Karriere | Studien

Arbeitsmarkt in der Immobilienbranche sortiert sich neu: Mehr Kandidaten für weniger Führungspositionen

Cobalt-Halbjahresbilanz: Hohe Nachfrage im Bereich Wohnen und alternative Wohnformen / Konzentration auf Bestand, Kompetenzen für KI-Ära und Gehaltstransparenz

Berlin, 29.06.2026

Der Arbeitsmarkt in der Immobilien- und Bauwirtschaft zeigt sich im ersten Halbjahr 2026 differenziert. Während Unternehmen weiterhin gezielt Fachkräfte für Bestandsoptimierung, technisches Management und Rechnungswesen suchen, bleibt die Nachfrage nach klassischen Projektentwicklern auf niedrigem Niveau. Gleichzeitig gewinnen kulturelle Passung, Future Skills und transparente Vergütungssysteme zunehmend an Bedeutung. Zu diesem Ergebnis kommt die Personalberatung Cobalt auf Basis aktueller Marktbeobachtungen und der laufenden Markt- und Karrieretrendumfrage 2026. „Wir erleben einen deutlich selektiveren Markt. Unternehmen besetzen Stellen sehr gezielt und investieren vor allem dort, wo unmittelbare Wertschöpfung oder operative Relevanz gegeben sind“, so Doreen von Bodecker, Cobalt-Geschäftsführerin.

Mehr Führungskräfte am Markt, weniger Führungspositionen

Im Segment der Führungskräfte zeigt sich ein ungewöhnliches Bild. Die Zahl erfahrener Kandidaten, die sich aktiv im Markt bewegen oder bereits in Bewerbungsprozessen befinden, ist deutlich gestiegen. Gleichzeitig schaffen Unternehmen derzeit nur wenige zusätzliche Führungsrollen. Zudem dauern Recruiting-Prozesse länger als noch vor wenigen Jahren. Drei bis vier Interviewrunden sind mittlerweile keine Seltenheit. Neben fachlichen Qualifikationen achten Unternehmen zunehmend auf Persönlichkeit, Werte und langfristige Passung.

Fokus verschiebt sich auf Bestand und alternative Wohnformen

Der Neubau bleibt in vielen Segmenten verhalten. Entsprechend konzentrieren sich Investitionen und Personalaufbau zunehmend auf die Optimierung und Weiterentwicklung bestehender Portfolios. Besonders gefragt sind technische Fachkräfte sowie TGA-Experten, Projektleiter und Projektmanager für Sanierungs-, Revitalisierungs- und Umnutzungsvorhaben bei Beständen, vorwiegend im Bereich Beherbergung und Wohnen. Institutionelle Investoren bauen ihre Teams insbesondere für Boarding Houses, studentisches Wohnen, Micro Living sowie Seniorenwohnkonzepte aus. Demgegenüber ist die Nachfrage nach klassischen Projektentwicklern weiterhin gering. Viele Unternehmen setzen darauf, vorhandene Kompetenzen im Unternehmen zu halten und Projektentwickler verstärkt in Asset-Management-Funktionen einzubinden.

Kommunale Wohnungswirtschaft und Property Management bleiben unter Druck

Kommunale Wohnungsunternehmen suchen weiterhin intensiv nach qualifizierten Mitarbeitern, insbesondere im Bestandsmanagement und für Neubauprojekte. Gleichzeitig stoßen viele öffentliche Arbeitgeber im Wettbewerb um Talente zunehmend an finanzielle Grenzen, da die Gehälter der freien Wirtschaft häufig nicht erreicht werden können. Auch im Property Management und Rechnungswesen bleibt die Situation angespannt. Buchhalterische Fachkräfte sowie WEG- und Mietverwalter gehören weiterhin zu den am stärksten nachgefragten Profilen.

Future Skills bleiben oft klassische Tugenden

Auch bei den Anforderungen an Kandidaten beobachtet Cobalt eine interessante Entwicklung. Viele Eigenschaften, die heute unter dem Begriff „Future Skills“ diskutiert werden, zählen seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren. „Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Verantwortungsbewusstsein waren früher wichtig und werden es auch in Zukunft bleiben. Ergänzt werden sie durch neue Kompetenzen wie Prozessverständnis, Lernfähigkeit, Kommunikationsstärke und den souveränen Umgang mit KI“, erklären Jan Schwill, Geschäftsführer der Cobalt-Tochter Concord Cobalt Recruitment GmbH, und Patrick Bierhals, Executive Director AI & Technology sowie Niederlassungsleiter Berlin bei Cobalt. Dabei verschiebe sich zunehmend die Frage, welche Fähigkeiten notwendig seien, um Arbeit selbst auszuführen. Vielmehr gehe es künftig darum, Arbeit zu steuern, die teilweise von KI-Systemen übernommen werde.

Gehaltstransparenz gewinnt an Bedeutung

Neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen rückt auch das Thema Vergütung stärker in den Fokus. Obwohl sich die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie in Deutschland voraussichtlich bis Anfang 2027 verzögert, steigen die Erwartungen von Bewerbern und Mitarbeitern bereits heute. „Es geht längst nicht mehr nur um die Höhe des Gehalts, sondern um die Frage, wie Vergütung zustande kommt und ob sie nachvollziehbar ist“, führt Nicole Schwan, Cobalt-Geschäftsführerin, aus. Unternehmen sollten die gewonnene Zeit nutzen, um Vergütungsstrukturen zu analysieren, Gehaltsbänder zu überprüfen und Führungskräfte auf transparente Gespräche vorzubereiten. Denn Transparenz werde zunehmend zu einem wichtigen Faktor für Vertrauen, Mitarbeiterbindung und Arbeitgeberattraktivität.