Expo Real 2026: Warum ich trotzdem hinfahre
Eine Betrachtung von Ulrich Höller, Geschäftsführender Gesellschafter der ABG Real Estate Group
Muss ich dieses Jahr wirklich auf die Expo Real? Diese Frage habe ich mir tatsächlich gestellt. Drei Tage München, endloses Laufen und so viele Gespräche und das in einem Markt, in dem weiterhin vieles zäh ist und wenig passiert. Meine Antwort ist trotzdem: Ja.
Ich will auch sagen, warum. Gerade jetzt halte ich es für wichtig, sich zu treffen und im Gespräch zu bleiben. Bei allen digitalen Möglichkeiten, an die wir uns inzwischen gewöhnt haben: Eins zu eins und von Angesicht zu Angesicht ist für mich immer noch der beste Weg, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie der Markt wirklich tickt. Im persönlichen Gespräch merkt man schnell, wer wieder mutiger wird, wer weiter abwartet, wo konkrete Pläne entstehen und wo nur viel geredet, aber nicht gehandelt wird. Ich möchte meinem Gegenüber dabei in die Augen schauen können. Das sagt manchmal mehr als die nächste Marktstatistik. Aber mir ist klar, dass es keine Jubelmesse wird. Dafür sind die Zeiten nach wie vor zu herausfordernd. Ich erwarte allerdings auch keine drei Tage Krisenstimmung. Dafür hat sich inzwischen doch einiges stabilisiert.
Die Zeiten bleiben herausfordernd und ich sehe keinen Grund, das schönzureden. Trotzdem sind wir der Bodenbildung heute deutlich näher als noch vor zwölf Monaten. Für einen wirklichen Aufschwung fehlen aber weiterhin die Wachstumsimpulse. Finanzierung ist wieder möglich, Kapital ist vorhanden und auch das neue Zinsniveau ist weitgehend akzeptiert. Nur: Daraus entsteht noch zu wenig Bewegung. Deshalb bleibe ich mit Blick auf die weitere Marktentwicklung vorsichtig. Eine Stabilisierung ist noch kein Aufschwung, auch wenn das der eine oder andere denkt.
Was mich mindestens genauso beschäftigt, ist die Umsetzung. Deutschland hat aus meiner Sicht weniger ein Kapital- als ein Umsetzungsproblem. Das erlebe ich als Unternehmer bei konkreten Projekten und sehe es ebenso mit Blick auf die gesamte Branche. Besonders deutlich wird es beim Wohnungsbau: Der Bedarf ist enorm, privates Kapital wäre vorhanden, gebaut wird aber weiterhin viel zu wenig. Wir brauchen weniger Vorschriften und Anforderungen und vor allem schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren. Das fordern wir auch im ZIA seit Langem. Entscheidend ist jetzt, dass von den vielen Diskussionen und angekündigten Erleichterungen endlich etwas in der Praxis ankommt. Denn am Ende zählt nur, was wirklich gebaut wird.
Beim Büro stellt sich eine andere Aufgabe. Der Markt differenziert immer stärker nach Qualität. Gute, moderne Immobilien funktionieren, Unternehmen suchen hochwertige Flächen und sind bereit, dafür entsprechende Mieten zu bezahlen. Schwieriger wird es bei Gebäuden, die heutigen Anforderungen nicht mehr entsprechen. Lage allein reicht längst nicht mehr. Und genau daraus entsteht eine der großen Aufgaben für die kommenden Jahre.
Denn statt auf den nächsten Aufschwung zu warten, müssen wir uns intensiver mit dem Bestand beschäftigen. Redevelopment, Repositionierung und aktives Asset Management werden deutlich an Bedeutung gewinnen. Das ist anspruchsvoll, eröffnet aber auch Chancen für diejenigen, die bereit sind, Immobilien wirklich weiterzuentwickeln. Für mich ist klar: Der nächste Zyklus findet im Bestand statt. Dort wird Wertschöpfung wieder erarbeitet werden müssen.
Und genau dafür ist die Expo Real wichtig. Nicht um sich gegenseitig zu erzählen, dass jetzt alles wieder besser wird. Sondern um herauszufinden, wer bereit ist, das, was vor uns liegt, auch anzupacken.

