ESG, Nachhaltigkeit

DGNB veröffentlicht neue Version der Neubauzertifizierung für Projekte im Ausland

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) bietet ein Zertifizierungssystem für Neubauprojekte im Ausland an, das jetzt in der überarbeiteten Version 2026 erschienen ist. Die Anwendung des Systems ist insoweit flexibel, als dass sich die Anforderungen den klimatischen, baulichen, gesetzlichen und kulturellen Besonderheiten des jeweiligen Projektstandorts anpassen. Diese länderspezifische Adaption der Benchmarks und Gewichtungen erfolgt unmittelbar im Zertifizierungsprozess, was das DGNB System im Vergleich zu anderen internationalen Bewertungssystemen einzigartig macht. Wie die deutsche Variante ist auch diese internationale Fassung für alle gängigen Gebäudenutzungen geeignet.

17.09.2026
DGNB System für Neubauprojekte im Ausland

Die Verbreitung des Prinzips der Gebäudezertifizierung hat in den letzten zwei Jahrzehnten rasant zugenommen. In vielen Ländern ist es inzwischen Standard, die Nachhaltigkeitsqualität eines Bauprojekts über ein Zertifikat transparent nachzuweisen. Die DGNB nimmt dabei im Vergleich zu anderen Zertifizierungsanbietern eine außergewöhnliche Pionierstellung ein.

Während andere Bewertungssysteme bei der Anwendung in unterschiedlichen Ländern einheitliche Anforderungen ansetzen, die nicht auf die speziellen regionalen Bedingungen eingehen, verfolgt die DGNB einen differenzierten Ansatz. Dieser berücksichtigt gezielt die lokalen Randbedingungen und nationale Gesetzgebungen. Dabei geht die DGNB mit der neuesten Systemversion noch einen Schritt weiter, indem die relevantesten Benchmarks sowie die Gewichtungen der entsprechenden Indikatoren im Zertifizierungsprozess integral adaptiert werden.

Zudem verfolgt das DGNB System, anders als die übrigen Systeme, bereits seit der ersten Version aus dem Jahr 2009 einen konsequent ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz. Es verwendet Methoden, die heute politisch gefordert werden, wie etwa die Ökobilanzierung, die Lebenszykluskostenrechnung oder die Messung der Innenraumluftqualität. Auch mit dem performancebasierten Ansatz hebt sich das DGNB System im Grundsatz von anderen international bekannten Systemen ab. Dieser bewertet weniger die Maßnahmen, sondern fokussiert deren tatsächliche Wirkung.

Dass die DGNB in Deutschland unangefochtener Marktführer unter den Anbietern von Zertifizierungssystemen ist, ist wenig überraschend. Aber auch international findet die Herangehensweise der DGNB eine immer größere Beachtung. Von den mehr als 15.000 Projekten, die bis Ende 2025 auf Grundlage des DGNB Systems ausgezeichnet wurden, befinden sich rund 20 Prozent im Ausland. Insgesamt verteilen sich die DGNB-zertifizierten Projekte auf 36 Länder.

Überarbeitete Kriterien mit wichtigsten internationalen Regularien harmonisiert

Grundlage für die Zertifizierung von Neubau-Projekten außerhalb von Deutschland ist die internationale Version des DGNB Systems. Die bislang gültige Variante aus dem Jahr 2020 wurde grundlegend weiterentwickelt und mit den Standards der in Deutschland gültigen Version 2023.2 des Zertifizierungssystems abgeglichen. Dabei wurde die Anzahl der Kriterien deutlich reduziert, die Anforderungen einfacher formuliert und alle mit der Zertifizierung verbundenen Tools mit Blick auf die Anwendungsfreundlichkeit optimiert.

Sämtliche Kriterien wurden bei der Überarbeitung mit den wichtigsten internationalen Regelwerken und ISO-Normen harmonisiert. Für die Anwendung im europäischen Ausland sind regulatorische Anforderungen wie die EU-Taxonomie oder die EU-Gebäuderichtlinie EPBD vollumfänglich abgebildet. Regional abweichende Rahmenbedingungen wie klimatische Besonderheiten, die Wasserverfügbarkeit vor Ort sowie spezifische Kostenfaktoren werden in den Kriterien berücksichtigt. Zugleich ist das System so angelegt, dass es als Grundlage für Green Finance dienen kann und Bauherren die wichtigsten Kennzahlen für ihr Reporting direkt extrahieren können.

Themen, die in Zukunft noch viel mehr an Bedeutung gewinnen werden, darunter Biodiversität, Klimaanpassung, Umgang mit Wasser sowie Klima- und Ressourcenschutz, sind im Kriterienkatalog umfassend integriert. Soziale Aspekte und die Vermeidung von Schadstoffen nehmen auch weiterhin eine zentrale Rolle ein. Suffizienz im Sinne von Angemessenheit fungiert als übergreifende Leitlinie. Auch deshalb motiviert die Zertifizierung zum Erhalt von Teilen des Gebäudebestands, indem dies zu einer besseren Bewertung bei den Lebenszyklus- und Zirkularitätskriterien führt.

„Die neue Version des internationalen DGNB Systems ist nicht nur ein praxistaugliches, zukunftsorientiertes und ambitioniertes Zertifizierungssystem, das dabei hilft, die gebaute Umwelt Projekt für Projekt besser zu machen“, sagt Johannes Kreißig, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. „Es ist auch Ausdruck unseres Selbstverständnisses von gutem, zukunftsfähigem Planen und Bauen. Wem es für sein Gebäude um mehr als eine reine Bewertung geht, sondern darum, dieses zukunftssicher und wertsteigernd zu planen und umzusetzen, für den ist die DGNB Zertifizierung die erste Wahl.“

Kriterienkatalog zum Download und digitale Informationsveranstaltung

Der vollständige Kriterienkatalog sowie zahlreiche weiterführende Informationen zur internationalen Version des DGNB Systems für Neubauten in der neuesten Version 2026 stehen online unter www.dgnb.de/zertifizierung/international zur Verfügung. Für Interessierte bietet die DGNB zudem eine digitale Einführungsveranstaltung zum Thema an. Dieses findet in englischer Sprache am 28. September 2026 ab 14:30 Uhr statt. Eine Anmeldung ist über die genannte Website der DGNB möglich.

Weiterführende Informationen

http://www.dgnb.de/zertifizierung/international