ESG, Nachhaltigkeit

Deutschland ist auf die nächste Flut nicht ausreichend vorbereitet

Handlungsfähige Verwaltungen, digitale Bauwerksdaten und Ingenieurtechnischer Sachverstand sind entscheidend für resiliente Infrastrukturen

Berlin, 14.07.2026

Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal fordert die Bundesingenieurkammer, die Erfahrungen aus dem Wiederaufbau konsequent in die Planung, den Betrieb und den Schutz kritischer Infrastrukturen zu überführen. Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse dürfe Deutschland nicht erst im Krisenfall reagieren, sondern müsse seine technischen, organisatorischen und rechtlichen Strukturen vorausschauend stärken.

Die Flutkatastrophe habe deutlich gemacht, dass der Erfolg von Sofortmaßnahmen und Wiederaufbau wesentlich von der schnellen Verfügbarkeit ingenieurtechnischer Expertise abhängt. Gleichzeitig seien Defizite sichtbar geworden, die bis heute bestehen: unvollständige Bauwerksdokumentationen, fehlende digitale Informationsstrukturen, langwierige Entscheidungsprozesse und eine unzureichende Einbindung technischen Sachverstands in Verwaltung und Politik.

Die Bundesingenieurkammer fordert deshalb, die systematische Erfassung und Dokumentation von Bauwerken als Bestandteil der nationalen Resilienzstrategie zu verankern. Für Brücken, Straßen, Wasserbauwerke sowie weitere kritische Infrastrukturen müssen aktuelle und strukturierte Bestandsdaten jederzeit verfügbar sein. Nur wenn Informationen über Bauwerke, Leitungen und Gründungen im Ernstfall unmittelbar genutzt werden können, lassen sich Schäden schnell bewerten und notwendige Maßnahmen ohne Zeitverlust einleiten.

Ebenso notwendig ist aus Sicht der Bundesingenieurkammer ein professionelles Informationsmanagement über den gesamten Lebenszyklus von Bauwerken. Voraussetzung hierfür bleiben vollständige und qualitätsgesicherte 2D-Bestandsunterlagen. Digitale Planungs- und Bauwerksdaten nach der BIM-Methodik müssen flächendeckend aufgebaut und dauerhaft gepflegt werden.

Darüber hinaus fordert die Bundesingenieurkammer eine stärkere Verankerung ingenieurtechnischer Kompetenz in öffentlichen Verwaltungen und Krisenstäben. Naturkatastrophen und andere Schadenslagen erfordern schnelle technische Entscheidungen. Dafür müssen Ingenieurinnen und Ingenieure frühzeitig eingebunden werden und innerhalb klarer rechtlicher Rahmenbedingungen eigenverantwortlich handeln können. Bürokratische Abläufe dürfen notwendige Sofortmaßnahmen nicht verzögern.

Die Bundesingenieurkammer spricht sich außerdem für einen Ausbau des Einsatzingenieurwesens im Zivil- und Katastrophenschutz aus. Dazu gehören vorbereitete Einsatzstrukturen, standardisierte Verfahren, moderne technische Ausstattung sowie rechtssichere Entscheidungswege für Ingenieurinnen und Ingenieure im Krisenfall. Gleichzeitig sollten Kommunen ihre organisatorischen Strukturen stärken.

Aus den Erfahrungen des Ahrtals ergibt sich nach Auffassung der Bundesingenieurkammer ein klarer Handlungsauftrag: Kritische Infrastruktur muss nicht nur klimaresilient geplant und gebaut, sondern auch so dokumentiert werden, dass sie nach Extremereignissen schnell wieder funktionsfähig gemacht werden kann. Dafür braucht es verlässliche Daten, leistungsfähige Verwaltungsstrukturen und das konsequente Vertrauen in die fachliche Kompetenz der planenden Ingenieurinnen und Ingenieure.

Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe ist die Zeit der Analyse vorbei. Jetzt müssen die Lehren aus dem Ahrtal in dauerhaft belastbare Strukturen für Planung, Verwaltung und Katastrophenschutz überführt werden.

Die Bundesingenieurkammer hat hierzu Handlungsempfehlungen aus den Erfahrungen der Flutkatastrophe erarbeitet.

Weiterführende Informationen

https://www.bingk.de