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Holz - Der Baustoff der Vergangenheit wird zur neuen Zukunft

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Matthias Heinrich - Teamleiter Teamleiter beim Umweltinstitut EPEA GmbH, einer Tochter des Planungs- und Beratungsunternehmens Drees & Sommer
03.05.2021

Mit Holz als Baustoff dem Klimawandel entgegentreten: Die drohenden Folgen der Erderwärmung und ansteigender Ressourcennutzung fordern auch die Baubranche heraus und verlangen nach nachhaltigen und zukunftsfähigen Lösungen. Hier meldet sich ein altbewährter Baustoff, das Holz, zurück. Mit seinen Eigenschaften und Fähigkeiten punktet der Rohstoff nicht nur im Hinblick auf Umweltfreundlichkeit, sondern auch in Bezug auf die Bedürfnisse der Fachkräfte auf den Baustellen sowie die Nutzer der Gebäude. Ist das Bauen mit Holz also eine „Rundum-Sorglos-Lösung“?

Am Beginn schon wieder an den Neustart denken: Holz als idealer Cradle-to-Cradle Baustoff

Für klimaneutrale oder idealerweise sogar klimapositive Gebäude führt kein Weg mehr an einer kreislauforientierten Wirtschaft vorbei, der sogenannten Circular Economy. Wer heute eine Immobilie plant, der sollte sie möglichst so bauen, dass nach der Nutzung viele Materialien in nahezu gleicher Qualität wiederverwendet oder schadstofffrei abgebaut und recycelt werden können. Idealerweise entsteht bei einem Gebäuderückbau kein Abfall. Eine Maßgabe, die das „Cradle-to-Cradle“-Prinzip, kurz C2C befolgt. Gedacht wird von der Wiege zur Wiege. Und der ökologische Gedanke geht noch einen Schritt weiter: Ein Gebäude nach dem C2C-Prinzip ist flexibel und umnutzbar konstruiert. Die erbauten und ausgewählten gesunden Materialien sind leicht zu demontieren, sortenrein trennbar und dadurch vollständig rezyklierbar. Damit werden Gebäude zu langlebigen und werthaltigen Rohstoffdepots, welche die Ressourcen nach dem Ende der Nutzungszeit wieder freigeben und somit zum Werterhalt der Immobilie beitragen. Der konsequente Einsatz von regenerativer Energie und Maßnahmen zur Steigerung der Biodiversität sind weitere Aspekte, um das Bauen mit einem positiven Fußabdruck voranzutreiben.

Entsprechend ist Holz ein ausgezeichneter C2C-Baustoff. Es ist ein nachwachsender Rohstoff, lokal erhältlich und verfügt über exzellente thermische, statische und witterungsbeständige Eigenschaften. Zwar hängt dessen Grad der Wiederverwendbarkeit von eventuellen Beschichtungen und der Einbausituation ab, es sind jedoch unterschiedliche Füge- und Beschichtungstechniken vorhanden, um trennbare Konstruktionen umzusetzen, die ein späteres Recycling gewährleisten.

Keine Einschränkungen der Kreativität – die Gestaltung mit Holz

Es bleibt jedoch nicht nur bei den Vorteilen des Holzbaus für die Umwelt: Sei es eine verkleidete Holzfassade mit Stahl oder beispielsweise die Integration alter Balken - Holz setzt auch der architektonischen Freiheit wenig Grenzen. Diese Kombination aus Kreativität und Umweltfreundlichkeit zeigt das geplante Hochhausprojekt „The Cradle“ in Düsseldorf, das von der EPEA, einem Umweltinstitut und Tochterunternehmen von Drees & Sommer mit Sitz in Hamburg, mit umfangreichen C2C-Leistungen begleitet wird. Das von HPP Architekten entworfene Holz-Hybridgebäude zeigt, wie Architektur die Stadt zukunftsfähig macht. Die Interboden GmbH & Co. KG, der Projektentwickler des Neubaus, hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele C2C-Aspekte zu integrieren. Die tragende Holzkonstruktion kommt nicht nur dem CO2-Fußabdruck des Bürogebäudes zugute, sondern trägt auch zu seiner Wiederverwendbarkeit bei, da beispielsweise die Fassade für eine Demontage ausgelegt ist.

Passt perfekt zusammen: Holz und modulares Bauen

Durch seine gute Vorfertigbarkeit als auch Bearbeitbarkeit harmoniert der Baustoff ebenfalls mit dem Konzept des modularen Bauens. Bei dem Verfahren werden viele Gebäudeelemente bereits in der Halle und in Serie vorgefertigt. Auf diese Weise lassen sich erhebliche Zeit- und Kostenvorteile bei der Planung, Produktion und Montage realisieren und gleichwohl sind bessere Arbeitsbedingungen für Fachkräfte realisierbar. Je mehr Arbeitsschritte vorab in der Halle ausgeführt werden, desto einfacher wird die Arbeit für die Monteure vor Ort auf den Baustellen. Zudem steigert die Vorfertigung die Qualität der Bauteile, da sich die einzelnen Module millimetergenau produzieren lassen. Für die Bauarbeiter bringt all dies eine erhebliche Entlastungsfunktion mit sich.

Vor dem Einbau stellt die Lagerung von Holz in der Regel kein Problem dar. Auf der Baustelle lässt es sich auch bei längerer Lagerdauer leicht abdecken, um es vor Nässe zu schützen. Gerade in Kombination mit modularem Bauen werden Just-In-Time-Lieferungen begünstigt, wodurch lange Lagerzeiten erst gar nicht zustande kommen.

Beim Schallschutz ist planerisches Wissen gefragt

Im Vergleich zu massiven Baustoffen ist Holz aufgrund fehlender Masse schalltechnisch ungünstiger. Durch entsprechende Expertise in der bauakustischen Planung und Ausführung lässt sich dem entgegenwirken: Wichtig ist eine konsequente Entkopplung der Verbindungen. Auch die Einbringung zusätzlicher Masse, zum Beispiel in Form von Betonplatten, kann den Schallschutz von Holzdeckenkonstruktionen erhöhen.

Brandschutz als triftiges Argument gegen den Holzbau?

Obwohl Holz einer der ältesten Baustoffe ist, gibt es heute häufig noch ein Akzeptanzproblem. Für viele ist es gerade das Thema Brandschutz, das gegen das Bauen mit Holz spricht. Allerdings schneidet der Baustoff in Brandversuchen oft besser als herkömmliche Stoffe wie Stahl oder Beton ab. Eine fundierte und an das Holz angepasste Planung macht Holzkonstruktionen auch für mehrgeschossige Gebäude ausreichend sicher.

Über den Autor:

Dr.-Ing. Matthias Heinrich ist Teamleiter bei der EPEA GmbH – Part of Drees & Sommer am Standort in München. Seit fast 20 Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema Nachhaltigkeit, Circular Economy und Holzbau in der Immobilienbranche. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Nachhaltiges Bauen an der Technischen Universität München und hat zum Thema Stoffstrommanagement und Urban Mining im Bauwesen promoviert. Neben der Projektleitung des EU Forschungsprojekts Buildings as Material Banks (BAMB) hat er u. a. an der Entwicklung und Umsetzung von Zertifizierungssystemen für nachhaltige Immobilien gearbeitet. Bis 2019 war er Mitglied im DIN Normenausschuss für Nachhaltiges Bauen und am Runden Tisch Ressourceneffizienz im Bauwesen.

Über Drees & Sommer: Innovativer Partner für Beraten, Planen, Bauen und Betreiben.

Als führendes europäisches Beratungs-, Planungs- und Projektmanagementunternehmen begleitet Drees & Sommer private und öffentliche Bauherren sowie Investoren seit über 50 Jahren in allen Fragen rund um Immobilien und Infrastruktur – analog und digital. Durch zukunftsweisende Beratung bietet das Unternehmen Lösungen für erfolgreiche Gebäude, renditestarke Portfolios, leistungsfähige Infrastruktur und lebenswerte Städte an. In interdisziplinären Teams unterstützen die rund 4000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an weltweit 46 Standorten Auftraggeber unterschiedlichster Branchen. Alle Leistungen erbringt das partnergeführte Unternehmen unter der Prämisse, Ökonomie und Ökologie zu vereinen. Diese ganzheitliche Herangehensweise heißt bei Drees & Sommer „the blue way“.