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Deutschland baut wieder kleiner

Frankfurt am Main, 04.02.2026
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Nach Jahrzehnten stetig wachsender Wohnflächen deutet sich am deutschen Immobilienmarkt ein klarer Kurswechsel an. Immer mehr Neubauprojekte konzentrieren sich auf kompaktere Grundrisse. Steigende Bau- und Grundstückskosten, veränderte Lebensstile und kleinere Haushalte führen dazu, dass Wohnungen heute wieder effizienter geplant werden.

Wohnfläche pro Kopf erreicht Rekordwert, doch die Entwicklung stagniert

Im Jahr 2024 stand jeder Person in Deutschland durchschnittlich rund 49 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung, ein historischer Höchststand. Dieser Komfort steht jedoch im deutlichen Gegensatz zur angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt, vor allem in Ballungsräumen. Nach Analysen des Verbandes der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV) deutet sich an, dass der Zenit überschritten ist. Bereits seit Mitte der 2000er Jahre werden Neubauten im Schnitt wieder kleiner. „Wir erleben eine Umkehr der jahrzehntelangen Entwicklung“, sagt die Geschäftsführung von OTTO STÖBEN Immobilien. „Kompaktere Grundrisse, flexible Raumkonzepte und energieeffiziente Bauweisen sind die Zukunft, nicht mehr der zusätzliche Quadratmeter.“

Demografischer Wandel verändert den Bedarf

Die Lebens- und Familienformen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. Während in den 1960er Jahren noch fast drei Personen in einem Haushalt lebten, liegt der Durchschnitt heute bei etwa zwei. In den Städten ist fast jeder zweite Haushalt ein Einpersonenhaushalt. Weniger Personen pro Wohnung bedeuten weniger benötigte Fläche, aber gleichzeitig eine steigende Zahl an Wohneinheiten, die bereitgestellt werden müssen.

Wirtschaftliche Zwänge verstärken den Trend

Neben gesellschaftlichen Faktoren prägen auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen den neuen Kurs. Steigende Zinsen, hohe Grundstückspreise und Baukosten machen größere Wohnungen für viele Bauträger und private Käufer zunehmend unerschwinglich. „Was früher als großzügig galt, ist heute oft schlicht nicht mehr bezahlbar“, erklärt die Geschäftsführung. „Das zwingt sowohl Bauherren als auch Projektentwickler, Flächen neu zu denken und effizienter zu nutzen.“

Dichter bauen, kleiner wohnen

Auch städtebaulich verändert sich das Bild. Kommunen setzen stärker auf Nachverdichtung und mehrgeschossigen Wohnungsbau, um dem anhaltenden Wohnungsmangel zu begegnen. Der Anteil der Mehrfamilienhäuser an den Neubauten ist in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen. Kleinere Wohnungen bedeuten zwar höhere Quadratmeterpreise, schaffen aber mehr Platz für die wachsende Zahl an Haushalten.

Neuer Wohnstandard, weniger Fläche, mehr Qualität

Während Einfamilienhäuser im ländlichen Raum teilweise größer werden, zeigt sich in den Städten ein anderer Trend. Moderne Wohnungen sind heute meist kleiner, dafür hochwertiger ausgestattet, besser isoliert und energieeffizienter.

„Die Größe verliert an Bedeutung, dafür gewinnen Lage, Ausstattung und Energieverbrauch an Gewicht“, fasst OTTO STÖBEN Immobilien zusammen. „Diese Entwicklung verändert langfristig auch die Ansprüche an Verwaltung und Vermietung.“

Fazit

Deutschland erlebt eine Trendwende. Der Wohnraum der Zukunft ist kompakter, nachhaltiger und besser auf die tatsächlichen Lebensverhältnisse abgestimmt. Für Vermieter und Investoren bedeutet das, neue Chancen zu erkennen, aber auch sensibel auf gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren.

Weiterführende Informationen

https://www.stoeben.de