Wie smart sind unsere Krankenhäuser?

ReaLLoaded: Der Expertenblog von Drees & Sommer!
Georg Bonn - Senior Manager im Bereich Healthcare
17.09.2020

Im deutschen Gesundheitswesen gibt es Nachholbedarf – in keiner anderen Branche hat die Corona-Krise derartig viel ungenütztes Potenzial ans Licht gebracht. Das soll sich nun ändern: Die Politik reagiert mit einer Finanzspritze von vier Milliarden Euro bis zum Jahr 2026, 800 Millionen davon sollen in Digitalisierungsmaßnahmen fließen. Statt Aktenchaos ein papierloses Krankenhaus, statt IT-Unsicherheit ganzheitliche eHealth-Lösungen – auf dem Weg zum Smart Hospital spielen digitale Innovationen die Hauptrollen und logistische Organisation ist nun mehr als ein „Nice-to-have“.

Vom Umgang mit Patientenakten über virtuelle Sprechstunden bis hin zur digitalen Luftsteuerung direkt im OP-Saal: Mit zunehmender Digitalisierung verbessern sich die Workflows im Klinikalltag. Während der Corona-Krise ist der Einsatz innovativer Healthcare-Technologien gefragter als je zuvor. Davon profitieren sollen vorrangig Ärzte, Pflegepersonal und Patienten, jedoch auch das gesamte Gesundheitssystem. Kürzere bis keine Wege zurücklegen zu müssen minimiert das Infektionsrisiko für das Personal, die Ablaufoptimierung innerhalb der einzelnen Krankenhäuser sowie der gesamten Infrastruktur im Gesundheitswesen ist daher Priorität. Digitale Veränderungen in Kliniken kommen letztendlich auch beim Nutzer an. Patienten profitieren von Innovationen wie E-Präventionsprogrammen und Online-Terminabsprachen. Dazu kommt, dass die digitale Klinikrevolution sogar Kosten im gesamten Gesundheitssystem senken kann. Weshalb tun sich Klinikbetreiber, trotz Kenntnis über die diversen Vorteile, mit technischen Investitionen trotzdem schwer? Neben ungenügender Kompatibilität der IT, Unsicherheiten im Thema Datenschutz und mangelnder Standardisierung von Workflows ist die größte Hemmnis: fehlende Investitionsmittel.

Je präziser die Strategie, desto effektiver der Alltag

Ein wichtiger Wegbereiter der Digitalisierung in Kliniken ist die Logistik. Nicht nur im technologischen Bereich müssen sich Kliniken neu aufstellen, auch in logistischer Perspektive ist Luft nach oben. Das Stichwort hier: Betriebsorganisationsplanung. Bereits in der Bauplanung ist es zwingend notwendig, sich mit dem technischen und baulichen Ist- und Soll-Zustand auseinanderzusetzen, um Prozesse zu optimieren. Die BO-Planung funktioniert nach dem Prinzip: Je präziser die Strategie, desto effektiver der Alltag. Wie anpassungsfähig ist die vorhandene Baustruktur? Können spontan Hybridflächen geschaffen werden, um diese für Patientenbetreuung umzunutzen? Fragen, die sich Kliniken während der Corona-Krise gestellt haben, berücksichtigt die BO-Planung von Beginn an. Das Ziel: Ein übergreifendes Logistikkonzept soll einen positiven Einfluss auf die Behandlungsqualität nehmen, Klinikpersonal in Reaktionsfähigkeit unterstützen und eine Grundlage für die Implementierung digitaler Tools bilden. Auf Station zeichnet sich eine gelungene BO-Planung beispielsweise durch individuell angepasste Versorgungsprozesse, effiziente OP-Logistik und bedarfsorientierte Transportplanung aus.

Intelligenz gibt es nicht umsonst

Im Vergleich zum Anfang des Jahres kann man dem Gesundheitswesen heute deutliche Verbesserungen anerkennen. Gesundheitsämter sind in der Kontaktnachverfolgung leistungsfähiger, Krankenhäuser können Corona-Verdachtsfälle direkt räumlich von anderen Patienten trennen und elektronische Karteien geben Überblick, wie viele Betten auf Station noch frei sind. Trotz dieses Fortschritts bleibt viel zu tun. Die meisten deutschen Kliniken stecken auf dem Weg zum Smart Hospital momentan noch in den Kinderschuhen. Einerseits zwingen Kostendruck und Pandemie sie zu Investitionen in die Digitalisierung, andererseits: Intelligenz gibt es nicht umsonst. Jedoch geht es beim intelligenten Krankenhaus nicht darum, die Kaffeemaschine mit dem Smartphone zu bedienen oder in die innovativsten Softwares zu investieren. Ziel ist, dass die Immobilie den Klinikbetrieb reibungslos sicherstellen kann und Krankenhäuser selbst zum Teil der Abwehrkette werden. Dr. Georg Bonn studierte Verwaltungswissenschaften und internationale Beziehungen an der Universität Konstanz und der University of North Texas. Nach einer Anstellung bei einem amerikanischen Beratungsunternehmen mit Schwerpunkt Produktivität promovierte er zum Themenfeld „Kreativität und Personalmanagement“ am Lehrstuhl für Management an der Universität Konstanz. Nach einer zweijährigen Tätigkeit am Universitätsspital Basel/Schweiz wechselte er 2005 zur Hospitaltechnik Planungsgesellschaft nach Krefeld. Dort war als Partner und Gesellschafter verantwortlich für den Bereich Unternehmensberatung / Betriebsorganisation. Seid Januar 2019 ist Georg Bonn als Senior Manager und Director Heatlhcare Division Teil des Healthcare-Teams von Drees & Sommer und betreut schwerpunktmäßig den Themenkomplex „digitale Prozesse für Kliniken“.