Innovation in der DNA: Strategien für Future Cities

ReaLLoaded: Der Expertenblog von Drees & Sommer!
Klaus Dederichs - Partner, Head of ICT, Geschäftsführer bei Drees & Sommer
09.03.2020

Weltweit krempelt die digitale Transformation ganze Branchen im Eiltempo um. Dabei werden nicht nur einzelne Produkte und Services, sondern ganze Marktkonstellationen in Frage gestellt. Wer künftig erfolgreich sein will, muss in Systemen denken - das gilt nicht nur für die Immobilienwirtschaft, sondern sogar für ganze Städte, die mit digitalen Technologien die Lebensqualität ihrer Bewohner entscheidend verbessern können.

Digitale DNA für Gebäude

Digital muss es sein – wo und wann gilt das nicht. Seien es intelligente Verkehrssysteme, autonomes Fahren oder Car-Sharing, seien es technische Voraussetzungen wie der Breitbandausbau und 5G. Was bei internetgestützter Kommunikation anfängt, bedeutet heute und in der Zukunft noch viel mehr. Wegweisende Beispiele dafür sind so genannte Customized Smart Buildings wie „The Ship“ in Köln, der „Digital Campus Hammerbrooklyn“ in Hamburg oder der „cube Berlin“ inmitten der Hauptstadt. Sie alle stellen den Nutzer und seine Bedürfnisse in den Vordergrund – und haben den Menschen als Vorbild. Während die Sensoren den Sinnesorganen entsprechen, ist eine künstliche Intelligenz, kurz KI, das Gehirn. Die KI lernt aus den Daten des Betriebs, der Nutzer und der Umwelt, macht Vorschläge wie das Gebäude in Zukunft betrieben werden soll und optimiert es fortwährend.

Smart and the City

Konkret kann das so aussehen: Sind Arbeitsplätze oder Räume nicht fest vergeben, zeigt eine App beim Betreten des Gebäudes die Vakanzen. Das Gebäude erkennt dabei die Bedürfnisse seiner Nutzer in Bezug auf Behaglichkeit und den individuellen Arbeitsplatzanforderungen: Halten sich in einem Raum keine Personen auf, wird das Raumklima bedarfsgerecht im Sinne des CO2-Footprints heruntergeregelt.

Ein sinnvoll aufgebautes und datenschutz-konformes Tracking macht die Auslastung und Bewegung im Gebäude transparent. Das verbessert Arbeitsabläufe und deren Effizienz. Beispielsweise muss das Reinigungsteam ungenutzte Büros gar nicht erst betreten. Entscheidend ist: Es geht nicht um Einzellösungen, die teilweise technisch schon länger machbar sind, sondern um ihr intelligentes Zusammenspiel – das große Ganze. Dazu gehört auch die Überlegung, wie Gebäude, Quartiere und Städte künftig untereinander in Verbindung treten. Digitalisierung erfordert bereits im Vorfeld eine smarte Planung und eine klare Vorstellung davon, was unter „Smartness“ überhaupt verstanden werden soll: Eine Stadt, die von Bewohnern und Gästen lediglich die Daten sammelt? Oder eine wirklich „intelligente“ Stadt, die aus den gewonnenen Informationen Synergien und Mehrwerte für die Gesellschaft generiert? Ein einfacher Programm- oder Softwareeinsatz reicht hier nicht aus, vielmehr kommt es auf die richtige Verwertung und Vernetzung dieser Informationen an. Ohne intelligente Gebäude wird es sonst keine Smart City geben.

Einer für alle, alle für einen: Sharing-Angebot nehmen zu

Ein Baustein für die Smart City besteht in der räumlichen Vernetzung verschiedener Mobilitätslösungen. Gerade hier findet gegenwärtig ein Paradigmenwechsel statt, der vor allem von jüngeren Bevölkerungsschichten ausgeht. Das Auto als Statussymbol wird dabei immer unwichtiger, es geht um die Mobilität selbst. Dieser Sharing-Gedanke führt dazu, dass nicht nur Autohersteller, sondern auch Start-ups wie e.GO Digital sich intensiv mit neuen Geschäftsmodellen auseinandersetzen, die anwenderfokussierte digitale Lösungen rund um Mobilitätsthemen anbieten. Werden Mobilitätsangebote darüber hinaus noch mit Gebäuden verknüpft, entstehen integrierte Konzepte. Innovative Stadtquartiere wie das Quartier Heidestraße in Berlin gehen bereits mit gutem Beispiel voran: Kurze Wege zu den Angeboten des täglichen Bedarfs sowie im Quartier verkehrende E-Busse kombiniert es mit dem App-basierten Parkraummanagement. Dieses kann auf individuelle Bedürfnisse wie Parkdauer, Pkw-Größe oder Vorab-Reservierungen für Parkplatz und Ladeinfrastruktur reagieren und Parkplatzsuchende direkt zum passenden freien Stellplatz navigieren. Sogar Carsharing-Unternehmen können in die App integriert werden. Das reduziert auch drastisch den Parkplatzsuchverkehr in den Innenstädten.

Innovationsgipfel gibt Antwort auf drängende Fragen

Welchen Nutzen können Städte aus der Digitalisierung ziehen und welche Strategien sind dafür notwendig? Das ist eine der zentralen Fragestellungen des 13. Deutschen Innovationsgipfels am 11. März in München. Digital-Pioniere, Vorreiter und Entscheider von etablierten Playern und Start-ups treffen dort zusammen, um ihr Know-How und ihre Erfahrungen auszutauschen.

Dabei steht fest: Durch intelligente Entwicklungsprojekte, ausgeklügelte Strategien und Konzepte haben Städte wie Helsinki, Berlin, Kopenhagen oder Barcelona es geschafft, ihre ersten Visionen auf dem Weg zu einer zukunftsweisenden und lebenswerten Stadt in die Realität umzusetzen. Mit der richtigen Digitalisierungsstrategie können Städte die Lebensqualität für ihre Bewohner entscheidend steigern.

Vita des Autors

Klaus Dederichs startete 2015 als Head of ICT bei Drees & Sommer, leitet den Standort Aachen und ist seit 2019 Partner des auf Bau und Immobilien spezialisierten Planungs- und Beratungsunternehmens. Dort verantwortet er insbesondere die Themen ICT, Digitalisierung, Business Transformation, IoT, Big Data, Industrie 4.0 und Data Center. Er studierte Physikalische Technik an der FH Aachen und arbeitete mehrere Jahre lang in verschiedenen Ingenieurbüros. Von 1999 an verantwortete er bei einem international agierenden Beratungs- und Planungsunternehmen zunächst als Projekt- und Fachbereichsleiter, später als Geschäftsführer, Prokurist und Partner. Zudem hat er in 2019 den Chair des ULI Product Councils Future Cities – Smart Cities übernommen.