Start-up-Kooperationen in der Immobilienbranche: Digitalisierungslust statt Frust

#Aarealthoughts – der Expertenblog der Aareal Bank
Henning Zander - Head of Start-up Program
20.05.2020

In der Immobilienwirtschaft und in vielen anderen Bereichen sind die zurückliegenden Wochen auch eine praktische Digitalisierungsübung gewesen. Mit einem hohen Maß an Anpassungsfähigkeit haben etablierte Unternehmen Arbeitsprozesse umgestaltet und so aktiv an der eigenen digitalen Transformation gearbeitet. Diesen Entdeckergeist gilt es nun auszubauen. Und das geht am besten mit Partnern, die helfen, die eigene Expertise durch innovative Lösungen zu ergänzen. Start-ups sind diese Partner. Wie Kooperationen von etablierten Unternehmen und Start-ups zum Erfolg werden, berichtet Henning Zander, bei der Aareal Bank Gruppe verantwortlich für das konzernweite Start-up-Programm, in dieser Artikelserie.

Die Krise ist auch eine positive Digitalisierungserfahrung. Die vergangenen Wochen haben in der Immobilienbranche gezeigt, dass ein anderes Arbeiten möglich ist. Etablierte Abläufe und Prozesse wurden von einem Tag auf den anderen teilweise auf den Kopf gestellt. Und wir haben gemerkt: Es geht auch remote. Das Homeoffice ersetzt den Büroalltag, die Teams-Konferenz den Jour fixe und Online-Präsentationen den Vorort-Termin. Wir alle haben Alternativen finden müssen und dabei ein hohes Maß an Flexibilität bewiesen.

Dieser Bruch mit dem Gewohnten ist eine einmalige Gelegenheit, Innovationen voranzutreiben. Anstatt nun also in alte Muster zu verfallen, sollten wir uns diese Flexibilität und den Mut erhalten, Digitalisierungsstrategien weiter auszubauen und neue Lösungen in bestehende Unternehmensprozesse einzubinden. Es hat sich gezeigt, was möglich ist, wir haben gelernt, auf digitale Prozesse zu vertrauen. Das spornt an, bestehende Prozesse und Strukturen kritisch unter die Lupe zu nehmen und weiteren Digitalisierungsbedarf zu identifizieren.

Kooperationen auf Los

Das Gute ist, auch etablierte Unternehmen müssen sich nicht allein in diesen Veränderungsprozess begeben. Mit den richtigen Kooperationspartnern lässt sich die digitale Transformation effizienter und umfassender gestalten.

Das ist eine Erfahrung, die wir auch bei der Aareal Bank Gruppe immer wieder gemacht haben. Um besser zu verstehen, was die Treiber der digitalen Entwicklung sind und die wichtigen Trends im Auge zu behalten, setzen wir seit einigen Jahren verstärkt auf Kooperationen mit Start-up-Partnern. So beschleunigen wir Innovation im eigenen Unternehmen und für unsere Kunden aus der Immobilienbranche.

Ein konkretes Beispiel, wie Start-up-Kooperationen den Alltag in der Aareal Bank Gruppe bereichern, ist die Software des Berliner Start-ups realxdata, die bei uns zum Einsatz kommt. Wir finanzieren weltweit Bürogebäude und erhalten mehrmals im Jahr Mieterlisten von unseren Kunden in allen nur denkbaren Formaten. Die Software von realxdata ermöglicht es uns, diese Dokumente automatisiert einzulesen und zu verarbeiten. Das bedeutet nicht nur eine enorme Arbeitserleichterung, sondern auch eine systematischere Datenanalyse. Aber auch im Recruiting und in der Administration arbeiten wir mit Softwarelösungen verschiedener Start-ups.

Für die Aareal Bank Gruppe hat sich ein Start-up-Programm bewährt, in dem wir eine Reihe von Fördermaßnahmen bündeln, um Start-ups mit finanziellen Mitteln, Mentorings und Weiterbildungsmaßnahmen zu unterstützen. Das ermöglicht uns ein Engagement in unterschiedlichen Formaten und eröffnet strategische Experimentierräume genauso wie klare Zielsetzungen in engerer Kooperation mit einzelnen Start-ups.

Gute Vorbereitung für den Erfolg

Vor der Kooperation steht die Vorbereitung. Mit Start-ups kooperieren heißt schließlich nicht nur, von ihren Lösungen profitieren zu wollen. Für eine erfolgreiche Kooperation braucht es die Balance des Gebens und Nehmens. Etablierte Unternehmen sollten für sich im Vorfeld klären, wieviel Veränderung und anderes Arbeiten sie im Alltag an den Berührungspunkten mit der Start-up-Welt aushalten.

Neben der Selbstkenntnis ist das Matchmaking entscheidend. Um die richtige Wahl treffen zu können, muss geklärt sein, aus welchem Bereich der Kooperationspartner stammen soll, welche Branchenkenntnis benötigt wird und welche Form der Zusammenarbeit umsetzbar ist.

Für die Kooperation mit Start-ups gibt es nicht die eine Form. So dynamisch und lebendig die Szene ist, so viele Ansatzmöglichkeiten bietet sie für Unternehmen, individuelle Kooperations- und Beteiligungsmodelle zu entwickeln. Entscheidend dabei ist, vorab zu definieren, wie weit das Engagement gehen soll und an welchem Punkt man wie tief in das Start-up involviert werden will.

Die Gründe für Kooperationen sind vielfältig. Genauso zahlreich sind aber auch die Stolpersteine, die Kooperationen ausbremsen oder Investitionen zum Scheitern bringen können: falsche Erwartungshaltungen, mangelnde Strategie, Kulturclash, technische Hürden. Wir haben als Unternehmen in der Zusammenarbeit mit Start-ups selbst wichtige Lektionen gelernt. Was es zu bedenken gibt und wie die Kooperation etablierter Unternehmen mit Start-ups zum Erfolg wird, erzählen wir in den folgenden Ausgaben dieser Artikelserie.

Zum Autor:

Henning Zander ist in der Aareal Bank Gruppe verantwortlich für das konzernweite Start-up-Programm mit den vier Säulen Accelerator-Programme, Kooperationen, Investments und Ventures. Er ist außerdem Vorsitzender des Investorenbeirats und Mitglied im Investment Committee des ersten paneuropäischen Venture Capital Fonds Proptech 1 Ventures und verantwortet als Champion die Mitgliedschaft der Aareal Bank im „Plug and Play Fintech Europe“-Programm. Henning Zander ist als Mentor für Start-ups aus den Branchen Fintech, Proptech und Insuretech aktiv, vertritt die Aareal Bank im Beirat des Built World Innovation Network und ist Jurymitglied des Proptech-Wettbewerbs auf der internationalen Fachmesse Expo Real. Darüber hinaus ist er als Lecturer und Speaker tätig.