Smart Building Solutions: Vom Investor zum Plattformbetreiber

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Klaus Dederichs - Partner, Head of ICT, Geschäftsführer bei Drees & Sommer
04.09.2020

Eigenes Büro, fester Schreibtisch, womöglich gar ein persönlicher Parkplatz – nicht zuletzt Corona hat gezeigt, dass viele Flächen nicht voll ausgenutzt werden, sondern oft leer bleiben. Aus Eigentümer- oder Betreibersicht ist das weder effizient noch ressourcensparend. Mit digitalen Alltagshelfern nehmen smarte Gebäude dieses Problem in Angriff.

Die sogenannten Customized Smart Buildings sammeln Daten an allen Ecken und Enden des Gebäudes. Möglich macht dies ein sogenanntes „Brain“. Es verknüpft alle technischen Anlagen, Sensoren sowie Planungs-, Betriebs- und Nutzerdaten intelligent miteinander und steuert so die Prozesse im Gebäude in optimaler Weise. Wie ein menschliches Gehirn lernt das Gebäude mittels einer Verknüpfung zu einer Künstlichen Intelligenz (KI) aus den Daten und passt das Umfeld den Nutzern an. Damit für Nutzer, Investoren und Bestandshalter jedoch ein echter Mehrwert entstehen kann, gilt es, digitale Einzellösungen zu vermeiden. Vielmehr braucht es eine portfolioübergreifende digitale Immobilienplattform.

Ein Portfolio, mehrere lernfähige KIs

Sind alle Gebäude eines Portfolios als Customized Smart Buildings konzipiert und zudem über eine Immobilienplattform zentral miteinander vernetzt, stehen relevante Informationen – von Vertrags- über Wartungs- und Verbrauchs- bis hin zu Auslastungsdaten – künftig so bereit, dass eine KI auf diesen Datensatz zugreifen und davon profitieren kann. Denn ähnlich wie wir Menschen können auch intelligente Gebäude voneinander lernen. Unter Einhaltung der Datenschutzvorgaben (DSGVO) können sie auf den gesammelten Datenpool zu Betrieb und Nutzung zugreifen und beispielsweise Belegung, Auslastung und Flächennutzung einzelner Gebäude miteinander vergleichen. Aus diesen Daten kann die KI Handlungsempfehlungen zum effizienten Betrieb eines Gebäudes ableiten und so das Portfolio laufend optimieren. Möglich wird diese Vernetzung über offene Programmierschnittstellen (API). Über sie lassen sich sogar neue IoT-Technologien während des Betriebs leicht in das Bestandssystem integrieren.

Mit der Plattform neue Geschäftsmodelle entwickeln

Wesentlicher Punkt ist zudem das Erkennen und Generieren von neuen Geschäftsmodellen anhand von Daten, Analysen oder neuen Anwendungen. Getreu dem Gedanken der Sharing-Economy ist es beispielsweise denkbar, Arbeits- oder Parkplätze mehrfach zu vermieten. In der Praxis könnte dies so aussehen: Sind zum Beispiel Arbeitsplätze und Besprechungsräume langfristig nicht genutzt, nehmen Sensoren dies wahr, das Brain erkennt die Vakanzen. Durch plattformübergreifende Schnittstellen können die Plätze alternativen Nutzern angeboten und vermietet werden. Nimmt der „Normalbetrieb“ wieder Fahrt auf, schraubt die KI diese Angebote zurück – und womöglich hat sie dieses Verhalten schon aus der Vergangenheit gelernt. Dieser Ansatz geht somit weit über das bisherige Planen, Bauen und dann Betreiben hinaus: Customized Smart Buildings ermöglichen es dem Bestandshalter, zum Plattformbetreiber zu werden und statt auf Entwicklungen reagieren zu müssen, diese aktiv zu gestalten.

Fachtagung Smart Building Solutions gibt Antworten auf drängende Fragen

Welche neuen Geschäftsmodelle bieten nun aber in Zeiten der Digitalisierung die größten Chancen – und welche Risiken gilt es dabei zu berücksichtigen? Das sind die zentralen Fragestellungen der Fachtagung "Smart Building Solutions", die am 15. Und 16. September 2020 im Cluster Smart Logistik auf dem RWTH Aachen Campus stattfindet. Im Zentrum der Tagung stehen Plattformkonzepte, die Planungs-, Gebäude- und Nutzerdaten intelligent miteinander verknüpfen.

Dabei steht eines fest: Nur Eigentümer, Projektentwickler oder Investor zu sein war gestern. Wer auch künftig in der Bau- und Immobilienwirtschaft eine führende Rolle einnehmen will, muss Planungs-, Gebäude- und Nutzerdaten intelligent miteinander verknüpfen und dabei den Plattform-Gedanken verinnerlichen.

Über den Autor

Klaus Dederichs startete 2015 als Head of ICT bei Drees & Sommer, leitet den Standort Aachen und ist seit 2019 Partner des auf Bau und Immobilien spezialisierten Planungs- und Beratungsunternehmens. Dort verantwortet insbesondere die Themen Information and Communication Technology (ICT), Digitalisierung, Business Transformation, IoT, Big Data, Industrie 4.0 und Data Center, Vorbereitungsphase und Planungsphase. Klaus Dederichs studierte Physikalische Technik an der FH Aachen und arbeitete mehrere Jahre lang in verschiedenen Ingenieurbüros. Von 1999 an verantwortete er bei einem international agierenden Beratungs- und Planungsunternehmen zunächst als Projekt- und Fachbereichsleiter, später als Geschäftsführer, Prokurist und Partner zahlreiche Projekte im Rahmen des Lebenszyklus von Immobilien. Als Leiter Rechenzentrum war er für die Entwicklung und Konzeption der Rechenzentrumsplanung verantwortlich. Klaus Dederichs entwickelte den Kongress Bau- und Betrieb von Rechenzentren (Management Forum Starnberg), den er bis heute als Kongressleiter organisiert und moderiert. Zudem hat er in 2019 den Chair des ULI Product Councils Future Cities – Smart Cities übernommen.

Drees & Sommer: Innovativer Partner für Beraten, Planen, Bauen und Betreiben.

Als führendes europäisches Beratungs-, Planungs- und Projektmanagementunternehmen begleitet Drees & Sommer private und öffentliche Bauherren sowie Investoren seit 50 Jahren in allen Fragen rund um Immobilien und Infrastruktur - analog und digital. Durch zukunftsweisende Beratung bietet das Unternehmen Lösungen für erfolgreiche Gebäude, renditestarke Portfolios, leistungsfähige Infrastruktur und lebenswerte Städte an. In interdisziplinären Teams unterstützen die 3.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an weltweit 43 Standorten Auftraggeber unterschiedlichster Branchen. Alle Leistungen erbringt das partnergeführte Unternehmen unter der Prämisse, Ökonomie und Ökologie zu vereinen. Diese ganzheitliche Herangehensweise heißt bei Drees & Sommer "the blue way".