Künstliche Intelligenz - Door Opener für die Immobilienwirtschaft der Zukunft

#Aarealthoughts - der Expertenblog der Aareal Bank
Sebastian Hennerici - Projektleiter Data Analytics
08.07.2020

Die Corona-Pandemie hat vielen von uns den Wert der Digitalisierung deutlich vor Augen geführt und die digitale Transformation enorm beschleunigt. Diesen Innovationsschub gilt es zu nutzen, um die Digitalisierung aufs nächste Level zu heben und in Smart Technologies, sprich künstliche Intelligenz (KI), zu investieren. Vor allem die Immobilienbranche kann durch KI-Tools enorm profitieren, etwa in Verkauf, Bewertung, Betrieb oder Wartung von Gebäuden. Und etwas weitergedacht, auch Zukunftsthemen wie Urbanisierung und Nachhaltigkeit mitgestalten.

Alexa, Siri, autonome Fahrzeuge sind nur einige Beispiele, wie künstliche Intelligenz unser Leben vereinfacht und verändert. Selbstlernende Software-Lösungen, die sich permanent optimieren und damit Prozesse beschleunigen, sind das Thema der Zukunft und erobern die verschiedensten Wirtschaftsbereiche. 2019 nutzten laut einer Deloitte-Studie bereits 65 Prozent der Unternehmen in Deutschland KI-basierte Systeme, wenn auch noch „as a Service“ von externen Dienstleistern und projektbezogen.

Krise als Beschleuniger

Auch in der Immobilienbranche haben sich für die digitale Transformation viele Türen geöffnet, nicht zuletzt durch die Erfahrungen während des Lockdowns im Zuge der Corona-Pandemie. Das zeigt eine Studie der Aareal Bank, die im April/Mai 2020 unter Entscheidern und Mitarbeitern der Wohnungs-, Energie- und Startup-Wirtschaft durchgeführt wurde. Rund die Hälfte der Befragten gab an, dass in ihrem Unternehmen die digitale Transformation bedingt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch an Bedeutung gewonnen hat. Rund 60 Prozent rechnen zukünftig mit einer stärkeren Digitalisierung vor allem in den Bereichen der Kundenkommunikation und fast zwei Drittel wünschen sich mehr digitale Prozesse über Branchengrenzen hinweg. Die Wohnungswirtschaft sah sich gut vorbereitet auf die Krise, immerhin 67 Prozent der Entscheider gaben an, auf die krisenbedingte digitale Umstellung von Prozessen gut vorbereitet gewesen zu sein und lagen mit dieser Einschätzung sogar noch knapp vor der digitalaffinen Startup-Branche (63 Prozent).

Auf künstliche Intelligenz bauen

Diesen Digitalisierungs-Flow gilt es weiter jetzt weiter zu nutzen, um den Schritt in Richtung KI zu gehen. Gerade für Immobilienunternehmen bieten sich mit KI-Technologien enorme Chancen, da sie oft über riesige Datenmengen verfügen, die sie intelligent nutzen können. KI-Systeme ordnen, vernetzen, analysieren, beurteilen Risiken und gestalten Prozesse effizienter. Etwa im Verkauf, wenn neuronale Netzwerke mit hoher Wahrscheinlichkeit voraussagen können, welche Art von Immobilie für bestimmte Nutzer interessant ist, oder aus einer Vielzahl an Daten den Immobilienwert genau bestimmen. Durch die automatisierte Auswertung von Verträgen, sogenannte Smart Contracts, wird das Handling beispielsweise von Mieterdaten vereinfacht.

Großes Potenzial bietet sich bei der Verwaltung und Betreuung von Immobilien, etwa durch automatisierte Instandhaltung: KI-Systeme und Sensoren sammeln Gebäudedaten, werten diese aus und setzen entsprechende Prozesse wie Heizung oder Belüftung in Gang. Sie ermöglichen einen effizienteren und energiesparenden Betrieb von Gebäuden und berechnen den voraussichtlichen Zeitpunkt für einen Sanierungsbedarf.

Zielgerichtete Vernetzung

Entscheidend für den erfolgreichen Einsatz von KI ist das Aufbrechen von Datensilos und die zielgerichtete Zusammenführung der Daten. Statt sämtliche Informationen wahllos miteinander zu verknüpfen, werden zunächst bestimmte Anwendungsfälle oder Problemstellungen definiert und in Betrieb genommen. Anschließend werden Datensilos im Hinblick auf den größten Nutzen schrittweise zusammengeführt. Die entsprechende Datenqualität vorausgesetzt, lernt das „neuronale Netz“, verbessert sich mit jeder Iteration und bildet eigenständig neue Szenarien. So entsteht schrittweise eine „KI-Fabrik“, die effizient und kostensparend neue Erkenntnisse produziert. Etwas weitergedacht, sind in Kooperation zum Beispiel mit der Energie- oder Finanzwirtschaft innovative Business-Modelle denkbar, die Lösungen für Zukunftsthemen bereitstellen. Denkbar sind etwa Anwendungen in Smart Cities, in denen Gebäude miteinander kommunizieren und nachhaltiges, energieeffizientes Wohnen steuern.

Vorbehalte berücksichtigen

Natürlich gibt es auch Herausforderungen zu meistern. So etwa die Gewährleistung der Datensicherheit und rechtlicher Rahmenbedingen, um nicht schon im Frühstadium einen Vertrauensverlust zu riskieren. Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz befürchten viele auch den Verlust von Arbeitsplätzen. Gerade in der Wohnungswirtschaft können automatisierte Prozesse die Erfahrung und Entscheidungssicherheit von menschlichen Akteuren wie Vermietern, Maklern, Anwälten oder Verwaltern aber nicht ersetzen. So kann ein KI-basiertes Tool das optimale Objekt für einen bestimmten Kunden ermitteln. Die Besichtigung erfolgt aber immer noch persönlich. Wer künstliche Intelligenz nicht als Gefahr für den Menschen begreift, sondern als Partner, öffnet neue Türen und legt den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft.

Über den Autor

Sebastian Hennerici arbeitet im Innovation Management der Aareal Bank AG und leitet das Projekt „Data Analytics“. Seine Schwerpunkte sind KI-Technologien und Zahlungsverkehr. Er verfügt über einen Master in Betriebswirtschaftslehre und ist Mitglied des konzernweiten Start-up Teams der Aareal Bank Gruppe.