• (c) Konii, Nominierung Martin Rodeck,  Executive Managing Director, EDGE Technologies GmbH

Welchen Beitrag leisten Immobilien auf dem Weg zur Smart City?

Koniis Blick auf die digitale Entwicklung
Heiko Danz - Geschäftsführer / Gründer
22.01.2019

Runde 3 der Zukunftsformel Immobilienwirtschaft - Interview mit Martin Rodeck, Executive Managing Director, EDGE Technologies GmbH und Videonominierung zur vierten Runde.

Heiko Danz, Konii: Welchen Beitrag leisten Immobilien auf dem Weg zur Smart City?



Martin Rodeck, EDGE Technologies

Herkömmliche Immobilien leisten kaum Beiträge, da sie nicht wirklich mit der Stadt „vernetzt“ sind. Intelligente Immobilien dagegen sind zusammen mit der sie umgebenden (intelligenten) Infrastruktur die Keimzellen jedes Smart City-Konzepts. Der Ausbau der Kommunikationsinfrastruktur in modernen Gebäuden treibt zugleich die externe Vernetzung voran. Denn je weiter diese reicht, desto weitreichender wird auch ihr Nutzen. Die intelligente Tiefgarage steht sozusagen am Anfang einer smarten Verkehrslenkung, mit der sie jederzeit synchronisiert werden kann. So wie ein einzelnes intelligentes Gebäude - etwa im Sinne der Energieeffizienz - vom Verhalten seiner Nutzer lernt, so können Immobilien auch voneinander lernen und der öffentliche Raum von ihnen. Die Basis dafür wird gerade mit dem rasanten Ausbau der Mobilfunknetze für das Internet of Things (IoT) gelegt. Damit wird es möglich, alle Dinge in der physischen Welt eigenständig miteinander kommunizieren zu lassen: Straßenlaternen, Ampeln, Parkplätze und so weiter. Und das wiederum ist nicht nur die Grundlage für einen staufreien Verkehrsfluss sowie autonom fahrende Fahrzeuge. Es ermöglicht auch den Aufbau eines umfassenden Smart City Grids, also eines intelligenten Energienetzwerkes zur Reduzierung der CO2-Emission.

Heiko Danz, Konii: Wie sehen smarte Lösungen auf dem Land aus?



Martin Rodeck, EDGE Technologies

Der Begriff der Smart City ist nicht an Metropolen gebunden, wenngleich diese klassischerweise als Innovationsmotor fungieren. Auch die Ansprüche der Menschen außerhalb der Städte wachsen, wenn es beispielsweise um ökologisch nachhaltiges und gesundes Leben und Arbeiten, um geringeren Energieverbrauch, wiederverwertbare Materialien im Sinne der Kreislaufwirtschaft oder Automatisierung automatisierbarer Alltäglichkeiten geht. Parallel zur Smart City kommt das Smart Village. Schon heute sehen wir, dass die digitale Vernetzung mittels Online-Shopping oder Online-Beratung vielerorts infrastrukturelle Versorgungslücken füllt. Zudem gibt es Konzepte, die das Potential haben, neue Lösungen für typische Probleme im ländlichen Raum zu bieten - Car-Sharing-Modelle etwa, die in Verbindung mit Autonomem Fahren perspektivisch die Mobilität von Senioren verbessern können.

Heiko Danz, Konii: Welcher Unterschied besteht zwischen einem automatisierten und einem intelligenten Gebäude? Und, führt alte Technik zu schwindender Intelligenz?



Martin Rodeck, EDGE Technologies

Ein automatisiertes Gebäude funktioniert auf der Grundlage fest programmierter Parameter. Ein intelligentes Gebäude befindet sich in einem kontinuierlichen Lernprozess, aufgrund dessen es sich veränderten Bedingungen selbstständig anpassen kann. Ein typisches Beispiel für eine reine Automatisierung ist die Zeitschaltuhr, die an jedem Abend zu einer bestimmten Uhrzeit das Licht löscht. Wird der Raum zu diesem Zeitpunkt noch genutzt, muss die Zeitschaltuhr von Hand ausgestellt werden. Intelligente Technologie aber erkennt selbstständig, ob sich noch Menschen in diesem Raum befinden oder nicht. Darüber hinaus bietet die herkömmliche Automatisierung in der Regel kaum Möglichkeiten für individuelle Konfiguration. Zu schwindender Intelligenz führt alte Technik selbstverständlich nicht, aber sie verhindert neue Erkenntnisprozesse und damit zukunftsfähige Lösungen für moderne Arbeitsmodelle, veränderte Lebensweisen und wachsende Ansprüche an Gesundheit und Ökologie.

Heiko Danz, Konii: Welchen Einfluss nehmen Geschäftsmodelle wie Co-Working auf das Projektentwicklungsgeschäft (Büroimmobilien)?

Martin Rodeck, EDGE Technologies

Das Prinzip Co-Working ist gleichermaßen das Ergebnis einer Umstrukturierung des Arbeitsmarktes und eines wachsenden Bedürfnisses nach flexibleren individuellen Arbeitsbedingungen, wie sie erst durch die Digitalisierung möglich werden. Insofern haben die Effekte dieses ursprünglich für Freelancer und Start-ups entwickelten Konzepts längst auch die großen Unternehmen erreicht. Flächenbedarfe verändern sich, flexiblere Nutzungs- und auch Raumkonzepte werden benötigt. Dem muss eine moderne Projektentwicklung Rechnung tragen. Das wirkt sich sowohl architektonisch aus als auch auf der Vermietungs- und Finanzierungsebene. Aber dieselben digitalen Technologien, die diesen Prozess in Gang gesetzt haben bieten auch die nötigen Lösungen für Projektentwickler - beispielsweise über die präzisere Planung und den Betrieb über den gesamten Lebenszyklus der Immobilie im Building Information Modeling (BIM) oder neue Vermietungstools.

Heiko Danz, Konii: Wie lautet Ihre Zukunftsformel für die Immobilienwirtschaft?

Martin Rodeck, EDGE Technologies

Die Immobilienwirtschaft muss ihre eigene digitale Transformation vollziehen, um zukunftssichere Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln und anzubieten, die den sich wandelnden Ansprüchen der Nutzer gerecht werden. Damit einhergehend entwickelt sich ein ganz neues Verständnis von Gebäuden, von Stadt. Das jahrtausendealte Prinzip „vier Wände, ein Dach“ liegt längst ad acta, auch wenn es noch immer nicht alle realisiert haben. Wir befinden uns am Anfang einer digitalen Gründerzeit, in deren Zentrum die Synthese aus Immobilienwirtschaft und Technologiesektor steht. Die Transformation, die wir heute vollziehen, wird die (urbane) Gesellschaft und ihre Strukturen ebenso nachhaltig prägen wie es einst die Industrialisierung getan hat.

Wer ist für die 4. Runde nominiert?

Zur Videonominierung von Martin Rodeck, Executive Managing Director, EDGE Technologies GmbH. Hier auf YouTube.