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Trotz steigender Baugenehmigungen im Wohnen bleibt der Wohnungsbau bleibt unter Druck

Berlin, 16.01.2026

Die heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen zu den Baugenehmigungen zeigen erstmals seit längerer Zeit eine spürbare Entlastung: Im November 2025 wurden bundesweit rund 20.100 Wohnungen genehmigt. Das entspricht einem Plus von 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Bei den für die Wohnraumversorgung besonders wichtigen Mehrfamilienhäusern lag der Zuwachs sogar bei 13,5 Prozent. Insgesamt summiert sich die Zahl der genehmigten Wohnungen in den ersten elf Monaten des Jahres auf etwa 215.500 und liegt damit rund 11 Prozent über dem Vorjahresniveau.

„Der Wohnungsbau kommt nach drei rückläufigen Jahren langsam wieder in Bewegung, das ist ein gutes Zeichen“, erklärt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. „Gerade der erneute Zuwachs bei Mehrfamilienhäusern zeigt, dass Investitionen wieder vorsichtig anlaufen.“

Gleichzeitig warnt der GdW davor, die aktuellen Zahlen zu überschätzen. Der Vergleich mit früheren Jahren verdeutlicht, wie groß der Rückstand weiterhin ist: Noch 2021 lagen die Genehmigungen in den ersten elf Monaten bei deutlich über 300.000 Wohnungen. Zudem schlägt sich der leichte Aufwärtstrend bislang kaum in der Realität der Unternehmen nieder. Hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und langwierige Verfahren belasten weiterhin die Neubautätigkeit, insbesondere im Segment des bezahlbaren Wohnens.

„Genehmigungen allein lösen die Wohnungsfrage nicht“, so Gedaschko. „Entscheidend ist, dass aus ihnen auch tatsächlich gebaut wird. Und zwar zu Mieten, die sich breite Teile der Bevölkerung leisten können.“

Der GdW fordert daher, den eingeschlagenen Kurs konsequent fortzusetzen und nachzuschärfen:

  • EH-55-Förderung wirksam ausgestalten: Der Start der Förderung ist richtig, doch die aktuellen Zinssätze sind zu hoch, um wirklich bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen. Die sozial orientierte Wohnungswirtschaft braucht Zinssätze nahe einem Prozent, damit Neubauten wirtschaftlich tragfähig bleiben und Mieten bezahlbar sind.
  • Steuerliche Anreize ausweiten: Die Sonderabschreibung nach § 7b EStG sollte künftig bereits beim Effizienzhaus-55-Standard greifen. Das würde zusätzliche private Investitionen mobilisieren und die KfW-Förderung sinnvoll ergänzen.
  • Wohnungsbau priorisieren: Der beschlossene Abwägungsvorrang für den Wohnungsbau in angespannten Märkten ist ein wichtiger Meilenstein. Er muss nun konsequent und praxisnah im Genehmigungsverfahren umgesetzt werden, ohne die kommunale Planungshoheit auszuhöhlen.

„Mehr und bezahlbarer Wohnungsbau ist eine soziale Kernaufgabe“, betont Gedaschko. „Die steigenden Genehmigungszahlen sind ein erster Schritt. Jetzt kommt es darauf an, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass daraus dauerhaft neuer Wohnraum entsteht. Wohnen ist kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis, dem Politik und Verwaltung höchste Priorität einräumen müssen.“