Erfolgreiche Digitalisierung: Auf Standards gebaut!

Architrave bloggt
Dr. Philipp Päuser - COO
01.04.2019

Was haben die Gesundheitsbranche, die Tourismusindustrie und die Immobilienwirtschaft gemeinsam? Alle drei wurden von der Digitalisierung erfasst. Technologien wie Künstliche Intelligenz, Robotic Process Automation (RPA) und digitale Plattformen können ihr volles Potential jedoch nur dort entfalten, wo einheitliche Datenstandards zur Anwendung kommen.

Das Ziel: reibungsloser Datenaustausch

Im Gesundheitswesen bemüht man sich in Deutschland schon seit geraumer Zeit darum, ein nationales eHealth-Zielbild zu schaffen, um Gesundheits- und Forschungsdaten sinnvoll in Austausch zu bringen. Im Tourismus herrscht bereits seit 2012 mit dem Offenen Touristischen Datenstandard (OTDS) ein Format, das Daten von Reiseveranstaltern, Hotels, Airlines, Mietwagenanbietern und Co. einheitlich in Reisebüro-Softwares und Online-Buchungssysteme speist.

Und die Immobilienwirtschaft? Der Austausch von Daten muss auch hier immer schneller an immer mehr Empfänger mit gestiegenem Datenvolumen und höherem Schnittstellenaufgebot erfolgen – und das mit maximaler Sicherheit und höchsten Standards beim Datenschutz. Sei es bei Transaktionen, beim Reporting oder Risikomanagement, im Asset Management, in der Vermietung oder im Vertrieb. Ziel ist es, von jedem Gebäude einen sogenannten digitalen Zwilling vorzufinden, um für alle Belange rund um eine Immobilie die relevanten Parameter in seinen Systemen abrufen zu können. Durch die Weiterentwicklung zum digitalen Asset wird die Immobilie nicht nur zum transparenten, sondern auch effizient bewirtschafteten Handelsobjekt.

Basis für den „digitalen Zwilling“ ist eine vollständige und geordnet vorliegende Immobiliendokumentation. Das oftmals noch vorherrschende Dokumentenchaos lässt sich auf dem Weg dorthin mit Mitteln der Künstlichen Intelligenz lösen und beherrschen. KI-Roboter wie DELPHI automatisieren die meisten Routineprozesse der Ablage und übernehmen die Erkennung, Klassifizierung, Benennung und Ablage von Dokumenten – sei es aus den angesammelten Beständen oder aus dem laufenden Betrieb.

Der Weg zum Standard

Mit diesen Prozessen beginnt der lange Weg der Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft. Ihre Geschwindigkeit bestimmt sich nach dem Maß gemeinsam vereinbarter Datenstandards. Ein Hauptakteur ist in dieser Hinsicht die gif Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e.V., die 2016 mit ihrer Richtlinie zum Immobilien-Daten-Austausch (gif-IDA) diesen Prozess einläutete. In dem Leitfaden wurden in einem Prozessmodell alle relevanten Prozesse, die bei einem Datenaustausch zwischen unterschiedlichen Marktteilnehmern der Immobilienwirtschaft auftauchen können, definiert und mittels Datenfeldern klar benannt. Schon heute gilt der gif-Musterindex als maßgebliche Instanz für branchenweite Einheitlichkeit im Datenmanagement und wird durch die neue Datenraumrichtlinie weitere Verbreitung erfahren.

Veranstaltungen wie der Real Estate Data Summit sensibilisieren für die Thematik, werben innerhalb der Branche für Akzeptanz und sorgen dafür, dass sich möglichst viele Marktteilnehmer zu den Standards bekennen.

Digitalisierung: Immer ein Gemeinschaftsprojekt



Eins ist klar: Fehlende oder mangelnde Standards hemmen die Geschäftsentwicklung. Ohne ein gemeinsames Fundament aus definierten und akzeptierten Standards bleibt nicht nur jede Kooperation, jede Transaktion, jeder Daten- oder Dokumentenaustausch eine umständliche und ressourcenintensive Angelegenheit. Im gleichen Maße wird die weitere Digitalisierung durch neue Geschäftsmodelle verzögert, wenn nicht sogar verhindert. Fehlende Standards sind deshalb kein individuelles Versäumnis. Tatsächlich verliert die gesamte deutsche Immobilienwirtschaft dadurch wichtige Zeit im globalen Wettbewerb.