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Was bedeutet der Fehlstart intelligenter Messsysteme für die Wohnungswirtschaft?

#Aarealthoughts - der Expertenblog der Aareal Bank
Maren Prüwer - Business & Solution Development
22.03.2021

Marktverfügbarkeitserklärung, mit der das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik den Startschuss für den verpflichtenden Einbau intelligenter Messsysteme gegeben hatte, ist „voraussichtlich rechtswidrig“ und deshalb vorerst ausgesetzt.

Die Marktverfügbarkeitserklärung, mit der das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Anfang 2020 den Startschuss für den verpflichtenden Einbau intelligenter Messsysteme gegeben hatte, ist „voraussichtlich rechtswidrig“ und deshalb vorerst ausgesetzt. Für Messstellenbetreiber – also insbesondere Stadtwerke – heißt das, sie sind nicht mehr verpflichtet, auf intelligente Messsysteme umzurüsten bzw. nur solche neu einzubauen. Für die Wohnungswirtschaft bedeutet das nicht zwingend einen unumstößlichen Rückschlag in Sachen Prozessoptimierung.

Smart-Meter-Gateways, also intelligenten Stromzähler, sind zunächst mal eine gute Sache: Sie können individuellen Stromverbrauch analysieren, somit beim Stromsparen helfen und positiv zum Klimaschutz beitragen. Perspektivisch eröffnen sie die Möglichkeiten variabler Stromtarife, da sie den Stromverbrauch in Echtzeit messen. Auch das bietet Potenzial für weitere CO2-Einsparungen, da bei entsprechender Anpassung des Verbrauchs durch Tarifpolitik Spitzenlasten bei der Stromversorgung reduziert werden könnten. Auch für die Unternehmen der Wohnungswirtschaft versprach die Umstellung auf intelligente Stromzähler Entlastung bei der jährlichen Erfassung der Verbräuche, bekanntermaßen ein aufwendiger und fehleranfälliger Prozess.

Nachdem Kunden mit einem Verbrauch über 10.000 kWh pro Jahr schon ab 2017 auf Smart-Meter-Gateways umgerüstet werden sollten, sind seit 2020 Kunden mit einem Verbrauch zwischen 6.000 und 10.000 kWh pro Jahr an der Reihe. Für Haushalte mit einem Verbrauch von unter 6.000 kWh ist ein intelligenter Stromzähler optional – es muss jedoch ein moderner Zähler verbaut sein. Bis 2032 muss jeder Zähler modern oder intelligent sein. So zumindest der Stand vor dem 4. März 2021 auf Basis der Allgemeinverfügung des Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vom 31. Januar 2020.

Nunmehr hat das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen (OVG) im einstweiligen Rechtsschutzverfahren auf die Beschwerde eines privaten Unternehmens die Vollziehung der Allgemeinverfügung ausgesetzt. Das hat zur Folge, dass vorläufig weiterhin andere Messsysteme eingebaut werden dürfen. Die Begründung: „Die am Markt verfügbaren intelligenten Messsysteme genügten nicht den gesetzlichen Anforderungen. Sie seien hinsichtlich der Erfüllung der im Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) und in Technischen Richtlinien normierten Interoperabilitätsanforderungen nicht, wie gesetzlich vorgeschrieben, zertifiziert. Diese Messsysteme könnten auch nicht zertifiziert werden, weil sie die Interoperabilitätsanforderungen nicht erfüllten“, so die Pressemitteilung des OVG.

Auf Prozessoptimierung muss nicht verzichtet werden

Der Widerstand gegen die Umstellungsverpflichtung hatte diverse Hintergründe, je nach Blickrichtung. Für die Stromkunden stehen aktuell große Fragezeichen hinter den Themen Datensicherheit und Wirtschaftlichkeit. Die Geräte sind sehr teuer und drohen aufgrund noch fehlender Infrastruktur mit ungenutztem Potenzial im Keller zu hängen.

Auch der Fortschritt in Sachen Prozessoptimierung hätte sich zunächst in Grenzen gehalten: Da es bislang nur smarte Strom-, aber kaum intelligente Wärme- und Wasserzähler gibt, muss auch nach dem Einbau von Smart-Meter-Gateways noch immer ein Hausmeister in den Keller, um bspw. den Wasserverbrauch zu erfassen. Damit wird dieser Weg relativ gesehen sogar teurer. Im schlimmsten Fall müsste der Hauseigentümer für den Einbau, ggf. auch für eine neue Zählerbox und den Wandumbau mehr zahlen, ohne substanzielle Mehrwerte heben zu können. Und selbst ohne die nun ausgesetzte Umstellung wären nur wenige Zähler betroffen. Da nur etwa 10 % Allgemeinstromzähler in privaten Haushalten die Grenze von 6.000 kWh erreichen, hätte die Allgemeinverfügung den sehr teuren Smart-Meter-Gateways wohl kaum zum kurzfristigen flächendeckenden Durchbruch verholfen.

Die Wohnungswirtschaft kann sich also darauf einstellen, dass sich die Ankunft der Smart-Meter-Technologie weiter verzögern dürfte. Bis dahin sollten die Entwicklungsfortschritte immerhin zu günstigeren Preisen führen. Parallel können die Versorger die Zeit für den Aufbau der korrespondierenden Infrastruktur sowie die Ausweitung auf weitere Verbrauchsarten nutzen.

Möglichkeiten zur unmittelbaren und kostengünstigen Prozessoptimierung bei der Zählererfassung bieten sich aber auch schon jetzt, bspw. die Aareal Meter-Lösung mit einer App zum Erfassen der Verbrauchsdaten und ihrem cloudbasierten Dispositionsportal zur Datenverarbeitung. In Zusammenarbeit mit dem Start-up pixolus hat die Aareal Bank Gruppe hier einen digitalen Marktstandard entwickelt, der schon heute der Akteure der Wohnungs- und Energiewirtschaft vernetzt und damit Effizienz und Service für Energiedienstleister, Verwalter, Vermieter und Mieter deutlich optimiert.