Das C steht für Zukunft

TRANSFORMING THE BUSINESS OF BUILDINGS - Der BLOG von BuildingMinds
Jens Mueller - CEO
08.02.2021

Mitte Januar war in einem Vortrag beim World Economic Forum von den drei „C“ die Rede: Covid, climate und cooperation. Nicht nur, dass es gemeinsamer Anstrengungen bedarf, um den Herausforderungen der Pandemiebekämpfung und des Klimawandels effektiv zu begegnen. Die drei C werden auch das Immobilienjahr 2021 bestimmen. Sie anzugehen, duldet keinen weiteren Aufschub. Und es gibt sogar ein viertes C.

Covid – Daten weisen den Weg in der neuen Normalität

Nach wie vor ist unklar, wie stark das Covid-Nachbeben die Branche beeinflussen wird. Einig sind sich Marktbeobachter, dass auch mit einziehender Normalisierung und Immunisierung weniger Menschen in die Büros kommen werden. Kosteneinsparungen, frohlocken die einen. Was geschieht mit meinen Liegenschaften, fragen sich die anderen. Denn selbst wenn Flächen reduziert und freigezogen werden: Sie verschwinden nicht einfach. Sie gehören jemandem, sie erfüllen einen Zweck – oder sollten dies tun.

In dieser noch nicht eindeutigen Gemengelage zeichnet sich eines unverkennbar ab: Die Art und Weise, wie wir Flächen bewirtschaften, muss sich ändern. Space on demand und service on demand werden eine bedeutendere Rolle einnehmen. Nutzung und Bewirtschaftung müssen stärker ineinandergreifen. Ein Beispiel: Wenn Arbeitsplätze oder ganze Etagen und Gebäudeteile zeitweise nicht genutzt werden, müssen sie weder geheizt oder klimatisiert noch gereinigt werden. Doch um solche und andere Bedarfe zu erkennen, fehlt heute vielfach noch der essenziellste Baustein: Daten oder vielmehr verwertbare Daten. Daten, die nicht in Aktenordnern, Exceltabellen oder anderen Datensilos gefangen und dadurch unbrauchbar sind. Daten halten Antworten auf die Frage bereit, wie Immobilien künftig bewirtschaftet werden müssen. Bei der Nutzbarmachung von Daten verbietet sich übrigens ein Denken in Unternehmens- oder gar Abteilungsgrenzen. Längst überfällig ist hier der Vorstoß der Bundesregierung, Unternehmen in Deutschland zum Teilen von Daten zu animieren. Die Umsetzung bleibt abzuwarten, aber die Datenstrategie ist sehr zu begrüßen. Dass das Potenzial von Daten gegenwärtig allzu oft ungenutzt bleibt, zeigt sich nicht nur in der Pandemiebekämpfung, sondern auch beim Klimaschutz.

Climate – Biden-Effekt stellt Prioritäten vom Kopf auf die Füße

Mit der Verbreitung des Coronavirus ab Frühjahr 2020 war von einem Tag auf den anderen alle Aufmerksamkeit auf dessen Bekämpfung gerichtet. Die Fridays-for-Future-Bewegung beispielsweise, der es gelungen war, für den akuten Handlungsbedarf in Sachen Klimaschutz zu sensibilisieren, schien in den Hintergrund zu treten und ihre öffentliche Wahrnehmung im digitalen Umfeld nicht aufrechterhalten zu können. Überhaupt war und ist es oberste Prämisse, den Anstieg der Infektionszahlen zu stoppen. Nur langsam rückte im Verlauf der Pandemie die weitaus größere Kurve – die der CO2-Emissionen – wieder ins öffentliche Bewusstsein. Als trügerisch könnte sich ein Blick auf die CO2-Bilanz des Jahres 2020 erweisen. Um sieben Prozent sanken die fossilen Kohlendioxidemissionen im globalen Schnitt, in der EU um elf Prozent. Dieser „Corona-Effekt“ ist jedoch vor allem dem rückläufigen Transportverkehr geschuldet. Bei den Emissionen aus Landnutzung etwa zeigt sich die Lage weitgehend unverändert. Und bekanntermaßen gehört der Immobiliensektor mit einem Anteil von 40 Prozent am weltweiten CO2-Ausstoß zu den größten Emittenten. Um Einsparungen in Größenordnungen wie 2020, allerdings ohne zurückgefahrenes öffentliches und wirtschaftliches Leben, zu erreichen, ist also ein Kraftakt erforderlich.

Mit Blick auf die Immobilienwirtschaft mag die seit Anfang des Jahres zu entrichtende CO2-Steuer ebenso Treiber sein wie das nahende Inkrafttreten der EU-Taxonomie-Verordnung. Einen entscheidenden Schritt nach vorn bringt uns aber ein anderer Umstand: Mit der Unterzeichnung der Anordnung zum Wiedereintritt der USA ins Pariser Klimaabkommen noch am Tag seiner Vereidigung als US-Präsident hat Joe Biden etwas ins Rollen gebracht. Geradezu in Echtzeit haben sich die Prioritäten von Unternehmen geändert, auch im Immobiliensegment. Nachhaltigkeit ist auf den Agenden nach oben geschnellt, Milliardensummen wurden branchenübergreifend dafür freigesetzt. Das lässt erfreuliche Effekte und Fortschritte erwarten, die sich durch gemeinsame Anstrengungen potenzieren lassen.

Cooperation – die richtigen Skills zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Neben den Problemstellungen um die Pandemie- und Klimawandelbekämpfung sehen sich die Wirtschaft und im besonderen Maße auch die Immobilienwirtschaft mit einer weiteren Herausforderung konfrontiert: dem Fachkräftemangel. Kooperation und Kollaboration halten Lösungen bereit. Dafür müssen sie in der Praxis intelligent umgesetzt werden. Vor dem Hintergrund des Plattform-Gedankens stellen wir bei BuildingMinds uns etwa die Frage, wie eine Plattform aufgesetzt sein muss und welche Player nach welchen Kriterien einzubinden sind. Auch die Anbindung von Haustechnik oder die Installation von Sensoren sind hier zu berücksichtigen. Kurzum: Es geht darum, wie Interaktion in einem solchen Ökosystem funktionieren kann. Das setzt voraus, die richtigen Skills zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben.

Ein Beispiel: Vor der Pandemie war es keineswegs unüblich, Personal dafür abzustellen, die Immobilien eines landes- oder gar weltweiten Portfolios aufzusuchen, um bestimmte Informationen wie Messwerte vor Ort einzuholen. Selbst wenn die aktuellen Bewegungs- und Reisebeschränkungen nach und nach aufgehoben werden, wird dies künftig nicht mehr in diesem Maße geschehen. Angesichts verschiedenster Alternativen muss es das auch nicht. Technologie versetzt uns in die Lage, Menschen vor Ort zu neuen Tätigkeiten zu befähigen. Stichwort: augmentierte Applikationen. Der Hausmeister in einem Objekt kann beispielsweise via Smartphone Instruktionen erhalten, welche Messwerte auf welche Weise einzuholen sind. Fotos, Daten usw. werden per Klick auf die Plattform übermittelt und sind direkt auswertbar. Und das Potenzial ist an dieser Stelle noch längst nicht ausgeschöpft. Man denke etwa an die Möglichkeiten rund um Virtual Reality und Hologramme. Von heute auf morgen ließen sich auf diese Weise ganze Immobilienbestände weltweit begehen und monitoren.

Culture – Grundstein aller Lösungen

Einleitend habe ich von einem vierten C gesprochen. Es steht im engen Zusammenhang mit den drei erläuterten C: culture beziehungsweise corporate culture. Denn, ob es gelingt, die beschriebenen Herausforderungen zu meistern, ist nicht nur eine Frage von Technologie. Maßgeblich für die Entwicklung von tragenden Lösungen sind vor allem das Mindset und die Unternehmenskultur. Teams zu formen, in denen sich unterschiedliche Skills ergänzen, Diversität gelebt wird und jeder Einzelne sein Potenzial entfalten kann, betrachte ich als eine der wichtigsten Aufgaben. Man könnte auch sagen: Jede Lösung ist nur so gut wie das Team und jeder Einzelne dahinter.