Risikomanagement: Agilität ist die beste Krisenprävention

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Jens Mueller - COO
04.05.2020

Die Corona-Pandemie konnte niemand voraussehen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse lässt sich aber schon jetzt festhalten: Risikofaktoren besser zu kennen und entsprechende Szenarien vorzubereiten ist ein Muss. Die Grundlage dafür ist bekannt – wird aber zu häufig unterschätzt oder übersehen: Informationen in Form von Daten, die es ermöglichen, bessere oder zumindest bewusstere Entscheidungen zu treffen.

Für unsere Branche stehen vor allem Liquiditätsrisiken wie Mietausfälle und Finanzierungsrisiken im Fokus. Aber auch andere Risiken, die sich aus der Regulierung ergeben oder beispielsweise Versicherungsdeckungen und Operations-Risiken, spielen eine Rolle.

Fragen Sie sich selbst: Wie schnell haben Sie die notwendigen Informationen zu ihren Immobilienbeständen erhalten? Wie viele Arbeitsschritte waren nötig, um Liquiditäts- und Finanzierungsrisiken besser einschätzen zu können? In wie vielen verschiedenen Systemen und Dokumenten mussten Sie nach den entsprechenden Daten suchen?

Die herrschende Pandemie lehrt uns, wie wichtig Krisenprävention ist. Denn Krisen bringen immer akuten Handlungsbedarf mit sich. Ein wichtiger Schluss muss also sein, konsistente, qualitative Daten zu jeder Zeit verfügbar zu machen, um Risiken richtig einschätzen und entsprechend schnell handeln zu können.

Ist das Risikomanagement beispielsweise überwiegend in Tabellenkalkulationen aufgesetzt, kommt es zwangsläufig zu Übertragungsproblemen. Eine perfekt auf die Analyse von Liquiditätsrisiken eingestellte Tabellenkalkulation ist für jede andere Risikoart leider ungeeignet. Auch die Übertragung der vielleicht nutzbaren Daten dürfte sich als unmöglich oder so zeit- und ressourcenraubend herausstellen, dass bei Fertigstellung die Krise schon vorübergezogen ist und der maximale Schaden eingetreten ist. Analoge Probleme treten auf, wenn je Risikoaspekt verschiedene Softwarelösungen genutzt werden.

Daten sollten nicht zweckgebunden, sondern immer agil betrachtet werden. Diese Agilität muss vor allem im Datenmanagement ermöglicht werden. Entscheidend sind dynamische Verknüpfungen. Sprich: Eine Änderung einer Information hat Auswirkung auf die damit in Beziehung stehenden anderen Informationen. Sind die für Risikomanagement notwendigen Daten erst einmal erhoben und identifiziert, so lassen sich auf dieser Basis theoretisch unendlich viele Anwendungsfälle realisieren.

Mit einem unserer Co-Innovationspartner, der rund 1.500 Assets verwaltet, haben wir die verschiedenen Aspekte des Risikomanagements durchgespielt. Die wohl deutlichste Erkenntnis ist, dass rund ein Drittel der erforderlichen Daten gleich sind. Sprich: Ein Drittel der Daten, die zur Analyse von Liquiditätsrisiken notwendig sind, werden ebenfalls für die Analyse von Finanzierungs- oder Operationsrisiken benötigt.

Für unsere Branche ist das eine gute Nachricht. Schließlich verschafft sie uns einen entscheidenden, möglicherweise überlebensnotwendigen Vorteil: Reaktionszeit. Die Fähigkeiten einer Organisation, sich unter Unsicherheit schnellstmöglich auf neue Gegebenheiten einzustellen, kann enorm erhöht werden, wenn die für jede Risikoanalyse notwendigen 30 Prozent Daten bereits zentral vorgehalten und für die akut aufgetretene, ganz neue Situation genutzt werden können. Die Erkenntnis allein reicht jedoch nicht aus – es braucht auch die technische Infrastruktur und insbesondere ein zeitgemäßes Datenmodell, wie wir es mit dem Common Data Model für die Immobilienwirtschaft entwickeln.

Krisen kommen häufig ohne Ankündigung, doch dürfen sie uns nicht unvorbereitet treffen. Daher ist ein datengestütztes Risikomanagement unerlässlich. Wir müssen uns schnell auf neue, bislang unbekannte Situationen einstellen können, um entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Dafür ist eine dynamische Betrachtung auf Basis einer agilen Infrastruktur notwendig. Schließlich könnte uns die Krise schon längst überholt haben, während wir unsere Tabellenkalkulationen auf den aktuellen Stand gebracht haben.