Energiepreisschock trifft Industrie- und Logistikmärkte
Die Folgen des Iran-Kriegs zeichnen sich zunehmend auch auf dem deutschen Industrie- und Logistikmarkt ab: Gestiegene Öl- und Dieselpreise erhöhen den Kostendruck auf Logistiknutzer, verändern die Anforderungen an Logistikimmobilien und führen zu einer Neubewertung von Investmentansätzen. Dies geht aus dem aktuellen Market in Minutes: Industrieimmobilienmarkt von Savills hervor.
Der Iran-Krieg und der daraufhin gestiegene Ölpreis treffen die deutsche Wirtschaft insgesamt hart – die Logistikbranche jedoch besonders stark. Rund drei Viertel des Güterverkehrs hängen direkt oder indirekt am Dieselpreis. Zusätzlich verschärft die Unsicherheit über den weiteren Verlauf des Konflikts die Situation, da Unternehmen verlässliche Planungsgrundlagen fehlen. Für deutsche Unternehmen kommt ein weiterer Wettbewerbsnachteil hinzu: Während viele EU-Regierungen in die Dieselpreisgestaltung eingegriffen haben, zahlten sie hierzulande im März und April mehr als ihre europäische Konkurrenz.
Wie stark der Dieselpreisanstieg Speditionen trifft, hängt maßgeblich von ihrer Risikoabsicherung ab. Häufig kommen sogenannte Dieselfloater zum Einsatz, also vertragliche Preisgleitklauseln, über welche die gestiegenen Kraftstoffkosten an Auftraggeber weitergeben werden. „Kurzfristig stabilisiert das zwar die Branche, in der Folge könnte der gestiegene Kostendruck jedoch zu einer Reduktion der Transportmengen führen. Bislang ist dieser Effekt allerdings nicht zu beobachten“, sagt Sebastian Lindner, Head of Industrial Agency Germany bei Savills und ergänzt: „Je länger die Phase hoher Dieselpreise andauert, desto eher wird die Transportleistung zurückgehen. Gleichzeitig beobachten wir bundesweit weiterhin mehrere großvolumige Vermietungsabschlüsse, was die Robustheit des Marktes unterstreicht.“
Anpassungsdruck für Logistiknutzer steigt
Aufgrund dieser Entwicklungen agieren Logistiknutzer vorsichtiger: Sie verschieben Expansionsentscheidungen und planen Investitionen neu. Kurzfristig kann dies die Flächennachfrage am Vermietungsmarkt dämpfen. Langfristig könnte sich laut Savills ein gegenläufiger Trend abzeichnen: Aus strategischen Überlegungen könnten Logistik- und Industrieunternehmen ihre Lagerbestände weiter erhöhen und so eine zusätzliche Nachfrage am Vermietungsmarkt erzeugen.
Zugleich verändert sich das Anforderungsprofil an Logistikimmobilien: Die zunehmende Nutzung batteriebetriebener Lkw dürfte die Bedeutung moderner Flächen mit hoher Energieverfügbarkeit, Nähe zum Ladenetz, Mittelspannungsanbindung und Photovoltaik weiter steigern.
Auswirkungen auf den Investmentmarkt
Dass diese Entwicklungen nicht ohne Auswirkungen auf den Investmentmarkt bleiben, zeigt sich bereits in der Marktstimmung: „Einige Investoren sind zögerlich und prüfen derzeit ihre Investmentansätze angesichts des veränderten Kostenumfelds. So sind etwa die langfristigen Finanzierungskosten gegenüber 2025 leicht gestiegen und erhöhen die Erwartungen an die Anfangsrendite. Hinzu kommt, dass einige Marktteilnehmer von steigenden Baukosten infolge des Energiepreisschocks ausgehen und deshalb Revitalisierungs- und Umbau-Szenarien überdenken“, erklärt Karl Klaffke, Senior Consultant Research bei Savills abschließend.
Alle Daten und Fakten auch in unserem aktuellen Market in Minutes: Industrieimmobilienmarkt Deutschland
