Politik

EZB erhöht Zinsen: Immobilienwirtschaft muss sich auf höhere Finanzierungskosten einstellen

Kommentar von Annika Steiner MRICS, Partner und Managing Director bei Wüest Partner

Frankfurt am Main, 10.09.2026

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Einlagensatz wie erwartet um 25 Basispunkte auf 2,50 % erhöht. Nach der Zinserhöhung im Juni und der Pause im Juli ist dies der zweite Zinsschritt in diesem Jahr.

Mit der Zinserhöhung reagiert die EZB auf die weiterhin erhöhte Inflation im Euroraum. Im August stieg die Inflationsrate gemäß Schätzung auf 3,3 %, nach 2,9 % im Juli. Ausschlaggebend waren vor allem höhere Energiepreise, während die Kerninflation weitgehend stabil blieb. Der Preisdruck hat sich somit bislang nicht deutlich verbreitert. Die Teuerungsrate liegt jedoch weiterhin deutlich über dem mittelfristigen Inflationsziel von 2,0 %.

Energiepreise bestimmen den weiteren Zinspfad

Die Energiepreise bleiben ein wesentlicher Risikofaktor. Durch die erneute Eskalation im Nahen Osten sind die Ölpreise wieder gestiegen, eine nachhaltige Entspannung ist derzeit nicht absehbar. Entscheidend für die Geldpolitik ist deshalb, ob der Energiepreisschock vorübergehend bleibt oder auf andere Preise und Löhne durchschlägt. Für ausgeprägte Zweitrundeneffekte gibt es bislang keine deutlichen Anzeichen.

Die zuletzt robuste Konjunktur dürfte der EZB den Zinsschritt zusätzlich erleichtert haben. Die Wirtschaft des Euroraums wuchs im 2. Quartal 2026, und auch die jüngsten Indikatoren deuten weiterhin auf eine Expansion hin. Das Risiko, dass eine weitere Straffung die Konjunktur stark beeinträchtigt, erscheint somit geringer als noch im Juli. Der weitere Zinspfad bleibt damit offen. Sollte sich der Inflationsausblick nicht deutlich verbessern oder der energiebedingte Preisschub auf andere Preise und Löhne übergreifen, sind zusätzliche Zinserhöhungen nicht ausgeschlossen.

Finanzierung bleibt der Engpass für den Immobilienmarkt

Für die Immobilienwirtschaft ist weniger der weitgehend erwartete Zinsschritt selbst als der Ausblick auf ein höheres Zinsniveau insgesamt von Bedeutung. Die gestiegenen Zinserwartungen haben die Finanzierungskosten am Kapitalmarkt bereits erhöht. Anspruchsvollere Finanzierungsbedingungen erschweren insbesondere Projektentwicklungen und könnten die weitere Belebung des Transaktionsmarktes bremsen. Auch für private Haushalte verteuert sich die Finanzierung von Wohneigentum tendenziell.

Entscheidend dürfte für Immobilieninvestoren damit weniger die heutige Entscheidung als die weitere Zinsentwicklung sein. Ob die EZB nachsteuern muss, hängt maßgeblich davon ab, ob der Inflationsdruck nachlässt oder sich zunehmend in der Gesamtwirtschaft verfestigt.

Für die Immobilienwirtschaft bleibt entscheidend, wie sich Inflation und Finanzierungskosten entwickeln und ob die EZB eine längere Serie von Zinserhöhungen vermeiden kann.

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