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IBA Berlin: AIV bringt „Stadt statt A104“ als Modellprojekt ein

Berlin, 20.10.2026
Perspektive Breitenbachplatz

Die ehemalige Stadtautobahn A104 am Breitenbachplatz wird als möglicher Standort für die Internationale Bauausstellung (IBA) Berlin 2034-2037 diskutiert. Was derzeit als Zukunftsprojekt Aufmerksamkeit erhält, hat eine längere Vorgeschichte. Bereits 2021 haben der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV) und Patzschke Architekten erste Konzepte für die Umgestaltung der ehemaligen Autobahntrasse unter dem Titel „Stadt statt A104″ vorgelegt. Der AIV sieht in der IBA nun die Chance, diese Planungen in ein konkretes Stadtentwicklungsprojekt zu überführen.

„Die Internationale Bauausstellung bietet Berlin die Chance, Stadtentwicklung neu zu denken und dabei nicht nur über neue Quartiere auf der grünen Wiese zu sprechen, sondern die Potenziale der bestehenden Stadt zu nutzen. Genau darum geht es bei unserem Projekt ‚Stadt statt A104′. Wir haben bereits 2021 gezeigt, wie aus einer ehemaligen Stadtautobahn neuer Stadtraum entstehen kann. Dass diese Idee nun im Zusammenhang mit der IBA diskutiert wird, begrüßen wir ausdrücklich. Jetzt kommt es darauf an, aus den vorhandenen Konzepten konkrete Projekte zu entwickeln“, so Christian Müller, AIV-Vorstandsvorsitzender.

Bis zu 6.000 Wohnungen auf und entlang der ehemaligen Autobahntrasse

Die städtebauliche Konzeption „Stadt statt A104″ betrachtet die gesamte ehemalige A104 zwischen dem Autobahnkreuz Wilmersdorf und der Schlossstraße. Nach den Berechnungen besteht entlang der Trasse ein Potenzial von rund 600.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche beziehungsweise etwa 6.000 Wohnungen. Zugleich könnten neue Grünflächen, öffentliche Plätze, soziale Infrastruktur und attraktive Verbindungen zwischen bislang durch Verkehrsbauwerke getrennten Quartieren entstehen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Bereich zwischen der Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße, dem Breitenbachplatz und der Schildhornstraße. Für diesen Abschnitt liegt mit „Stadt statt A104 – Breitenbachplatz neu gedacht“ bereits eine vertiefte städtebauliche Konzeptstudie vor. Sie zeigt, wie auf rund 75.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche etwa 800 bis 1.000 Wohnungen entstehen könnten, ein Großteil davon öffentlich gefördert. Gleichzeitig sieht das Konzept eine deutliche Entsiegelung, zusätzliche Grünflächen und die Wiederherstellung des Breitenbachplatzes als zusammenhängenden öffentlichen Stadtraum vor.

„Die A104 ist ein Beispiel dafür, wie Verkehrsinfrastruktur über Jahrzehnte Stadtstrukturen zerschnitten hat. Heute haben wir die Möglichkeit, diese Entwicklung umzukehren. Statt einer Hochstraße können hier neue Wohnungen, lebendige Straßenräume und Grünflächen entstehen. Es geht nicht allein um zusätzlichen Wohnraum, sondern um die Reparatur der Stadt. Genau solche Transformationsaufgaben sollten im Mittelpunkt einer Internationalen Bauausstellung stehen“, so Robert Patzschke, Architekt und Mitglied des AIV-Vorstands.

Breitenbachplatz als konkretes IBA-Pilotprojekt

Für den AIV bietet insbesondere der Breitenbachplatz die Chance, den Anspruch der IBA in einem konkreten Vorhaben sichtbar zu machen. Der Rückbau der Hochstraße ist politisch bereits beschlossen. Damit stellt sich nicht mehr nur die Frage, wie die bestehende Verkehrsinfrastruktur entfernt wird, sondern vor allem, was an ihrer Stelle entstehen soll. Das Konzept des AIV geht deshalb weit über den Rückbau der Hochstraße hinaus. Vorgesehen sind neue Wohngebäude, öffentliche Räume, eine bessere Vernetzung der angrenzenden Quartiere, neue Rad- und Fußwege sowie Maßnahmen zur Klimaanpassung. Die Konzeptstudie zeigt unter anderem Möglichkeiten auf, die Flächenversiegelung auf 33 Prozent zu reduzieren und den Grünflächenanteil um 18 Prozent zu erhöhen. Ein weiterer Vorteil: Die Flächen befinden sich nach Angaben der Initiatoren nahezu vollständig in öffentlicher Hand. Damit bestehen günstige Voraussetzungen für eine koordinierte Entwicklung.

„Wir sollten den Abriss der Hochstraße nicht als isolierte Verkehrsmaßnahme betrachten. Hier eröffnet sich die seltene Möglichkeit, mitten in Berlin ein neues Stück Stadt zu schaffen. Mit der IBA haben wir nun einen Rahmen, in dem sich städtebauliche Qualität, nachhaltiges Bauen, neue Mobilitätskonzepte und soziale Durchmischung beispielhaft miteinander verbinden lassen“, so Patzschke.

IBA muss neue Wege der Stadtentwicklung aufzeigen

Der AIV hatte sich bereits seit vielen Jahren für eine Neuauflage der Internationalen Bauausstellung in Berlin eingesetzt und den Senatsbeschluss vom März 2026 ausdrücklich begrüßt. Aus Sicht des Vereins muss die IBA 2034-2037 vor allem Projekte hervorbringen, die modellhaft, international übertragbar und langfristig wirksam sind. „Stadt statt A104″ könnte nach Auffassung des AIV auch bei den Planungsprozessen neue Maßstäbe setzen. Die Transformation der ehemaligen Autobahn erfordert die Zusammenarbeit verschiedener Bezirke, Senatsverwaltungen und gegebenenfalls der Bundesebene. Der Verein schlägt deshalb einen kooperativen Planungsprozess vor, der die zuständigen Verwaltungen, Fachleute und die Stadtgesellschaft frühzeitig zusammenführt. Zugleich könnten neue Instrumente zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren erprobt werden.

„Die IBA darf nicht bei guten Bildern und ambitionierten Konzepten stehen bleiben. Ihr Erfolg wird sich daran messen lassen, ob sie tatsächlich neue Lösungen für die Stadtentwicklung hervorbringt. Dazu gehört auch, Planungsprozesse zu vereinfachen, Zuständigkeiten besser zu koordinieren und die Umsetzung in den Mittelpunkt zu stellen. Mit ‚Stadt statt A104′ liegt ein Projekt vor, an dem sich genau das beispielhaft erproben ließe“, so Müller.

Vom Konzept zur Umsetzung

Die ersten Konzepte zur Umgestaltung der ehemaligen A104 wurden bereits 2021 veröffentlicht und 2022 im Berliner Abgeordnetenhaus vorgestellt. Seither haben der AIV und Patzschke Architekten die Überlegungen weiterentwickelt und für den Bereich Breitenbachplatz konkretisiert. Der AIV sieht in der Vorbereitung der IBA nun den richtigen Zeitpunkt, um die vorliegenden Planungen aufzugreifen und in einen verbindlichen Entwicklungsprozess zu überführen. Dazu gehören ein städtebaulicher Rahmenplan, die Klärung der Zuständigkeiten und ein qualitätsgesichertes Planungsverfahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit.

„Berlin muss für die IBA nicht bei null anfangen. Es gibt bereits durchdachte Konzepte, die Antworten auf zentrale Zukunftsfragen der Stadt liefern. Unser Projekt zeigt, welches Potenzial in der Umnutzung bestehender Infrastruktur steckt. Wir möchten diese Ideen und unsere fachliche Expertise aktiv in den IBA-Prozess einbringen. Der Breitenbachplatz könnte zu einem Beispiel dafür werden, wie Berlin aus seinen bestehenden Strukturen heraus neue Stadt schafft“, so Müller abschließend.