Zukunftsformel Immobilienwirtschaft: Wer wird fünfter Interviewpartner?

Koniis Blick auf die digitale Entwicklung
Andreas Söntgerath - CvD Online
25.04.2019

Welche Antworten hat Dr.-Ing. Claudia Nagel, CEO High Rise Ventures GmbH und Gründerin der KIWI.KI GmbH auf unsere Fragen? Und wen nominiert Sie in Ihrer Videobotschaft als fünfte Interviewpartnerin? Hier:



Konii: Weshalb glaubst Du, wurdest Du von Martin Rodeck nominiert? Weshalb denkst Du, dass Dir in der Branche ein besonders innovativer, fortschrittlicher und zukunftszugewandter Ruf vorauseilt? Wie ist es dazu gekommen?

Dr. Claudia Nagel: Martin Rodeck und ich arbeiten inhaltlich an der gleichen Vision. Edge Technologies ist ein Vorreiter bei der Frage, wie das smarte Gebäude der Zukunft aussieht und zwar in mehreren Dimensionen, sowohl für die Nutzer als auch für die Umwelt. Dabei geht es überwiegend um Neubauten. Ich arbeite inhaltlich an der Frage, wie wir die bestehenden Gebäude mit niedrigschwelligen Tech-Lösungen smarter machen können, denn zumindest in Europa haben wir einen großen Bestand, den wir erhalten wollen.
So ergänzen wir uns und leisten jeder unseren Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Branche. Wir wollen dabei unsere Städte mit Hilfe smarterer Gebäude nachhaltiger, effizienter und nutzerzentrierter gestalten.

Konii: Wie hast Du KIWI so erfolgreich gemacht?

Dr. Claudia Nagel: Auch KIWI ist eine Tech-Lösung, die im Bestand eingesetzt werden kann. KIWI ist eine digitale IoT-Lösung für smartes Zutrittsmanagement. Digitales Zutrittsrechtemanagement löst die herkömmliche Schlüsselverwaltung ab. Der Eigentümer spart Kosten und Aufwand und alle Nutzergruppen, ob Bewohner, Dienstleister oder Verwaltern wird ein einfacher Zutritt ermöglicht.
Wichtig für den Erfolg waren in jedem Fall die Überzeugungsarbeit und ein gutes Maß an Ausdauer. Um neue digitale Lösungen in der Branche zu verankern ist es wichtig, den Kundenutzen und den Effizienzgewinn klar aufzuzeigen. Und dann braucht es Zeit für die digitale Transformation im Unternehmen des Kunden. Das wichtigste intern für KIWI ist ein starkes Team und eine klare Vision.
Man kann das Thema Team dabei nicht genug betonen, denn schließlich baut man ein solches Hardwareunternehmen nicht im Alleingang. Das ist das Ergebnis von langjährigem Commitment aller Beteiligten.

Konii: Wie macht ihr mit High Rise Ventures den Proof of Concept für ein Engagement (auch monetäres Engagement) in ein StartUp?

Dr. Claudia Nagel: Da können wir gleich beim Thema bleiben, denn auch hier steht das Team für uns im Mittelpunkt. Wichtig ist uns insbesondere auch, dass die Gründer das Verständnis teilen, dass es in erster Linie um die richtigen Menschen geht. Dann spielen natürlich die Technologie und die Vision eine große Rolle. Wir haben gerade in Deutschland aufgrund der sehr guten Ausbildung an den Technischen Universitäten viele smarte, zukunftsorientierte Tech-Lösungen. Allerdings ist eine Tech-Lösung allein noch kein fertiges Produkt.
Hier helfen wir den Startups dabei, den Kunden aus der Immobilienbranche zu verstehen, das Produkt zu definieren und den Product-Market-Fit zu beweisen. Neben der finanziellen Unterstützung investieren wir vor allem auch Zeit in die Teams und geben unser Knowhow weiter. Es macht Spaß, die Branche so gemeinsam voranzubringen.

Konii: Weshalb lohnt es sich als Immobilienunternehmen oder VC in PropTechs zu investieren?

Dr. Claudia Nagel: Das Potenzial für digitale Geschäftsmodelle in der Immobilienbranche ist nach wie vor riesig. Wir sind erst am Anfang einer großen digitalen Transformation. Auf der Investorenseite gibt es bisher noch einen gewissen Herdentrieb.
Viele schauen auf die großen etablierten Vorreiter und kopieren, was diese machen bzw. laufen in der gleichen Richtung mit. Die Startup Landschaft ist vielfältig und hier wünsche ich mir von den Marktteilnehmern mehr Offenheit und Experimentierfreude. Wir sollten gemeinsam ein möglichst vielseitiges Ökosystem bauen.

Konii: Wie lautet Deine Zukunftsformel für die Immobilienwirtschaft?

Dr. Claudia Nagel: Agilität leben. Die Branche denkt immer noch sehr stark in Assetklassen und Investitionszeiträumen von mehreren Jahrzehnten. Der Nutzer ist da schon ganz woanders. Wir brauchen viel mehr flexible Nutzungskonzepte. Um es mal ganz provokant zu formulieren, das Gebäude der Zukunft wird heute beispielsweise für ein Fitnessstudio errichtet, ist in 3 Jahren ein Büro für eine Kreativagentur und in 5 Jahren ein Co-Working und Co-Living Space.
Wenn wir es schaffen, das alles auf einmal zu denken, werden unsere Gebäude smarter werden. Die Alternative ist die in Asien verbreitet Herangehensweise, Gebäude einfach immer wieder abzureißen und neu zu bauen - für Europa kein geeignetes Modell.