Politik

ZIA-Präsidentin Iris Schöberl zum Tag der Immobilienwirtschaft: Ein Jahr Bundesregierung – viel Anspruch, wenig Wirkung

Der politische Anspruch ist hoch, aber in der Realität kommen wir nur schleppend voran.

Berlin, 15.05.2026

Ein Jahr nach dem Amtsantritt der neuen Bundesregierung fällt die Bilanz der Immobilienwirtschaft ernüchternd aus. Zwar wurden zahlreiche Initiativen angekündigt, doch gemessen an der Größe der wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen bleibt die Wirkung bislang begrenzt.

ZIA-Präsidentin Iris Schöberl betont mit Blick auf den Tag der Immobilienwirtschaft (TDI) 2026 in Berlin: „Der politische Anspruch ist hoch, die Reformrhetorik ambitioniert – aber in der Realität kommen wir nur schleppend voran. Entscheidend ist nicht die Zahl der Beschlüsse und Gesetze, ganz im Gegenteil – entscheidend ist ihre Wirkung. Und genau hier liegt das Problem. Es wirkt noch nicht! Was wir also brauchen, ist die Handlungsmaxime unseres TDI: Einfacher. Entschlossener. Schneller.“

Aufbruchsstimmung verpufft – Reformtempo zu gering

Vor einem Jahr sei die Erwartungshaltung groß gewesen: „Es gab eine spürbare Aufbruchsstimmung – trotz des Wissens, dass Reformen auch Zumutungen bedeuten. Dieses Momentum wurde bislang nicht genutzt.“ Statt klarer Strukturreformen dominierten kleinteilige Maßnahmen, während zentrale Weichenstellungen weiter auf sich warten lassen.

„Gemessen an der Dimension der Herausforderungen bleibt vieles zu zögerlich, zu kleinteilig und zu inkonsequent – ob bei Energiepreisen, bei der Staatsmodernisierung oder beim Bürokratieabbau.“

Besonders kritisch sieht die Immobilienwirtschaft:

eine weiter zunehmende Bürokratielast statt konsequentem Bürokratieabbau,fehlende Planungssicherheit für Investitionen,eine schleppende Staatsmodernisierung und Digitalisierung,sowie einen unzureichenden Fokus auf wirtschaftliches Wachstum und private Investitionen.

Europa regulatorisch stark – wirtschaftlich zu schwach

Mit Blick auf die internationale Lage warnt Schöberl vor einem schleichenden Bedeutungsverlust Europas, das zwischen den Großmächten USA und China zu zerrieben werden droht.

Deutschland könne seine Interessen nur in einem starken, wettbewerbsfähigen Europa durchsetzen – dafür brauche es Mut zu Prioritäten und eine klare wirtschaftspolitische Linie.

Europa muss in Investitionen denken: „Das Problem ist nicht, dass Europa reguliert – sondern dass Wettbewerbsfähigkeit, Kapitalallokation und Umsetzbarkeit nicht ausreichend mitgedacht werden. In der Summe führt das zu weniger Investitionen, weniger Wachstum und einer strukturellen Schwächung wichtiger Industrien.“

Wohnungsbau duldet keinen weiteren Aufschub

Besonders dringenden Handlungsbedarf sieht Schöberl beim Wohnungsbau, der mit verlässlichen Rahmenbedingungen, vereinfachten Verfahren und vor allem mit einer investitionsfreundlichen Förderkulisse deutlich Fahrt aufnehmen könne: „Internationale Investoren sind eine große Chance für Deutschland: Sie suchen stabile, verlässliche Standorte mit attraktiven Renditeperspektiven. Deshalb müssen private Investitionen gezielt angereizt werden, um hohe Hebelwirkungen zu erzielen. Denn Investitionen entstehen nicht aus Wohlwollen, sondern aus überzeugenden wirtschaftlichen Perspektiven.“

Weiterführende Informationen

www.zia-deutschland.de