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Nachhaltigkeit: Wie viele Standards braucht die Branche? (Teil 2)

TRANSFORMING THE BUSINESS OF BUILDINGS - Der BLOG von BuildingMinds
Jan Sommerfeld - Product Manager Sustainability
23.06.2020

Vor rund zehn Jahren hat die Immobilienbranche eine erste größere Nachhaltigkeitswelle erlebt, die sich vor allem in Form von Nachhaltigkeitszertifikaten niederschlug (siehe unser Blogpost im Juni). Eine Erkenntnis stach hervor: Die Siegel sind ein wichtiges Instrument hin zu mehr Nachhaltigkeit im Immobiliensegment. Sie sind jedoch kein Allheilmittel für die enormen Herausforderungen, vor denen die Branche steht.

Mit dem neuen Jahrzehnt und der Klimabewegung ist Nachhaltigkeit nun wieder verstärkt in den Fokus gerückt – auch und besonders bei Immobilieninvestoren. Der enorme ökologische Fußabdruck des Gebäudesektors verpflichtet die Branche nicht nur moralisch zum Handeln. Die damit einhergehende Regulierung, Stichwort: EU-Taxonomie, und die drohende CO2-Bepreisung erhöhen den Druck. Die Antwort auf die drängenden Fragen wird diesmal nicht in Nachhaltigkeitszertifikaten gesucht, sondern in ESG-Strategien und Standards. Während einerseits etablierte Kataloge wie GRESB (Global Real Estate Sustainability Benchmark) herangezogen werden, um die Strategien um den Dreiklang Umwelt, Soziales und Unternehmensführung in die Praxis zu übersetzen, ist andererseits eine Flut an individuellen Modellen und Standards zu beobachten.

Konsolidierung muss in Benchmarks münden

Welche Standards sich durchsetzen werden, scheint derzeit offen. Eine Konsolidierung erscheint jedoch erstrebenswert. Denn „Standards“ führen sich letztlich selbst ad absurdum, wenn jedes Unternehmen seinen eigenen Standard hat – zumal sich die meisten Standards in ihren Details ohnehin kaum unterscheiden und viele Unternehmen je nach Adressat ohnehin Reportings nach verschiedenen Standards erstellen (müssen). Besonders zu hinterfragen ist die Sinnhaftigkeit von Modellen, die auf die Sammlung und Auswertung von Nachhaltigkeitsdaten fokussieren. Angesichts der Tatsache, dass Nachhaltigkeit mittels Regulatorik unausweichlich Eingang in die betriebswirtschaftlichen Kernbereiche von Unternehmen finden wird, muss jedes Modell, jeder Standard, jedes Tool über eine entsprechende hohe Kompatibilität verfügen, etwa mit Blick auf Risikomanagementprozesse. Ohne eine solche Anschlussfähigkeit dürfte eine eher kurze Halbwertszeit bzw. ein eingeschränkter Nutzen die Folge sein.

Beides kann sich die Branche im Grunde nicht leisten. Sie darf sich nicht im Klein-klein verlieren – dafür ist schlicht keine Zeit. Standards müssen sinnvoll angewendet werden, um Sinn zu stiften und messbare Resultate hervorzubringen. Mehrwert entfalten sie dann, wenn sie Benchmarking auf internationaler Ebene ermöglichen. Aus Sicht von BuildingMinds bedarf es dafür einer Plattform, um eine Vielzahl globaler Gebäudestandards zu vereinheitlichen und auswertbar zu machen. Dieses Ziel verfolgt die International Building Performance and Data Initiative (IBPDI), die wir gemeinsam mit pom+, Microsoft und RICS ins Leben gerufen haben und die mithilfe eines gemeinsamen Datenmodells vorhandene Rahmenwerke und Standards integriert. So sehr wir von diesem Weg und der Leistungsfähigkeit bei der Integration von Branchenstandards in das geplante Common Data Model überzeugt sind: Jeder neue Standard bindet in Unternehmen Ressourcen, bei der Entwicklung, Implementierung und Anwendung – Ressourcen, die dringend gebraucht werden, um die aktuellen Aufgaben zu bewältigen. Daher dürfen Standards nicht zum Selbstzweck werden.