Investieren in Wohnimmobilien - dreht sich der Wind für Immobilieninvestments?

Der Blog der Magna Real Estate AG
Jörn Reinecke
14.10.2018

Selten waren Wohnimmobilien so gefragt wie in den vergangenen Jahren. Zeitungen und Online-Medien waren sich lange Zeit einig: Mit einer Investition in „Betongold“ kann man nichts falsch machen. Dies galt insbesondere für die Metropolregionen in Deutschland.

In der Tat stiegen die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland in den vergangenen Jahren rasant – und diese Entwicklung setzt sich fort. Eine Untersuchung der ACCENTRO Real Estate AG zeigt, dass die Verkaufspreise für Eigentumswohnungen alleine im letzten Jahr um knapp fünf Prozent gestiegen sind. Das klingt nach einem vielversprechenden Investment.

Die anhaltend positive Entwicklung ruft jedoch zunehmend Kritiker auf den Plan, die vor einer Immobilienblase warnen. Zuletzt sorgte die Schweizer Großbank UBS für Aufsehen. Sie veröffentlichte eine internationale Rangliste von Großstädten, in denen sich Immobilienblasen bilden könnten. Dabei sahen die Analysten München und Frankfurt noch vor namhaften Metropolen wie New York oder Tokio. Das im internationalen Vergleich eher beschauliche München landete auf dem zweiten Platz hinter dem schillernden Hongkong. Sogar die Bankenaufsicht bezeichnete die Immobilienpreisentwicklung in Deutschland jüngst als „beunruhigend“. Dreht sich also der Wind für Immobilieninvestments?

Ich halte nichts von dieser Schwarzmalerei. Die Kombination aus niedrigen Leerstandsraten, boomender Wirtschaft und der Niedrigzinspolitik der EZB ist ein äußerst kraftvoller Motor für den deutschen Wohnimmobilienmarkt. Und selbst wenn sich die Europäische Zentralbank entschließen sollte, den Leitzins im Euro-Raum zu erhöhen, werden die Finanzierungskosten für den Immobilienerwerb auf einem sehr günstigen Niveau verharren. Der Zinsabstand zu der zehnjährigen Bundesanleihe, die für Immobilieninvestments klassischer Weise als Vergleichsmaßstab herangezogen wird, würde in einem solchen Fall um ein paar Basispunkte abschmelzen. Die Differenz wird aber nach wie vor groß bleiben. Dies sollte die hohe Nachfrage also nicht eintrüben.

Zum anderen bieten einige Lagen nach wie vor ein sehr attraktives Chancen-Risiko-Verhältnis. Das Risiko-Rendite-Ranking 2018 von Dr. Lübke & Kelber hat gezeigt, dass viele dieser attraktiven Investitionsstandorte abseits der Großstädte liegen. Nach der Studie schnitten Immobilieninvestments in mittelgroßen Städten wie Fürth, Osnabrück oder Lüneburg zuletzt besonders gut ab. In Großstädten würden Investments in mittleren Lagen unter Renditegesichtspunkten attraktiv bleiben.

Diese differenziertere Betrachtung zeigt, dass sich informierten Investoren vielfältige Möglichkeiten bieten. Die Herausforderung besteht darin, die Fassade der oft oberflächlichen und einseitigen Berichterstattung zu durchbrechen, sich ein eigenes differenziertes Bild zu machen und eine eigene Investmentstrategie zu entwickeln. Denn eines ist völlig klar: Der deutsche Immobilienmarkt bietet nach wie vor sehr attraktive Chancen.

Leider werden die sich bietenden Möglichkeiten in Deutschland gerade von vielen Privatpersonen noch nicht konsequent genug ergriffen. So bildet Deutschland mit einer Wohneigentumsquote von gerade mal rund 50 Prozent das Schlusslicht in Europa. Dabei zeigen Untersuchungen, dass das Wohnen im Eigentum deutlich günstiger ist als das Wohnen zur Miete. Aus rein ökonomischer Sicht erscheint diese Diskrepanz jedoch nicht sinnvoll und zeigt, dass viele Investitionschancen am Immobilienmarkt nach wie vor nicht ergriffen werden. Insbesondere die Eigennutzer sollten das bei der Wohnungssuche im Hinterkopf behalten.