Nachhaltigkeit? Geht nur gemeinsam!

#Aarealthoughts - der Expertenblog der Aareal Bank
Henning Zander - Head of Start-up Program
15.12.2021

Das Thema ESG gewinnt in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft zunehmend an Relevanz. Strategische Kooperationen zwischen etablierten Playern und innovativen Start-ups bieten die Chance, Potenziale der Nachhaltigkeit in der Branche und im eigenen Unternehmen zu nutzen.

Der Gebäudesektor gehört laut Digitalverband Bitkom neben Verkehr und industrieller Produktion zu den Hauptverursachern von CO2-Emissionen: Ein Drittel des Energiebedarfs sowie bis zu einem Viertel der ausgestoßenen Klimagase hierzulande entfallen demnach auf den Gebäudebereich. Entsprechend kommt der Immobilien- und Wohnungswirtschaft eine zentrale Rolle zu, wenn es darum geht, die Kriterien entlang der drei Kriterien Environment, Social und Governance (ESG) umzusetzen und die Klimaziele zu erreichen. Vor welchen Herausforderungen die Wohnungswirtschaft steht, während sie sich um mehr Nachhaltigkeit bemüht, skizzierte der Branchenverband GdW in einer Pressemitteilung im Oktober 2021: „Um in nur noch 24 Jahren das im Pariser Klimaabkommen fixierte Kleiner-Zwei-Grad-Ziel und einen absolut klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen, müssen ab sofort jährlich über fünf Millionen Tonnen CO2 im Gebäudesektor eingespart werden. Das ist eine Herkulesaufgabe für eine Branche, die üblicherweise in 40-Jahres-Zyklen investiert.“

Im Immobiliensektor muss nach Erkenntnissen des Immobiliendienstleisters JLL beispielsweise der Primärenergiebedarf von Neubauten ab 2021 zehn Prozent unter den nationalen Anforderungen für Niedrigstenergiegebäude liegen. Sanierungen müssen mindestens 30 Prozent Energieersparnis erzielen oder im Einklang mit der nationalen Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie stehen. Allein mit energetischen Sanierungen ist es jedoch nicht getan, stellt der Bitkom fest: Einer aktuellen Studie zufolge können digitale Technologien fast ein Drittel dazu beitragen, dass der Gebäudesektor in Deutschland seine Klimaziele für das Jahr 2030 erfüllt. Bis zu 14,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid lassen sich laut Bitkom auf diese Weise einsparen. Hinzu kommt, dass auch die Kunden der Immobilien- und Wohnungswirtschaft Nachhaltigkeit immer stärker einfordern – und damit zunehmend als Innovationstreiber agieren.

Kooperation zwischen Etablierten und PropTechs: Weichenstellung für die Zukunft

Die Fragen, vor denen die Branche nun steht, sind komplex und vielfältig: Wie können Geschäftsmodelle den regulatorischen Anforderungen gerecht werden? Wie sieht die Immobilie der Zukunft aus, unter wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Aspekten? Wie lassen sich Effizienzen steigern und Kostenexplosionen vermeiden? Auf der Suche nach Lösungen für diese drängenden Themen könnte eines zum relevanten Erfolgsfaktor werden: der Schulterschluss mit PropTechs.

In der DACH-Region gibt es heute an die 500 Start-ups im Immobiliensektor. Sie verfügen nicht nur über innovative Ansätze und smarte Lösungen, sondern auch über die Stärken, die in Zeiten der Transformation notwendig sind: Schnelligkeit, Agilität und Mut. Etablierten Unternehmen bieten sie Zugang zu intelligenten Produkten und einen frischen Blick auf eingefahrene Prozesse und Geschäftsmodelle. PropTechs wiederum können sich als strategische Partner der etablierten Player in der Branche positionieren und von der Erfahrung und den Netzwerken der Corporates profitieren. In welcher Form der Zusammenarbeit sich Unternehmen und Start-ups zusammenfinden – dafür gibt es verschiedenste Möglichkeiten.

Vier Formen der Zusammenarbeit zwischen PropTechs und etablierten Unternehmen

- Klassische Kooperationen: Innovative Ideen hier, dort Branchen-Know-how und die Fähigkeit, an bestehende Systeme anzuschließen – die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und etablierten Playern der Immobilienwirtschaft ist für beide Seiten äußerst sinnvoll. Am stärksten profitieren die Kunden, deren Wünsche immer im Fokus der Überlegungen stehen sollten.

- Accelerator-Programme: In diesen Förderprogrammen werden Start-ups unter anderem mit finanziellen Mitteln, Büroräumen, Mentorings und Weiterbildungsmaßnahmen ausgestattet. Dadurch können sie sich besser auf die Ausarbeitung ihrer Ideen konzentrieren und sie schneller zur Marktreife führen.

- Strategische Beteiligungen: Mittels gezielter Investitionen können sich Corporates an Start-ups beteiligen und dadurch zum Beispiel ihr Lösungsportfolio oder ihr Geschäftsfeld ausweiten.

- Eigene Start-ups: Wer eigene Geschäftsideen ergebnisoffen auf dem Markt erproben und ausprobieren will, kann ein eigenes Start-up gründen und dafür neue, passende Strukturen innerhalb des eigenen Corporates schaffen.

Gemeinsam zum Null-Emissions-Ziel

All diese Formen der Zusammenarbeit haben wir im Start-up-Programm der Aareal Bank Gruppe bereits ausgiebig erprobt. Um einmal ein Beispiel für eine unserer Start-up-Kooperationen im Nachhaltigkeitssektor zu nennen: Da immer mehr institutionelle Investoren wissen wollen, welche Risiken vom Klimawandel auf ihre Investitionen ausgehen, haben wir ein Pilotprojekt mit Carbon Delta aufgesetzt. Das Umwelt-FinTech und auf Datenanalyse spezialisierte Unternehmen hat es geschafft, Risiken des Klimawandels zu berechnen und zu analysieren. Ziel des Pilotprojekts ist es, die von Carbon Delta entwickelten Methoden auf den Immobiliensektor zu übertragen.

Darüber hinaus haben wir als Aareal Bank uns kürzlich als Corporate Partner an der von Ampolon initiierten Decarbonize Real Estate Challenge beteiligt. Deren Ziel: Kluge Köpfe und innovative Ideen zu finden, um möglichst schnell zum Null-Emissions-Ziel zu gelangen. Solche kreativen Initiativen sind ungemein wichtig, um das ESG-Bewusstsein in der Branche weiter zu schärfen und wir sind bereits gespannt auf die konkreten Umsetzungen, die daraus hervorgehen werden.

ESG als Thema unserer Zeit

Unterm Strich kommen wir mit unserer vielfachen Zusammenarbeit zu einem eindeutigen Ergebnis: Es lohnt sich. Der Austausch, die vielen neuen Impulse sowie das gemeinsame Angehen von Projekten und Erarbeiten von Lösungen bringen beiden Seiten große Vorteile. Dabei gilt: Jede Partnerschaft braucht Kommunikation auf Augenhöhe. Ohne die geht es nicht. Ebenso unverzichtbar ist das gegenseitige Verständnis für die Unterschiede. Corporate und Start-up sollten sich darüber bewusst sein: In einer Kooperation treffen unterschiedliche Unternehmenskulturen und Selbstverständlichkeiten aufeinander. Das erfordert Großzügigkeit und Mut. Nur wer diese Eigenschaften mitbringt, schafft Raum für dringend notwendige Innovationen. Diese sind dringend nötig, denn so viel ist klar: ESG ist das Thema unserer Zeit und wir alle sind verpflichtet, hier aktiv zu werden. Gemeinsam können wir dabei mehr bewegen als allein – und das hilft nicht nur der Branche, sondern unterstützt den Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit in der gesamten Gesellschaft.