Wieso es höchste Zeit ist, dass die B2B-Welt auf Plattformen setzt

#Aarealthoughts - der Expertenblog der Aareal Bank
Kai Wirthwein - Business & Solution Development
13.09.2020

Die unglaubliche Marktmacht der Plattformökonomie bringt der folgende Wert gut auf den Punkt: 4,5 Billionen Euro – so hoch ist die Marktkapitalisierung alleine der fünf größten Plattformunternehmen weltweit. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2019 lag dagegen „nur“ bei 3,44 Billionen Euro. Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft gehören heute zu den weltweit wertvollsten Unternehmen. Die Plattformökonomie – mit ihren vielen, auf digitalen Netzwerken basierenden Geschäftsmodellen – hat einen beispiellosen, ökonomischen Siegeszug hingelegt und damit unserem Alltag ihren Stempel aufgedrückt. Und das innerhalb kürzester Zeit: Heute kaum noch vorstellbar, sind viele von uns noch in einer Welt ganz ohne digitale Plattformen aufgewachsen. Und nicht nur das: Der Ausbau des Internets zu einem globalen Medium begann gerade mal vor rund 30 Jahren.

Endlich: Plattformtrend schwappt ins B2B

Während Plattformen in der B2C-Welt längst gang und gäbe sind, schwappt der Trend zur Plattform nun endlich auch ins B2B-Business herüber. In einem Chartbericht von Februar 2020 berichtet der Digitalverband Bitkom, dass 45 Prozent der deutschen Unternehmen digitale Plattformen als Chancen begreifen, nur 30 Prozent hingegen ein Risiko darin sehen. Besonders relevant sind digitale Plattformen für die befragten Firmen demnach, um dort Produkte oder Dienstleistungen anzubieten (45 Prozent) oder einzukaufen (44 Prozent). Deutlich mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen hat zudem eine eigene Plattformstrategie.

Die fünf wichtigsten Vorteile von Plattformen aus der Sicht deutscher Unternehmen sind demnach:

1. Breiteres Angebot (74 Prozent)

2. Gewinnung neuer Kunden (72 Prozent)

3. Sicherung der Zukunftsfähigkeit (68 Prozent)

4. Steigerung der Bekanntheit (63 Prozent)

5. Förderung von Innovationen (62 Prozent)

Immobilienbranche erkennt Trendpotenzial

Auch in der Immobilienwirtschaft kommt der Trend zur Plattform inzwischen an: In der vierten Digitalisierungsstudie (2019) von ZIA und EY attestierten Vertreter der Immobilienwirtschaft digitalen Themen wie Plattformen und digitalen Ökosystem im Jahr 2019 ein merklich höheres Trendpotenzial als noch ein Jahr zuvor. Die Autoren der Studie folgern daraus, dass das Technologieverständnis in der Wohnungs- und Immobilienbranche weiter gestiegen ist. Gut so, schließlich bieten Plattformtechnologien der Immobilienbranche Lösungen für dringende Herausforderungen – etwa im Bereich Zahlungsverkehr, wie folgendes Beispiel aus der Wohnungswirtschaft zeigt.

Schwieriger Spagat im Zahlungsverkehr

In Sachen Zahlungsverkehr nämlich steht die Wohnungswirtschaft derzeit vor einem schwierigen Spagat: Auf der einen Seite wollen Wohnungsunternehmen eine möglichst hohe Lastschriftquote erzielen. Auf der anderen aber gibt es immer auch Mieter, die nicht per Lastschrift zahlen wollen oder können. Menschen etwa, die ihre Miete in bar begleichen, weil sie zum Beispiel kein Konto haben oder ihr Gehalt in bar erhalten. Deshalb betreiben viele Wohnungsunternehmen eine Barkasse, was sie große Aufwände kostet und zudem ein Sicherheitsrisiko für die Mitarbeiter darstellt. Hinzu kommen Mieter, die gern mit innovativen Bezahldiensten (z.B. PayPal, Sofortüberweisung, giropay, Google Pay, Apple Pay etc.) bezahlen wollen. Wohnungsunternehmen erkennen deren Wunsch durchaus, haben im Alleingang aber nur wenig Chancen, ihm gerecht zu werden: Sie müssten dafür mit jedem Zahlungsdienst in Verhandlungen treten und – noch schwieriger – individuelle Schnittstellen für ihre Systeme entwickeln. Das ist für ein normales Wohnungsunternehmen kaum zu stemmen. Nun müssen Lösungen her, mit deren Hilfe die Wohnungswirtschaft diesen Anforderungen gerecht werden kann.

Eine Plattform, die verbindet

Mit der Aareal Exchange & Payment Platform hat die Aareal Bank Gruppe eine Lösung entwickelt, die die Zahlungsabläufe von Wohnungsunternehmen, Zahlungsdiensten und Mietern in einem stringenten Prozess zusammenbringt. Vermieter können Mietern damit verschiedene Zahlungsdienste anbieten – und die Zahlungen ressourceneffizient über die Plattform abwickeln lassen.

Als erster Dienst ist „Barzahlen“ integriert: Mit diesem Bezahlservice können Mieter ihre Miete bar zum Beispiel an der Supermarktkasse bezahlen. Mithilfe der Plattform geht der so eingezahlte Betrag beim Wohnungsunternehmen ein – genauso wie klar zuzuordnende Zahlungsinformationen, die sich automatisch weiterverarbeiten lassen. Die Exchange & Payment Platform ermöglicht es Wohnungsunternehmen gleichermaßen, die verschiedenen Kundenwünsche zu befriedigen, wie auch mehr Prozesseffizienz in ihren Zahlungsverkehr zu bringen.

Keine Trendumkehr in Sicht

Das Beispiel zeigt deutlich: Plattformlösungen werden die Zukunft des Zahlungsverkehrs in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft maßgeblich mitprägen. Dass sich der Trend zur Plattform mittelfristig abschwächt, ist nicht zu erwarten – im Gegenteil: In den nächsten zehn Jahren, so sehen es die Befragten des Bitkom-Chartberichts, werden digitale Plattformen nicht nur wichtig für die weltweite (90 Prozent) und die deutsche Wirtschaft (89 Prozent) sein – sondern auch für die eigene Branche (83 Prozent) und das eigene Unternehmen (75 Prozent). Ganz unabhängig von der Branche gilt also: An der Auseinandersetzung mit Plattformlösungen im B2B führt kein Weg mehr vorbei.