Das Rohstofflager unter der Stadt: Concular entwickelt Urban Mining Kataster für Stuttgart
Der Bausektor verursacht rund 60 % des weltweiten Abfallaufkommens und etwa 40 % der CO₂-Emissionen. Dass bestehende Gebäude die Rohstofflager von morgen sind, ist unbestritten, doch bislang fehlte die Datengrundlage. Mit dem neuen Urban Mining Kataster Stuttgart schafft das Greentech-Unternehmen Concular eine verlässliche digitale Basis für die zirkuläre Transformation. Das Projekt wird durch den Stuttgarter Klima-Innovationsfonds der Landeshauptstadt Stuttgart gefördert.
- Ressourcentransparenz: Concular erfasst in Kooperation mit der Landeshauptstadt Stuttgart den städtischen Gebäudebestand als digitales Rohstofflager, inklusive des Wiederverwendungspotenzials von Bauteilen wie Fenstern, Türen und Tragwerken.
- Erfassung auf Portfolio-Ebene: Bis zu 200.000 Gebäude werden hinsichtlich Materialmengen, gebundenem CO₂ und Wiederverwendungspotenzialen analysiert.
- Eigener Bestand, geschützter Zugang: Nutzende laden ihr eigenes Portfolio zugriffsgeschützt hoch, reichern es mit zusätzlichen Informationen an und planen direkt damit.
- Entscheidungsgrundlage für die Bauwende: Integrierte Materialstrom-Szenarien, Klimarisikoanalysen, Sanierungsfahrpläne und CRREM-Klimapfade unterstützen Kommunen und Bestandshalter.
- Start der Pilotphase: Die vom Stuttgarter Klima-Innovationsfonds geförderte Plattform steht ab sofort für regionale Praxispartner offen.
Von der Bestandserfassung zur Zirkulären Planung
Auf Basis von Geodaten (CityGML, ALKIS) und Nutzungstypen übersetzt das System den Bestand gebäudescharf und in 3D in konkrete Baustoffmengen und gebundene Emissionen, gegliedert nach den Kostengruppen der DIN 276. Die Ergebnisse stehen als digitale Gebäudepässe auf der Concular-Plattform zur Verfügung. Ämter und Bestandshalter können ihren eigenen Bestand zugriffsgeschützt in das Kataster laden und die automatisch erzeugten Ausgangsdaten schrittweise präzisieren – etwa mit Verbrauchsdaten, Energieausweisen, Ergebnissen aus Begehungen oder BIM-Modellen. So wird aus der Hochrechnung ein belastbares Planungsinstrument für das eigene Portfolio. Über die reine Inventur hinaus bietet das Kataster strategische Planungswerkzeuge:
- Materialstrom-Szenarien: Hochrechnung künftig anfallender Materialien aus Rückbau und Neubauquoten samt CO₂-Einsparpotenzialen.
- Sanierungsfahrpläne & CRREM-Pfade: Ökologischer, wirtschaftlicher und energetischer Variantenvergleich sowie Ausweisung des Stranding-Jahres nach EU-Taxonomie.
- Fundierte Abwägungen: Objektive Kennwerte für Genehmigungsverfahren und Sanierungsgebiete (z. B. nach § 172 BauGB).
„Die verbauten Massen von heute sind die Rohstoffe von morgen. Wenn wir die Klimaziele im Gebäudesektor erreichen wollen, müssen wir den Bestand als riesige Ressourcenlager und CO₂-Speicher begreifen. Das Urban Mining Kataster macht dieses Potenzial auf Stadt-Ebene sichtbar und ebnet den Weg für massenhafte CO₂-Einsparungen in der Region.“, sagt Georg Zinder, Projektleiter für das Urban Mining Kataster Stuttgart.
Einladung zur Testphase für die Region Stuttgart
Nach erfolgreichem Abschluss der Entwicklung startet das Urban Mining Kataster nun in die Praxisphase. Ämter, Bauverwaltungen, Wohnungsbaugesellschaften und private Bestandshalter aus Stuttgart sind eingeladen, innerhalb des Testzeitraums kostenlos ihren eigenen Bestand zugriffsgeschützt hochzuladen, mit eigenen Daten anzureichern und direkt damit zu planen. Für eine kostenlose Testnutzung können sich weitere Interessenten noch bis Ende Oktober 2026 bewerben.
