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Corona: Nicht über jedes Stöckchen springen

Hier bloggen Ihre Kommunikationsberater
Andy Dietrich - Geschäftsführer
18.03.2020

COVID19, CoV-Sars-2 oder schlicht Corona. Die anhaltende Pandemie hat viele Namen – und ein Ausmaß, das nicht einmal die erfahrensten Virologen und Epidemiologen heute abschätzen können. Fast jeder hat eine Meinung: Zu den gesellschaftlichen Restriktionen, ob die Reduzierung sozialer Kontakte und Social Distancing in diesem oder einem stärkeren Ausmaß überhaupt notwendig ist. Eine Krise wie die, in der wir uns befinden, lädt förmlich zu einem offenen und kontroversen Dialog ein. Und das ist an vielen Stellen auch gut so, schließlich schafft ein solcher Meinungsaustausch doch etwas Alltag in diesen ungewöhnlichen Zeiten. Kritisch wird es allerdings, wenn dieser Dialog nach außen getragen wird.

Denn dann werden Laien im Bereich Virologie, zu denen nun einmal fast alle Deutschen zählen, plötzlich zu vermeintlichen Experten. Und leider häufen sich die Beispiele dafür, dass solche Pseudo-Experten Aussagen publizieren wie „Ich hatte schon vor Wochen Schulschließungen gefordert“, Die Bundesregierung muss diese und jene Schritte unternehmen“ oder viel schlimmer noch: „Corona ist doch wie eine ganz normale Grippe“. Sie wissen, was ich meine. Meine Timeline bei LinkedIn, Twitter und Facebook wird immer voller mit solchen Aussagen. Und dazu lassen sich auch immer mehr Immobilienprofis hinreißen.

Vor solchen Aussagen ist niemand geschützt, erst recht nicht, wenn er oder sie im Berufsleben Verantwortung trägt und wichtige Entscheidungen treffen muss. Denn dann kann man schnell auf die Idee kommen, auch bei solchen fachfremden Fragestellungen die notwendigen Antworten zu haben. Schließlich hat man ja ein gewisses Bauchgefühl, eine Intuition. Aber das ist gefährlich. Selbst die weltweit führenden Krisenexperten der Weltgesundheitsorganisation stützen ihre Empfehlungen ausschließlich auf die neuesten Erkenntnisse von führenden Virologen und wissenschaftlichen Untersuchungen und verlassen sich nicht auf ihre Intuition, die sicher besser ist als meine. Sie wollen schließlich keine Panik verbreiten.

Erfrischend fand ich eine Aussage von Jürgen Klopp, der spätestens als BVB-Trainer mein Herz erobert hatte. Ich bin somit auch ein Stück weit befangen. Aber dennoch: In einer Pressekonferenz von Liverpool kritisierte er einen Journalisten, der ihn nach seiner Einschätzung zur Corona-Pandemie fragte. Klopp meinte, dass er ein Fußballtrainer mit schlechter Rasur (da sind wir gleich) sei und deswegen überhaupt keine Ahnung von Corona hätte. Er hält sich an die Anweisungen, die von Experten gegeben werden und bewertet sie nicht. Das steht ihm nicht zu.

Prof. Dr. Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité, den ich sehr wohl als Experten bezeichnen würde, hält es ähnlich – bei Fragen, die er nicht mit Fachwissen beantworten kann. NDR info veröffentlicht täglich eine Podcast-Folge zu Corona mit Drosten den Podcast möchte ich an dieser Stelle gern empfehlen.

Auch ihm werden häufig Fragen gestellt, die er nur unzureichend oder aufgrund einer mangelnden Datenlage gar nicht beantworten kann. Und das sagt er auch offen. Er verbreitet keine Falschinformationen oder Panik und das verschafft neben Aufklärung auch Zuversicht. Er ist übrigens der Meinung, dass es nichts bringen würde, heute darüber zu urteilen, ob in den letzten Wochen irgendwas „verschlafen“, „versäumt“ oder „verdreht“ wurde. Der Blick muss schließlich in die Zukunft gerichtet werden.

Das alles bedeutet übrigens nicht, dass unsere Branche derzeit nicht kommunizieren sollte. Das Gegenteil ist der Fall. Schließlich sind die Auswirkungen der Pandemie und die Lektionen der anhaltenden Krise sehr wohl relevant für uns als Immobilienwirtschaft. Und wir müssen die Erkenntnisse daraus ziehen und Lektionen lernen. Genau aus diesem Grund sollten wir uns nicht damit aufhalten, über die Gefahr des Virus zu debattieren, sondern vielmehr über die Folgen für uns und unsere Kunden, Mieter und Stakeholder zu sprechen. Das ist relevant. Und natürlich gibt es auch in diesen stark vom Virus geprägten Zeiten noch andere Dinge, über die es sich zu sprechen lohnt.

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