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QUO VADIS 2026: 36. Jahresauftakt für Immobilienentscheider in Berlin

Berlin, 10.02.2026
Cathryn Clüver Ashbrook

Auftaktabend mit Cathryn Clüver Ashbrook: Amerikas Umbau – Europas Zerreißprobe?

Cathryn Clüver Ashbrook, Politikwissenschaftlerin und eine der profiliertesten Stimmen zu US-Politik und transatlantischen Beziehungen, ordnete beim Auftaktabend des QUO VADIS von Veranstalter Heuer Dialog GmbH am 9. Februar 2026 im Berliner Humboldt Carré ein, welche Folgen der systemische Umbau in Amerika für Europa hat. 

Die deutsch-amerikanische Politologin sprach in ihrem Vortrag von einer historischen Zäsur für die amerikanische Demokratie und warnte vor den Konsequenzen für Europa und die transatlantischen Beziehungen. Unter der Oberfläche scheinbar robuster Wachstumszahlen verdichteten sich wirtschaftliche Risiken, die Investitionen, Konsum und gesellschaftliche Stabilität gleichermaßen belasteten. Für Europa leitete sie daraus einen klaren Handlungsauftrag ab: Strategische Abhängigkeiten müssten neu bewertet, die eigene wirtschaftliche und politische Handlungsfähigkeit gestärkt und europäische Kooperationen konsequent ausgebaut werden.

Gastgeber Victor Stoltenburg, Geschäftsführer der Deka Immobilien Investment GmbH, unterstrich die besondere Aktualität des Kongressmottos „QUO VADIS“ und beschrieb die gegenwärtige Lage als von einer bislang nicht gekannten Verunsicherung geprägt. Die politische Entwicklung in den USA, handelspolitische Konflikte und die Infragestellung internationaler Bündnisse erschwerten langfristige Prognosen erheblich. Zugleich betonte Stoltenburg die anhaltende Bedeutung der USA als größten Immobilieninvestmentmarkt weltweit und plädierte für eine differenzierte Betrachtung zwischen kurzfristiger politischer Volatilität und langfristigen wirtschaftlichen Fundamentaldaten.


Widerstandskraft als neue Marktnormalität

„Stimmt das Bild von der Welt, das wir jeden Morgen in den Schlagzeilen sehen?“ Mit dieser Frage eröffnete Gitta Rometsch, Geschäftsführende Gesellschafterin der Heuer Dialog GmbH, den ersten Kongresstag des QUO VADIS 2026 im Hotel Adlon Kempinski in Berlin. Ihre Botschaft an die Entscheiderinnen und Entscheider: „Wer Verantwortung trägt, muss verstehen, wie globale Entwicklungen wirken – auf Kapital, Standorte, Gesellschaft und Sicherheit.“

Geopolitische und geoökonomische Verschiebungen seien längst Teil unternehmerischer Realität und beeinflussten unmittelbar auch die Immobilienmärkte. Produktionsverlagerungen, neue Sicherheitsanforderungen und veränderte Kapitalströme übersetzten sich direkt in Standortentscheidungen und Flächennachfrage. Vor diesem Hintergrund stellte die Heuer-Lenkerin das Leitmotiv des diesjährigen Kongresses vor: „Widerstandskraft schafft Marktnormalität.“ Es gehe darum, Standorte robuster, Geschäftsmodelle anpassungsfähiger und Finanzierungen tragfähig zu machen – in einer Welt, deren Grundlinien sich spürbar verschieben.

Einordnung, Orientierung und konkrete Handlungsoptionen in Zeiten globaler Umbrüche stehen im Fokus der zweitägigen Agenda des QUO VADIS 2026. Moderiert wird der Kongress von Timo Tschammler, Vorsitzender des QUO VADIS Boards und Geschäftsführendender Gesellschafter der TwainTowers GmbH, sowie Jasmin Busse-Schlaudecker, Senior Projektleiterin der Heuer Dialog GmbH.

China – wie sieht die Welt für Europa in 30 Jahren aus? 

Mit diesem Ausblick begann der Programmteil des QUO VADIS 2026. Felix Lee, Wirtschaftsjournalist bei der Süddeutsche Zeitung, machte deutlich, dass sich die globale Ordnung bis 2056 grundlegend verschieben werde – mit China als zentralem Machtfaktor und Europa vor strategischen Grundsatzentscheidungen. China werde voraussichtlich zur größten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen, getragen von technologischem Fortschritt und langfristiger Industriepolitik. 

Programme wie „Made in China 2025“ und „Dual Circulation“ zielten konsequent auf technologische Autarkie, eigene Standards und eine Verringerung der Exportabhängigkeit durch Schaffung eines starken Binnenmarktes ab. China wolle bis 2049 den Rest der Welt von chinesicher Technologie abhängig machen, so Lee. Das Ergebnis sei eine Welt mit zwei konkurrierenden technoökonomischen Blöcken – einem US- und einem China-geführten System.

Für Europa bedeute diese Entwicklung einen tiefen Einschnitt. Das bisherige Geschäftsmodell aus Globalisierung, offenen Märkten und industrieller Arbeitsteilung funktioniere nicht mehr. Der „zweite China-Schock“ treffe nun Mitteleuropa direkt: In zentralen Industrien verliere Europa Marktanteile, während China technologisch gleichziehe oder überhole. Europas Rolle drohe sich auf Nischen zu verengen – mit gravierenden Folgen für Wertschöpfung, Beschäftigung und Wohlstand.

Strategisch stehe Europa vor der Wahl, fragmentiert zu bleiben oder handlungsfähig zu werden, so das Fazit des China-Experten. Erforderlich seien technologische, industrielle und sicherheitspolitische Souveränität in Schlüsselbereichen, ein realistisch-nüchterner Umgang mit China als systemischem Wettbewerber sowie ein neues, partnerschaftliches Verhältnis zum globalen Süden. 

Zugleich bleibe Europas regelbasierte Ordnung ein zentraler Standortvorteil. Entscheidend werde sein, ob Europa lerne, strategisch zu denken – sonst drohe es zwischen den Machtblöcken zerrieben zu werden.

Im weiteren Verlauf des QUO VADIS 2026 kamen in vielen Gesprächen und Vorträgen Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik auf dem Podium zusammen, um die aktuellen Machtverschiebungen einzuordnen, strategische Konsequenzen für unterschiedliche Marktsegmente zu beleuchten und belastbare Orientierung in einem volatilen Datenumfeld zu gewinnen. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Konzepte und Marktansätze sich als tragfähig erweisen und wo neue Proofs of Concept für Investitionen, Portfoliostrategien und Stadtentwicklungen entstehen. Dabei waren u.a. Sascha Klaus, Vorstandsmitglied der LBBW sowie Vorstandsvorsitzender der Berlin Hyp, Jürgen Fenk, Vorstand der Deutschen Immobilien Holding AG, Fabian Lenz, Geschäftsführer, Goldbeck Technologies GmbH, Charles Blackburn, Managing Director & Co-Head of Europe, Oaktree Capital Management, Sabine Poschmann, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, Kruno Crepulja, CEO, Instone Real Estate Group SE.