Das Digitalisierungsparadoxon

Reasult bloggt
Dirk Schumacher - Country Head Germany
01.10.2018

Kurz vor der EXPO REAL muss ich mich noch einmal mit der Studie „Das Digitalisierungsparadoxon“ des BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen beschäftigen. Die Ergebnisse haben mich etwas ratlos gemacht.

Laut der Umfrage haben nur 46 Prozent der mittelständischen Immobilienunternehmen derzeit einen Plan zur Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie. Sprich: 54 Prozent haben keinen! Die Gründe: hohe Kosten, Zeitmangel und fehlendes Personal. Befragt wurden Bauträger, Verwalter, Bestandshalter, Projektentwickler und Planer. Auch wenn sich dieses Resultat mit meinen persönlichen Erfahrungen in den letzten Wochen deckt: Wie kann das sein? Woher kommt dieses Zögern? Ist Digitalisierung wirklich nicht wichtig?

Nach der EXPO im vergangenen Jahr, also Ende 2017, hatte ich einen anderen Eindruck. Die Euphorie war damals groß. „Digitalisierung? Ja, klar!“, hieß es. Und heute? Eher: „Mal sehen.“ Ja, ein Interesse ist nach wie vor vorhanden, doch es hapert am Umsetzungswillen.

Bei der Frage nach dem Stadium der umgesetzten Maßnahmen gaben insgesamt 49 Prozent der Befragten an, noch nicht begonnen zu haben oder in den Anfängen zu stecken. Nur 15 Prozent sagten, Digitalisierung werde in ihrem Unternehmen bereits gelebt. Und obwohl das Thema Digitalisierung eine große oder sehr große Relevanz (insgesamt 66 Prozent) für die Firmen hat, wollen 77 Prozent der befragten Unternehmen derzeit keine zusätzlichen Investitionen tätigen. Na klar: Eine Umstellung der Projektentwicklung auf digitale Prozesse, der Einsatz unserer Software mit allen Tools und Schnittstellen zu vorhandenen Systemen kostet schon einmal 70.000 bis 100.000 Euro. Aber die Investition lohnt sich: besser, schneller und günstiger lautet das Resultat.

Für mich ist das Thema Digitalisierung ähnlich „mächtig“ wie die industrielle Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals unterstützten beziehungsweise ersetzten Maschinen die Muskelkraft des Menschen. Technische Neuerungen führten in einigen Branchen zu disruptiven Veränderungen und veränderten die Gesellschaft. Heute hat die Digitalisierung unseren Alltag erobert – und wir stellen uns darauf ein. Unternehmen, die das nicht tun, müssen allerdings aufpassen, sich nicht selbst auszubremsen. „Die Mehrheit verkennt das Potenzial, das die Digitalisierung für das Entwickeln neuer Geschäftsmodelle biete“, sagt auch BFW-Präsident Andreas Ibel. 63 Prozent der Befragten sagten, ihnen fehlte die Möglichkeit zur Einschätzung zukünftiger Entwicklungen; 54 Prozent kennen die nötigen Prozesse nicht. Ich stehe gerne Rede und Antwort.