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Happy together? Kulturelle Unterschiede zwischen Start-up und Unternehmen überwinden

#Aarealthoughts - der Expertenblog der Aareal Bank
Henning Zander - Head of Start-up Program
16.12.2020

Wenn Start-up auf Corporate trifft, prallen Kulturen aufeinander. Gegensätze ziehen sich an, doch wenn nach dem Innovations-Taumel der Arbeitsalltag eintritt, treten Gräben offen zutage. Hier gilt es, Kulturunterschieden ehrlich zu begegnen und die richtige Haltung zu entwickeln.

Eine aktuelle Studie zeigt: Vier von fünf Start-ups arbeiten mit etablierten Unternehmen zusammen. die Mehrheit bewertet die Zusammenarbeit positiv – aber jeder Vierte beklagt die Arroganz der Etablierten. Jedes zweite Start-up stört sich an trägen Prozessen im Corporate-Unternehmen. Und drei von zehn sind der Meinung, dass die etablierten Unternehmen von der Kooperation mehr profitieren als sie selbst.

Gerade im B2B-Bereich gehen in der Einschätzung des Kooperationspartners Erwartungen und Realität oft auseinander. In vielen Köpfen herrscht das Bild des Kapuzenpulli-Gründers, den man sich zurecht erzieht. Dabei sind Proptech-Gründer in der Regel Branchenexperten, die einen Bedarf identifiziert und eine entsprechende Lösung entwickelt haben. Diese Expertise verdient Augenhöhe und Anerkennung des Andersseins. Start-ups kommen aus einer agilen Arbeitswelt, in der in iterativen Prozessen in kurzer Zeit Lösungen entwickelt und abgestimmt werden. Unternehmen mit etablierten Regulatorien, Dokumentationsverpflichtungen und Hierarchien sind dagegen einen anderen Arbeitsstil gewohnt. Wie kann die Zusammenarbeit gelingen, so dass beide Seiten zufrieden sind und weder Start-up noch Unternehmen die eigene Arbeitskultur negieren müssen? Bei der Aareal Bank hat sich für die Beziehungsarbeit ein gelungener Mix aus Abstand und Nähe bewährt.

Nähe zulassen

Eine gemeinsame Sprache und ein Verständnis für Kulturunterschiede sind entscheidend für die erfolgreiche Start-up-Kooperation. Es gilt, Unterschiede anzuerkennen und darauf basierend einen Rahmen für die praktische Zusammenarbeit zu schaffen. Hierfür muss sich nicht das gesamte Unternehmen umkrempeln und in agilen Aktionismus verfallen, der sich im Arbeitsalltag dann ja doch nicht umsetzen lässt. Erfolgversprechender ist die gezielte Ermittlung von Schnittstellen, an denen die Kooperationsbereitschaft gestärkt werden kann.

Die Aareal Bank verfolgt den Smart-Collaboration-Ansatz, der verschiedene Kompetenzen und Erfahrung in multidisziplinären Teams vernetzt. In gemeinsamen Workshops nutzen wir die Expertise der Start-ups, um das Verständnis für die gemeinsamen Zielsetzungen zu stärken, Agilität zu trainieren und neue Tools und Plattformen für die Zusammenarbeit zu testen. Mit diesem „generationsübergreifenden Lernen“ werden alte ‚Command & Control‘-Prinzipien zugunsten eines selbstbestimmten, freien und selbst organisierten Arbeitens aufgegeben. Durch dieses langsame, gezielte Miteinander-Wachsen stehen die Chancen gut, dass Kooperation statt Verhinderungsmentalität die Beziehung prägt.

Eigenständigkeit bewahren

Start-up-Partner in ihrer Leistung zu wertschätzen heißt auch, Spielräume zu gewähren und bei aller Kooperation genug Abstand zuzulassen. Organisationsstrukturen etablierter Unternehmen können die agilen Arbeitsabläufe von Start-ups ausbremsen. Gerade bei einer Beteiligung als strategischer Investor ist das richtige Maß bei der Kontrolle und der Governance entscheidend, und man darf nicht zu viel wollen.

Jüngstes Beispiel dafür, dass diese Strategie aufgeht, ist unsere Beteiligung an objego. Seit Mitte des Jahres sind wir in einem Joint Venture mit dem Energiedienstleister ista am Startup aus Essen beteiligt. Objego ist am Markt für private Vermieter aktiv, einem Geschäftsfeld, in dem wir vorher selbst noch nicht aktiv waren. In diesem Fall kennt objego die Strukturen des Marktes genau und weiß worauf es in der Zielgruppenansprache ankommt. Wir selbst können mit unserer langjährigen Erfahrung aus der Immobilienbranchen wichtige Impulse liefern – so lernen wir gegenseitig viel von den Stärken des jeweils anderen. Das zeigt: Indem man dem Partner eigene Arbeitsstrukturen zugesteht, aber gleichzeitig die Hand reicht, wenn es notwendig ist, entsteht der notwendige Raum, um gemeinsamen bestmöglich zu wachsen.

Mutig sein und den Austausch suchen

Wer nun den Kontakt zur Proptech-Szene sucht und gerne einmal einen Blick in diese doch andere Welt werfen möchte, dem bieten sich viele Möglichkeiten. In den deutschen Proptech-Hochburgen wie Berlin, Frankfurt oder München aber auch abseits davon – beispielsweise im aufstrebenden Ruhrgebiet – bieten gerade die Acceleratoren-Programme immer wieder gute Anknüpfungspunkte, um über Veranstaltungen Proptech-Luft zu schnuppern. Und Sie werden schnell merken: Man kommt ins Gespräch. Wer vorab aber noch tiefer einsteigen möchte, kann sich gerne an mich oder Kollegen aus anderen Start-up-Programmen wenden, um ein bisschen mehr darüber zu erfahren, wie sich Kooperationen mit Start-ups gestalten. Wir halten es mit der bewährten Start-up-Maxime: Sharing is caring.