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Reform des Gebäudeenergiegesetzes verzögert sich weiter

Die angekündigte Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) verzögert sich erneut. Union und SPD ringen weiterhin um zentrale Eckpunkte. Der VDIV Deutschland warnt: Der anhaltende Stillstand verunsichert Eigentümerinnen und Eigentümer massiv und lähmt die Investitions- und Planungssicherheit im Gebäudesektor.

Berlin, 28.01.2026

Ursprünglich sollte – nach mehrfacher Verschiebung – bereits in dieser Woche ein Eckpunktepapier zur Überarbeitung des GEG vorliegen, nun wird es frühestens Anfang Februar erwartet. Damit wird der Zeitplan eng: Das reformierte Gesetz müsste spätestens zum 1. Juli 2026 in Kraft treten. Andernfalls gelten beim Heizungstausch weiterhin die bestehenden Vorgaben, einschließlich der sogenannten 65-Prozent-Regel, die abhängig von kommunaler Wärmeplanung und Übergangsfristen greift. Genau über diese Regelung wird politisch gestritten: Während die Union ihre Abschaffung fordert, lehnt die SPD dies ab.

Zusätzliche Unruhe durch Debatte über Klimaziele

Über die Detailfragen in der Umsetzung hinaus wächst die Unsicherheit, weil Teile der CDU auf dem Parteitag am 20./21. Februar 2026 eine „Neudefinition“ von Klimaneutralität auf EU-Ebene anstoßen wollen – faktisch als 90-Prozent-Reduktion bis 2050 statt echter Netto-Null. Gleichzeitig hat Bundeskanzler Friedrich Merz aber öffentlich bekräftigt, dass Deutschland zu den nationalen und europäischen Klimazielen steht. Wenn Ziele zwar bestätigt, Regeln und Zeithorizonte aber fortlaufend relativiert werden, leidet die Verlässlichkeit politischer Leitplanken und beeinträchtigt Investitionsentscheidungen im Gebäudebestand. Wenn jedoch Zieltreue betont, die dafür entscheidenden Regeln im Gebäudebereich aber fortlaufend verschoben oder neu verhandelt werden, entsteht der unvermeidliche Eindruck: Ziele ja – Umsetzung unklar.
Aus Sicht des VDIV steht fest: An den europäischen und somit auch nationalen Klimazielen führt kein Weg vorbei, denn sie bleiben der verbindliche Rahmen für Politik, Wirtschaft und Eigentümerinnen und Eigentümer. Gerade deshalb muss der Gebäudebestand als wichtigster Faktor zum Gelingen der Wärmewende im Mittelpunkt stehen.

Schluss mit der Hängepartie, klare Regeln statt Flickenteppich

Der VDIV appelliert daher an Union und SPD, die Verhandlungen zügig abzuschließen und dabei die finanzielle sowie organisatorische Realität von Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) zu berücksichtigen. Häufig wechselnde und unklare Vorgaben verunsichern Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen und verhindern eine verlässliche, langfristige Planung energetischer Maßnahmen.

VDIV-Geschäftsführer Martin Kaßler betont: „Unklarheit ist der teuerste Energieträger: Sie stoppt Entscheidungen und friert Investitionen ein.“ Und weiter: „Wenn Regeln halbjährlich neu verhandelt werden, bleibt der Eigentümer im Wartemodus und das Erreichen der Klimaziele rückt außer Reichweite.“ Der VDIV fordert deshalb einen stabilen, verlässlichen Rahmen, „denn wer Klimaziele ernst meint, muss jetzt liefern: einfache Regeln, langfristige Förderung und spürbar weniger Bürokratie“, so VDIV-Geschäftsführer Kaßler abschließend.