Würde ich nach dem Studium in München anfangen zu arbeiten?

Der Blog der Young Leader @ULI Germany
Stefan Trapp | Chair ULI YL München
12.04.2019

Mit Abschluss an der IREBS war es mein Wunsch nach München zu ziehen und dort das Arbeiten anzufangen. Mit dieser Idee war ich natürlich nicht der Einzige. Den Plan hatten ¾ meiner Kommilitonen und so verlagerte sich dann alles aus Regensburg nach München. Dass es in München schwierig wird eine Wohnung zu finden war klar, aber was man dann erlebt lässt sich gar nicht alles schreiben. So nimmt man alle möglichen Kompromisse in Kauf und am Ende bleibt vom Gehalt eigentlich auch nichts mehr übrig. Diese ganzen Erkenntnisse sind nicht neu, doch was mich umtreibt ist, dass jedes Gespräch egal mit wem, ob privat oder beruflich, ob aus München oder von außerhalb, mit jedem redet man über dieses Thema. Da diskutiert man dann z.B. Fragen wie: „Wie kann es sein, dass man sich in den meisten anderen deutschen Städten eine schöne Wohnung mit Balkon leisten und trotzdem jeden Monat locker noch was auf die Seite legen kann?“ Wie wichtig ist es mir überhaupt, in München zu wohnen? Rechtfertigt eine Wohnung in Isarnähe, dass ich später weniger Rente bekomme? Wir mieten uns in München doch in die Altersarmut, oder? Ist es das wert? Das schöne und doch auch sehr komfortable Stadtleben um den Englischen Garten herum? Aber nutze ich das denn überhaupt? Wie oft stehe ich denn wirklich am Viktualienmarkt oder setze ich mich an die überfüllte Isar? Ein Bekannter hat dann mal sehr gut zusammengefasst, dass für mittelständische Münchner München eine Stadt ist, in der du schon leben kannst, aber du kommst halt währenddessen nicht zum Sparen. Wenn die aktuellen Entwicklungen sich weiter fortsetzen, werde ich mir die Stadt aber auch nicht mehr leisten können. Das geht nämlich schon einem sehr großen Teil der Bewohner von München so. Dieser Teil kann sich nicht leisten, etwas von der Stadt zu genießen bzw. muss er immer stärker abwägen, ob sich ein Besuch im Biergarten oder ein Cafe an der Isar überhaupt zu leisten ist und ob ihnen das alles überhaupt noch etwas wert ist. Dabei sind sie diejenigen, die die Stadt lebenswert machen, wie z.B. die Obststandel-Verkäufer in der Kaufingerstr. oder der Breznverkäufer am U-Bahnhof Odeonsplatz. Insbesondere ältere Menschen sind von dieser Entwicklung betroffen. Natürlich ist da auch die Rede von denen, die uns zur Arbeit bringen, die dafür sorgen, dass die Straßen sauber sind, uns die Post bringen oder uns beim Arzt empfangen und versorgen. Unterstellt man mal die im Lehel aufgerufenen Mieten mit über 35 €/m², lebt hier dann garantiert kein Müllmann, Postbote oder Verkäufer mehr. Trotzdem bleibt erstaunlich, dass die Stadt weiterwächst und die Prognosen bis 2035 rund 1,85 Millionen Menschen in München und Umland vorhersagen. Das sind 19 Prozent mehr als noch 2015.

Diese angedeutete Verdrängung ist in München bereits heute schon ziemlich sichtbar. In keiner deutschen Stadt gibt es mehr Pendler als hier. Damit verschärft sich die Konkurrenz um die vorhandenen Flächen, die Stadtplaner werden mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Dabei gilt ganz klar, eine Stadt ist nur so gut wie ihre Infrastruktur und wird vor allem durch seine öffentlichen Räume lebenswert. In dicht besiedelten Städten wie München ist Platz ein knappes Gut. Das gilt sowohl für Grünflächen, Wohn- und Gewerbeflächen und besonders für Verkehrsflächen. Die HTW Zürich hat ermittelt, dass pro m² Wohnfläche rund drei m² Verkehrsfläche benötigt werden. Das steht dann natürlich in direkter Konkurrenz zu den viel schöner anzusehenden Grünanlagen oder Plätzen mit Aufenthaltsqualität.

Wie kann man also diesen gesamten Interessenkonflikt zusammenbringen? Dazu braucht es eine Strategie und ein Konzept zur Stadtentwicklung, die den Rahmen für die künftige räumliche und strukturelle Gesamtentwicklung einer Stadt vorgeben. Neben der beschriebenen Flächenproblematik müssen hier noch viel mehr Themen adressiert werden, wie beispielsweise das Thema Bildung und Betreuung, die digitale Transformation oder auch die Anpassung an den Klimawandel. Die Stadt München hat dazu mehrere Konzepte aufgestellt und versucht die Komplexität der zukünftigen Entwicklung der Stadt aktiv zu steuern.

Mit dem ULI und gerade aus der Brille der Young Leaders wollen wir diese Veränderung gerne mitgestalten und engagieren uns dafür. Uns ist wichtig das die Stadt bunt bleibt und wir auch in Zukunft gemeinsam in einem urbanen Raum leben und genießen können.

Übrigens, ich würde nach dem Studium wieder in München anfangen, wobei ich dann von einer 1 ½ Zimmer auf eine 1 Zimmer Wohnung umsatteln müsste.