19.04.2016

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Es wird eng auf dem Bonner Büromarkt

- Leerstandsquote sinkt auf unter drei Prozent

- Wenig Neubaufläche in Sicht

- Spekulative Projektentwicklung als Lösung

Die ehemalige Bundeshauptstadt hat die Folgen der Verlegung des Parlaments- und Regierungssitzes nach Berlin bestens gemeistert. Die wirtschaftlichen Kennzahlen sind der Beweis: Seit über einem Jahrzehnt wächst die Bevölkerung, die Zahl der Arbeitsplätze steigt stetig und die Produktivität legt zu. Mehr als 90 Prozent der Beschäftigten arbeiten im Dienstleistungssektor. Die Akademikerquote liegt bereits bei 21 Prozent. Beides sind Höchstwerte in der Bundesrepublik.

Auch die mehr als guten Büromarktzahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Regelmäßig zählt Bonn mit seinen Flächenumsätzen zu den Top 10-Bürostandorten in Deutschland. Eine Spitzenmiete von zuletzt 17,80 Euro pro Quadratmeter verschaffte der Stadt am Rhein einen Platz direkt hinter den klassischen Top 7. Die Teilmärkte Bundesviertel – rund um das ehemalige Regierungsviertel und als Standort früherer Botschaften – sowie der Bonner Bogen haben sich zu den beliebtesten Bürolagen entwickelt.

Der Investmentmarkt gewinnt ebenso an Attraktivität. Das Ausweichen der Investoren auf die sogenannten B-Standorte ist in Bonn zu spüren, bleibt aber auch nicht ohne Folgen: „Für längerfristig vermietete Büroneubauten in guten Lagen werden mittlerweile Bruttoanfangsrenditen unter 5 Prozent akzeptiert“, bemerkt Marc Kleinpeter, Geschäftsführer der RHEINWERT Immobilienconsulting. Das Unternehmen kennt sich auf dem Bonner Büroimmobilienmarkt bestens aus und hat unter anderem Aberdeen beim Verkauf der im Bundesviertel gelegenen Bürogebäude Holland- und Kanadahaus an einen Spezialfonds der IVG Funds bzw. an eine Hessische Vermögensverwaltungsgesellschaft exklusiv beraten. Der ehemalige Sitz der niederländischen Botschaft umfasst ungefähr 12 000 Quadratmeter Mietfläche und wird langfristig von der Deutschen Post genutzt. Die ehemalige kanadische Botschaft mit fast 5000 Quadratmetern ist gleichfalls voll vermietet.

Jetzt allerdings wird es eng auf dem Büromarkt. Der kontinuierlich hohen Flächennachfrage steht ein zu geringes Angebot gegenüber. Die Leerstandsquote von zirka 2,8 Prozent ist an einem kritischen Punkt angelangt. Derzeit sind zwar fünf Bürogebäude mit insgesamt etwa 60 000 Quadratmeter im Bau, jedoch steht nur noch ein Drittel ihrer Fläche zur Verfügung. Und drei der vier im Vorjahr fertiggestellten Büroneubauten sind bereits vollständig vergeben. So sind nur noch 2 500 Quadratmeter vakant. „Es gibt eindeutig viel zu wenige Neubauflächen. Das könnte für Bonn spätestens dann zu einem echten Problem werden, wenn mangels adäquatem Flächenangebots Unternehmen ihren Standort verlassen müssen oder eine Neuansiedlung erschwert wird“, warnt Christian Spatz, Geschäftsführer der RHEINWERT Immobilienconsulting. „Bonn braucht dringend mehr Projektentwicklungen“, so Spatz weiter. Mit dem Haus der Höfe, dem Bonnjour und dem Bonn Center seien zwar im Bundesviertel aktuell drei Projekte in der Pipeline, doch die würden wohl erst bei einer entsprechenden Vorvermietung angegangen. Genau darin aber sieht Spatz ein Problem. „Große Unternehmen wie beispielsweise die Telekom oder die Post benötigen kurzfristig Flächen und können nicht darauf warten, bis in zwei Jahren neue Flächen entstanden sind“, erläutert er das Dilemma. Sein Geschäftsführerkollege Kleinpeter fordert daher mehr Mut von den Projektentwicklern. „Angesichts der generell entspannten Finanzierungssituation und der hohen Nachfrage am Standort sollten Projektentwickler hier mehr Risikobereitschaft zeigen. Die Stadt kann durchaus spekulative Projekte vertragen“, ist Kleinpeter überzeugt.

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