Leipzig: Markt für Gewerbeimmobilien am Wendepunkt
Investitionsstau bremst Gewerbemarkt, Wohnungsmarkt stabil, 2026 bleibt herausfordernd
Leipzig startet unter anspruchsvollen Vorzeichen in das Jahr 2026. Während die gesamtwirtschaftliche Schwächephase den Gewerbeimmobilienmarkt unmittelbar trifft, zeigt sich der Wohnimmobilienmarkt robuster. Der Leipziger Fachkreis Gewerbeimmobilien bewertet die Lage differenziert und verbindet seine Analyse mit einem klaren Appell: Investieren statt abwarten.
Wirtschaftliche Stagnation prägt das Marktumfeld
Deutschland befindet sich im dritten Jahr ohne reales Wirtschaftswachstum. Für 2026 prognostiziert der Sachverständigenrat ein Plus von 0,9 Prozent, ein Teil davon ist kalendarisch bedingt. Hohe Energiepreise, steigende Lohn- und Lohnnebenkosten sowie geopolitische Unsicherheiten belasten die Unternehmen. Der Exportmotor läuft gedämpft. Investitionen werden verschoben.
Prof. Dr. Kerry Brauer, Präsidentin des Leipziger Fachkreises Gewerbeimmobilien, ordnet ein: „Ohne wirtschaftliche Dynamik bleibt auch der Immobilienmarkt unter Druck. Die Zurückhaltung bei Investitionen wirkt sich direkt auf den Gewerbeimmobilienmarkt aus.“
Gewerbeimmobilien: Bodenbildung auf niedrigem Niveau
Die Zahlen sind eindeutig. Der Leipziger Büromarkt erreichte 2025 einen Flächenumsatz von rund 85.000 m². Das entspricht einem Rückgang von knapp 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr und liegt deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Größere Abschlüsse blieben weitgehend aus. Zu den wenigen nennenswerten Transaktionen zählten Deloitte und die Deutsche Bahn.
Auch im Investmentmarkt blieb die Dynamik schwach. Mit etwas mehr als 200 Millionen Euro Transaktionsvolumen wurde ein historisch niedriger Wert erreicht. Unternehmen expandieren kaum, größere Neuansiedlungen sind selten.
Stefan Sachse, Geschäftsführer von BNP Paribas Real Estate sowie Vorstandsmitglied des Leipziger Fachkreis Gewerbeimmobilien ist seit mehr als 30 Jahren am Leipziger Immobilienmarkt tätig und beschreibt die Lage klar: „Der Markt hat den Boden erreicht, vergleichbar mit der Situation nach der Finanzkrise.“ Zugleich betont er: „Gewerbe braucht keine Förderstrategien analog zur Wohnungswirtschaft. Im Gewerbe entscheidet der Markt. Und der spiegelt die wirtschaftliche Realität wider.“
Am stabilsten zeigt sich weiterhin der Logistikbereich. Im Bürosektor fehlen hingegen Impulse durch größere Flächennachfragen.
Investieren statt verharren
Nach Einschätzung des Fachkreises ist das angekündigte Investitionspaket der Bundesregierung bislang kaum in der realen Wirtschaft angekommen. Banken agieren zurückhaltend. Viele Unternehmen verschieben strategische Entscheidungen.
Sachse formuliert einen klaren Appell: „Warten und Pattstellung bringen uns nicht weiter. Unternehmen müssen investieren. In Know how, in Innovation und in ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit.“ Erst wenn wieder Expansionsentscheidungen getroffen werden, wird sich dies in steigenden Flächenumsätzen und Transaktionsvolumina niederschlagen.
Wohnungsmarkt bleibt Stabilitätsanker
Der Wohnimmobilienmarkt reagiert weniger unmittelbar auf konjunkturelle Schwankungen. Leipzig bleibt ein attraktiver Wohnstandort mit weiterhin positivem, wenn auch abgeschwächtem Wanderungssaldo. Die Nachfrage nach Wohnraum ist hoch, die Mieten steigen.
Zahlreiche Wohnbauprojekte befinden sich in Planung oder Umsetzung. Auch wenn nicht alle Vorhaben kurzfristig marktwirksam werden, entsteht perspektivisch zusätzlicher Wohnraum, darunter auch geförderte Wohnungen. Positiv bewertet der Fachkreis die Bemühungen der Stadt, Genehmigungsprozesse zu beschleunigen und Planungssicherheit zu schaffen.
Diversität als strategischer Vorteil
Für Prof. Dr. Kerry Brauer sind Standorte mit einem Branchenmix gut aufgestellt: „Gerade für Leipzig bestehen hier durchaus Chancen mit dem Mix aus Automobil, Logistik, IT und Lebenswissenschaften. Hier liegt ein solides Fundament, das aber noch weiter ausbaufähig ist, insbesondere im Bereich von Zukunftstechnologien. Diversität hilft, konjunkturelle Schwankungen besser abzufedern.“
Gleichzeitig schlagen sich die gesamtwirtschaftlichen Probleme auch in den öffentlichen Haushalten nieder. Eine Belebung des Gewerbeimmobilienmarktes ist daher nicht nur für Investoren, sondern auch für die kommunalen Finanzen von zentraler Bedeutung.
2026 als Bewährungsprobe
Die Prognose des Fachkreises: Im Gewerbeimmobilienmarkt ist kurzfristig keine deutliche Trendwende zu erwarten. Der Wohnimmobilienmarkt bleibt stabiler, ist jedoch ebenfalls nicht vollständig entkoppelt von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.
