hohe Kosten, divergierende Anreize zwischen Vermietern und Mietern und unzureichende Sanierungstiefe. Zugleich empfiehlt er wenig konkrete Ansätze wie Stadtteilkonzepte, zentrale Anlaufstellen und Sensibilisierungskampagnen. Die serielle Sanierung löst genau diese Hemmnisse strukturell: Sie reduziert den Fachkräftebedarf durch industrielle Vorfertigung, senkt Kosten durch Skaleneffekte und minimiert die Belastung von Mietern durch kurze Baustellenzeiten.

„Serielle Sanierung ist keine Nischenlösung, sondern die Antwort auf die Frage, wie wir Millionen von Gebäuden in kurzer Zeit wirtschaftlich, sozialverträglich und wirkungsvoll sanieren. Ohne eine stabile Förderkulisse werden diese Investitionen jedoch ausbleiben und einen effektiven Hochlauf notwendiger Tiefensanierungen verhindern“, so Fuchs.