Europäischer Rechenzentrumsmarkt wächst kontrollierter – Frankfurt bleibt strategischer Nachfrage-Hotspot mit begrenzter Verfügbarkeit
- Der globale Rechenzentrumsmarkt bleibt wachstumsstark, entwickelt sich aber von „Accelerated Growth“ zu „Managed Growth“.
- EMEA wächst weiter, bleibt beim erwarteten Kapazitätsausbau jedoch deutlich hinter Amerika zurück.
- Frankfurt weist eine niedrige Kapazitätsverfügbarkeit auf und gehört damit zu den besonders angespannten Märkten. Geplante Kapazitäten in Frankfurt sind stark nachgefragt; der Standort erreicht bei der Vorvermietungsquote im Bau befindlicher oder geplanter Projekte weltweit einen vorderen Platz.
- Stromverfügbarkeit, Netzanschlusszeiten, Genehmigungen und Regulierung werden zu entscheidenden Faktoren für künftige Rechenzentrumsentwicklungen.
- Alternative europäische Standorte gewinnen an Bedeutung, insbesondere dort, wo Flächen, Energie und Genehmigungsfähigkeit besser skalierbar sind.
Der globale Rechenzentrumsmarkt tritt 2026 in eine neue Phase des „Managed Growth“ ein. Nach Jahren beschleunigter Expansion bleibt die Nachfrage nach Cloud-, KI- und Computer-Kapazitäten hoch, doch Stromverfügbarkeit, Netzanschlüsse, Regulierung, Genehmigungsverfahren und lokale Akzeptanz bestimmen zunehmend, wo neue Rechenzentrumskapazitäten entstehen können. Das zeigt die aktuelle Analyse „Global Data Center Market Comparison 2026“ von Cushman & Wakefield.
Während Amerika mit einer operativen Kapazität von 43,4 GW, 25,3 GW im Bau und 191,3 GW geplanter Kapazität weiterhin den globalen Markt dominiert, wächst auch die Region EMEA kapazitiv weiter – allerdings deutlich kontrollierter. Für EMEA weist die Studie 11,4 GW operative Kapazität, 2,7 GW im Bau und 12,1 GW geplante Kapazität aus. Damit wächst die Rechenzentrumskapazität in EMEA demnach nur um etwas mehr als das Doppelte, in Amerika dagegen um das Sechsfache.
„Der europäische Rechenzentrumsmarkt bleibt ein zentraler Bestandteil der globalen digitalen Infrastruktur, steht aber zunehmend unter dem Einfluss von Strom-, Flächen- und Regulierungsfragen“, sagt Martin Belik, Head of Valuation & Advisory Germany bei Cushman & Wakefield. „Frankfurt als größter deutscher Standort ist hierfür ein besonders gutes Beispiel: Die Nachfrage ist weiterhin hoch, verfügbare Kapazitäten sind knapp, und neue Entwicklungen werden immer stärker durch Standortfaktoren wie Energieversorgung, Genehmigungsfähigkeit und Nachhaltigkeitsanforderungen geprägt.“
Frankfurt: Etablierter Kernmarkt mit hoher Nachfrage und knapper Verfügbarkeit
Frankfurt zählt neben London, Dublin und Amsterdam zu den wichtigsten europäischen Rechenzentrumsstandorten und profitiert von seiner Rolle als etablierter Connectivity-, Cloud- und Unternehmensstandort. In der globalen Marktanalyse zeigt sich jedoch auch, dass Frankfurt im internationalen Standortwettbewerb nicht mehr primär über großflächige Expansionsmöglichkeiten punktet, sondern vor allem durch seine bestehende Marktstärke, Netzwerkinfrastruktur und stabile Nachfragebasis.
So erscheint Frankfurt im Ranking der Märkte mit besonders niedriger kurzfristiger Verfügbarkeit weltweit auf Rang 3. Bei geplanten Rechenzentren ist die Vorvermietungsquote besonders hoch. Damit bleibt Frankfurt ein strategisch bedeutender Nachfrage-Hotspot in Europa.
Gleichzeitig zeigt die Studie jedoch auch, dass andere EMEA-Standorte – darunter Helsinki, Oslo, Abu Dhabi, Mailand, Madrid, Stockholm, Zaragoza, Dubai, Zürich und Paris – in der regionalen Präferenzliste der Primary Markets vor Frankfurt rangieren.
Europa zwischen Nachfragewachstum und Standortrestriktionen
Die Studie macht deutlich, dass sich der Wettbewerb innerhalb Europas zunehmend verschiebt. Während klassische Kernmärkte wie Frankfurt, London, Amsterdam, Paris und Dublin weiterhin hohe Nachfrage aufweisen, gewinnen alternative Standorte an Bedeutung, die bessere Voraussetzungen bei Stromverfügbarkeit, Flächen, Kostenstruktur oder Genehmigungsfähigkeit bieten.
Für EMEA werden insbesondere Standorte wie Helsinki, Oslo, Mailand, Madrid, Stockholm und Zaragoza als führende Primary Markets hervorgehoben. Diese Märkte profitieren unter anderem von günstigeren Bedingungen für neue Entwicklungen, während etablierte Märkte stärker mit Engpässen bei Strom, Grundstücken und regulatorischen Anforderungen konfrontiert sind.
Ein wesentlicher Engpass bleibt die Energieversorgung. Laut Studie liegen die durchschnittlichen Anschlusszeiten für neue Großlastanfragen weltweit bei 4,4 Jahren. In EMEA beträgt die durchschnittliche Wartezeit sogar 5,2 Jahre und liegt damit über APAC mit 2,7 Jahren sowie leicht über Amerika mit 5,0 Jahren.
„Clean Energy“ ersetzt reine Erneuerbaren-Perspektive
Ein weiterer Trend ist die breitere Betrachtung von Energiequellen. Die Studie beschreibt, dass sich der Fokus von ausschließlich „Renewable Energy“ hin zu „Clean Energy“ verschiebt. Damit werden neben Solar-, Wind-, Wasser- und Geothermie auch Kernenergie und künftige saubere Technologien in die langfristige Energieperspektive einbezogen.
Für europäische Märkte ist diese Entwicklung besonders relevant, da Rechenzentrumsbetreiber zunehmend nach belastbaren, skalierbaren und regulatorisch tragfähigen Energieoptionen suchen. In Märkten mit hoher Nachfrage, aber begrenzter Netzkapazität – wie Frankfurt – wird die Kombination aus Energieverfügbarkeit, Nachhaltigkeitsanforderungen und Genehmigungsfähigkeit zu einem zentralen Standortfaktor.
Deutschland und Frankfurt bleiben strategisch wichtig
Trotz zunehmender Herausforderungen bleibt Deutschland ein Kernmarkt für Rechenzentren in Europa. Die hohe Nachfrage, die starke Konnektivität und die Bedeutung Frankfurts als digitaler Infrastrukturstandort sprechen weiterhin für den Markt. Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass künftiges Wachstum stärker selektiv, energiegetrieben und genehmigungsabhängig erfolgen wird.
„Frankfurt bleibt für Nutzer, Cloud-Anbieter und Betreiber ein zentraler europäischer Standort“, so Martin Belik. „Gleichzeitig wird Wachstum künftig weniger durch reine Nachfrage, sondern stärker durch Realisierbarkeit bestimmt. Wer Strom, Flächen, Genehmigungen und Akzeptanz sichern kann, wird im europäischen Wettbewerb im Vorteil sein.“
