Zwei Lager der Digitalisierer

360° Immobilienmanagement: Hier bloggt Union Investment
Sven Glowik - Business Development
03.09.2019

Union Investment befragt zweimal jährlich rund 150 Immobilien-Investoren in Deutschland, Frankreich und Großbritannien nach dem aktuellen Investitionsklima und aktuellen Trends im Immobiliengeschäft. In der jüngsten Umfrage wollten wir unter anderem wissen, wie es derzeit um die Digitalisierungsstrategien der institutionellen Investoren in Europa bestellt ist.

Dabei zeigte sich, dass sich die Szene zurzeit offenbar in zwei Lager einteilen lässt. Die eine etwas größere Gruppe von 63 Prozent der Befragten hat bereits nennenswerte Erfolge erzielt. Die etwas kleinere, aber immer noch recht gewichtige Gruppe von 36 Prozent hingegen hat mit der Digitalisierung noch gar nicht richtig begonnen. Das verwundert, gemessen daran, wie lange das Thema bereits diskutiert wird und welchen rasanten Fortschritt andere Branchen in den letzten Jahren erfahren haben.

Neue Geschäftsfelder bei den Befragten nicht im Fokus

Auch der Blick auf die wichtigsten Handlungsfelder, nach denen wir gefragt haben, kann in manchen Teilen überraschen. So sagten nur 31 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass sie durch Digitalisierung neue Geschäftsfelder erschließen wollen. Das mag gerade PropTechs dazu ermuntern, ihre eigenen Geschäftsmodell mutig weiterzuentwickeln, da aus dem Feld der etablierten Immobilienunternehmen offenbar vergleichsweise wenig Konkurrenz droht. Gute Hinweise liefert den PropTech-Unternehmen außerdem die Rangliste der Top-Handlungsfelder, die wir aus der Umfrage ableiten konnten.

Hohe Aufmerksamkeit auf Standardprozesse

Vor allem die ersten drei Punkte sind alle sehr nah beieinander und erhalten alle über 80 Prozent an Zustimmung. Die zentrale Botschaft der Umfrage an PropTechs ist aus meiner Sicht: Gerade im Bereich der Standardprozesse und Schnittstellen gibt es noch viel zu optimieren. Das mögen im Detail nicht immer die ausgefallensten Lösungen sein, aber der Bedarf auf der Anwenderseite nach guten, effizienten Standardprozessen ist offenbar sehr hoch.

Investitionen sollen sich kurzfristig auszahlen

Mit der Erwartung von schneller Hilfe bei Standardprozessen korrespondiert auch die Erwartung nach einem vergleichsweise kurzfristigem Investitionserfolg. Für den Großteil der Befragten sollen sich Investitionen in die Digitalisierung nach spätestens drei Jahren rentieren. Zur Aufmunterung aller PropTechs, die auf langfristige Kooperationen aus sind, sei aber gesagt, dass es einen harten Kern an digitalisierungsfreudigen Immobilien-Unternehmen gibt, die bei einzelnen Projekten auch einen längeren Atem haben. Etwa jeder Dritte der Umfrageteilnehmer erwartet einen Return on Invest erst nach fünf Jahren oder mehr.