3 Fragen an Norman Meyer, Leiter Digitale Geschäftsmodelle der Drees & Sommer SE

Koniis Blick auf die digitale Entwicklung
Andreas Söntgerath - CvD Online
21.09.2018

Innovative Ideen für die Real Estate-Branche

1. Der digitale Wandel schafft enormen Druck, sich zu verändern. Junge Unternehmensgründer beeinflussen mit revolutionären Ideen und Technologien auch die Immobilienwelt. Werden etablierte Geschäftsmodelle dadurch bald überflüssig?

Die Immobilienbranche ist enorm diversifiziert. Daher erscheint das auf absehbare Zeit eher unwahrscheinlich. Außenstehende Dritte haben Schwierigkeiten, die Branche auf relevanter Breite zu erreichen. Daher ist sie im Vergleich zu anderen Sektoren erst einmal weniger gefährdet für Disruptionen. Geschäftsmodelle wie Airbnb oder diverse Office-Sharing-Modelle greifen vor allem den weitgehend standardisierten Betrieb an. Was Planung, Entwicklung, Bau und den nutzerindividuellen Betrieb angeht, fehlt Start-ups häufig noch spezifisches Branchen-Know-how und der Zugang zum Markt. Auf der anderen Seite versperrt uns Branchenprofis manchmal unser Detailfokus den Blick zum Querdenken. Deswegen müssen auch die etablierten Unternehmen anfangen, bisherige Methoden und Zusammenhänge zu hinterfragen, um den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten. Da können wir von den Start-ups viel lernen. Sie sind größtenteils Digital Natives – von uns fordert der Weg dorthin Umdenken im Kopf, neudeutsch: Change-Management. Startups denken quer, sind kreativ, experimentieren gerne und trauen sich auch mal mit einer 80 Prozent-Lösung an den Markt. Kurz: Sie machen einfach mal, anstatt den Kopf so lange über der Suppe zu schütteln, bis endlich ein Haar hineingefallen ist. Diese Denkweise bietet in vielen immobilienwirtschaftlichen Teilbereichen enormes Potential, um innovative und kosteneffiziente Wege einzuschlagen. Doch auch das smarteste Geschäftsmodell funktioniert in der Praxis nur dann, wenn die Akteure der „neuen Welt“ ihre Denke und Handlungsfreude und die Experten der „alten Welt“ ihr Fachwissen und ihre Expertise miteinander teilen. Abschotten war gestern!

2. Was genau kann denn die alte Welt mit ihrem Fachwissen beitragen?



Wir leben ja schon in einem weitgehend digitalisierten Branchen-Umfeld. Und mit den aktuellen Entwicklungen kommen neue Geschäftsmodelle und Tools schneller hinzu, als je zuvor. Bei Planung, Realisierung, und Betrieb von Immobilien spielen allerdings viele Beteiligte zusammen und erzeugen eine Vielzahl heterogener Daten. Es ist eindeutig: Wer es versteht, diese Daten clever und bedienerfreundlich zu vernetzten, kann schneller und qualitativ hochwertigere Ergebnisse erzielen als die nicht digital vernetzte Konkurrenz. Und hier sehen wir auch unsere Rolle: Als Dolmetscher zwischen den Welten. In Kooperationen mit Start-ups wollen wir die Real Estate-Branche sinnvoll digitalisieren. Daher ist unser Messemotto der Expo Real auch „Wie viel digital ist genial? Right Mix, Real Value“. Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein. Vielmehr entscheidet der richtige Mix digitaler und analoger Aspekte, ob ein Projekt zum Erfolg wird.

3. Warum sollten Start-ups mit Drees & Sommer kooperieren? Welcher Mehrwert entsteht aus einer Zusammenarbeit?

Start-ups bringen Innovationskraft und fruchtbares Querdenken mit. Häufig fehlt ihnen jedoch die Möglichkeit, auf großer Breite und am lebenden Objekt zu testen, wie praxistauglich ihre Ideen sind. Genau hier gibt es Potenzial zur Zusammenarbeit: Wir bieten Raum, Mentoring, Atmosphäre, Kapital und Projekte aus der Praxis, an denen neue Geschäftsmodelle erprobt und weiterentwickelt werden können. Wenn die Geschäftsidee genial und skalierbar ist, werfen wir gerne unsere Zeit, Entwicklungskraft, unser Netzwerk und unsere Stärke am Markt in den Ring. Einzige Voraussetzung dabei ist, dass die Idee zu Drees & Sommer passt. Um passende Kooperationen mit vielversprechenden Start-ups ins Leben zu rufen, haben wir das digitale Tool „Start-It-Up“ entwickelt. Start-ups, kreative Köpfe oder Entrepreneure können sich seit dem 15. September unter https://www.dreso.com/start-it-up registrieren und ihre Idee pitchen. Wenn beide Seiten begeistert sind, können wir uns schon auf der Immobilienmesse EXPO REAL vom 8. – 10. Oktober treffen und gemeinsame Pläne schmieden.

Vita Norman Meyer

Norman Meyer ist als Leiter Digitale Geschäftsmodelle seit Februar 2017 für das international tätige Projektmanagement-und Beratungsunternehmen Drees & Sommer tätig. Zuvor gründete und etablierte er seit dem Jahr 2011 das Prop-tech-Unternehmen „Asset Profiler“, eine Online-Plattform für Immobilientransaktionen. Von 2003 bis 2011 war er als Investment-Manger und später als Partner im Beratungshaus Egon Meyer + Partner GmbH beschäftigt. Dort sammelte er umfangreiche Erfahrungen im Transaktionsgeschäft gewerblicher Immobilien- und Wohnungsportfolios. Norman Meyer ist zudem Mitglied der gif Gesellschaft für immobilienwirtschaftliche Forschung e.V. und des Urban Land Institute.