• Quelle: BuildingMinds

Sind Standards bereits Standard?

TRANSFORMING THE BUSINESS OF BUILDINGS - Der BLOG von BuildingMinds
Tobias Decker - Chief Product Officer
15.03.2020

Datenstandards sind essenziell, das bezweifelt heute niemand mehr. Zahlreiche Industrien beweisen, dass Datenstandardisierung die Grundlage dafür ist, die Digitalisierung voranzutreiben und bestehende Geschäftsmodelle zu optimieren, sowie Neue zu entwickeln. Microsofts Common Data Models wurden beispielsweise in der Automobilindustrie oder im Gesundheitssektor bereits erfolgreich eingeführt.

Die Vorteile sind vielseitig: Harmonisierte und demokratisierte Daten ermöglichen ungleich effizientere Prozesse, stellen Compliance sicher und sorgen durch ihre Zusammenfassung auf einer Plattform für eine vorher nicht dagewesene Datenqualität. Jedoch ist der größte Mehrwert das, was man mit dieser Grundlage anfangen kann: der Einsatz von Machine Learning und Künstlicher Intelligenz, die völlig neue Dimensionen für intelligente Analysen und damit für Portfolio-Management als Ganzes eröffnen. Die Übersetzung von Expertenwissen in intelligente Algorithmen wird die Automatisierung von Entscheidungen und Prozessen in der Immobilienbranche ermöglichen.

Der Impuls zum Wandel der Industrie entsteht jedoch nicht allein aus den Möglichkeiten, die standardisierte Daten eröffnen.

Zum einen erwarten Nutzer heute viel mehr von Immobilien. Wo zum Beispiel neue Arbeitskonzepte auf Digitalisierung treffen, wird „Wellbeing“ nicht nur messbar, sondern auch immer mehr zum Kriterium für Geschäftsentscheidungen. Ein weiterer, entscheidender Themenkomplex ist die Nachhaltigkeit bzw. der Carbon Footprint von Immobilien. Die Senkung von CO2-Emissionen entwickelt sich zu weit mehr als nur einer moralischen und vertraglichen Verpflichtung. In ein paar Jahren werden Gebäude, die CO2-ineffizient sind, auch für Finanzanleger deutlich an Attraktivität verloren haben. Wenn man in Betracht zieht, dass mindestens 80 Prozent der Gebäude im Jahr 2050 bereits heute existieren, wird klar, dass akuter Handlungsbedarf besteht. Die Integration von neuen Bewertungskriterien in immobilienwirtschaftliche Geschäftsmodelle kann nur mithilfe von Standardisierung und Digitalisierung gelingen, davon sind wir bei BuildingMinds fest überzeugt.

Damit internationale Bewertungskriterien und KPIs anwendbar werden, brauchen sie jedoch einen Bezugsrahmen, also nichts anderes als gemeinsam definierte Branchenstandards, die möglichst internationales Benchmarking ermöglichen. Genau hier setzt die „International Building Performance & Data Initiative“ (www.ibpdi.org) an: Wir entwickeln gemeinsam mit unseren Partnern einen internationalen Branchenstandard, der KPIs und Benchmarks in ein branchenspezifisches Common Data Model integriert.

Aber: Standards ergeben nur so viel Sinn, wie sie auch angewendet werden.

Die Immobilienwirtschaft ist vielseitig und kennt eine Vielzahl von Geschäftsmodellen über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Unsere Initiative ist daher darauf ausgelegt, mit verschiedensten Partnern aus der Immobilienwirtschaft zusammenzuarbeiten und bestehende Rahmenwerkeund Standards zu integrieren.

In Arbeitsgruppen zu Themen wie „Digital Building Twin“, „Sustainability“, „Portfolio Management“ werden wir gemeinsam an der Integration von spezifischen bzw. nationalen Branchenstandards in das Common Data Model arbeiten und sukzessive die gesamte Bandbreite abdecken.

Die erste Version des Common Data Models werden wir noch in diesem Jahr als offenen Standard veröffentlichen. Mit der „International Data & Building Performance Initiative“ werden wir ihn stetig erweitern, verbessern und vor allem für jeden zugänglich machen.