RICS: Moderate Abschwächung der globalen Baukonjunktur
- RICS veröffentlicht Global Construction Monitor Q4 2025
- Globaler Baukonjunktur-Index gibt leicht nach, bleibt aber positiv
- Regionen MEA und Amerika zeigen weiterhin solide Dynamik, während APAC wieder in den negativen Bereich zurückkehrt
- Zwölfmonatserwartungen lassen auf steigende Bautätigkeit im Bereich Infrastruktur schließen; Kosteninflationsprognosen bleiben relativ moderat
- Europa: Dynamik bleibt insgesamt stabil trotz erneut deutlicher Schwäche in Frankreich
- Deutschland: Baustimmungsindex steigt von +32 auf +34
Die Ergebnisse des RICS Global Construction Monitor für das vierte Quartal 2025 zeigen eine leichte Abschwächung der allgemeinen Marktdynamik gegenüber dem Vorquartal hin. Entsprechend verzeichnete der übergeordnete Construction Sentiment Index (CSI) weltweit einen Wert von +7, nach +12 in Q3, liegt damit jedoch weiterhin im positiven Bereich. Ermutigend ist, dass die Befragten für das kommende Jahr mit einer Zunahme der Arbeitsauslastung rechnen, insbesondere im Infrastruktursektor, während die Prognosen zur Baukosteninflation im Vergleich zu den erhöhten Niveaus der vergangenen Jahre relativ moderat bleiben.
Regionale Divergenz nimmt weiter zu
Wie bereits im gesamten Jahr 2025 bleibt die Stimmung in der MEA-Region am positivsten. Dort lag der CSI im vierten Quartal im Vergleich zu Q3 unverändert bei +29 und spiegelt somit weiterhin ein solides Wachstum wider. Auch in Nord- und Südamerika wurde ein positiver Wert von +25 (gegenüber +20 in Q3) gemeldet, was auf ein robustes Umfeld hindeutet, gestützt durch leicht stärkere Ergebnisse auf Länderebene.
Gleichzeitig schwächte sich Europas CSI leicht auf +14 ab (von +18 in Q3), was auf eine moderate Abschwächung der jüngsten Erholungsdynamik hinweist, wenngleich der aktuelle Wert immer noch eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Niveau vor 12 Monaten darstellt. Die APAC-Region bleibt das klare Schlusslicht: Hier fiel der CSI auf -14 (von 0 in Q3) und signalisiert damit eine erneute Kontraktion der Aktivität nach einer kurzen Stabilisierung im Vorquartal.
VAE, Spanien und Saudi-Arabien führen das Wachstum an, während China und Hongkong weiter unter Druck stehen
Bei dem Wert für die aktuelle Arbeitsauslastung stand in Q4 an der Spitze auf Länderebene Spanien mit einem außergewöhnlich starken Nettosaldo von +73 %, getragen von kräftigem Wachstum in allen Sektoren, insbesondere im Gewerbeimmobilienbau. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) (+58) und Indien (+43) verzeichneten ebenfalls solide Expansionen, was eine breit angelegte Stärke der Bautätigkeit zeigt. Auch Deutschland (+41) und Saudi-Arabien (+30) meldeten eine robuste Dynamik.
Positive Werte wurden außerdem in Oman (+29), Mauritius (+28), Singapur (+24) und den Niederlanden (+20) gemeldet. Australien (+17), die USA (+16), Irland (+14) und Italien (+12) erzielten moderatere, aber weiterhin positive Zuwächse.
Am schwächeren Ende der Skala schrumpft die Bautätigkeit sowohl in China (-59) als auch in Hongkong (-38) weiterhin deutlich. Die neuesten Umfrageergebnisse zeigen hier keine nennenswerte Verbesserung in einem Umfeld, das seit fast zwei Jahren herausfordernd ist. Frankreich (-27) verzeichnete ebenfalls einen spürbaren Rückgang, während Südafrika (-3) und Großbritannien (-2) leicht negative Werte meldeten. Die Marktbedingungen in Katar (-2) blieben ebenfalls gedämpft.
Bei Betrachtung der sektoralen Aufschlüsselung schneidet die Infrastruktur in vielen Regionen weiterhin besser ab als andere Marktsegmente. Tatsächlich übersteigen die aktuellen Infrastruktur-Arbeitsauslastungen in rund 70 % der vom Monitor erfassten Länder die Werte für private Wohn- und Gewerbebauprojekte. Ausnahmen bilden Südafrika, Malaysia und die Niederlande. Insgesamt bleibt die Infrastruktur ein zentraler Wachstumstreiber des globalen Baumarktes.
Erwartungen bleiben positiv trotz kurzfristiger Abschwächung
Bei den Zwölfmonatserwartungen für die Arbeitsauslastung halten die Befragten insgesamt an einer weitgehend positiven Einschätzung fest, trotz der kurzfristig moderaten Abschwächung. Besonders robust bleiben die Erwartungen für Infrastruktur, mit einem globalen Nettosaldo von +35 % der Befragten, die in den nächsten 12 Monaten mit einem Anstieg rechnen (gegenüber +38 % in Q3). Dies unterstreicht die weiterhin zentrale Bedeutung von Infrastrukturinvestitionen für den globalen Bauausblick.
Die Erwartungen für den privaten Wohnungsbau schwächten sich in Q4 ab, mit einem globalen Nettosaldo von +14 % (nach +32 % in Q3). Regional verzeichnete die Region Amerika die positivste Stimmung, getragen vor allem von wachsendem Optimismus in den USA. In MEA stieg das Vertrauen in steigende private Wohnungsbauaktivitäten weiter, mit einem Nettosaldo von +52 %, während sich die Stimmung in Europa kaum veränderte (+31 % gegenüber zuvor +35 %). In Deutschland hat der Nettosaldo von +44 % auf +38 % nachgegeben.
Der private Gewerbeimmobilienbau zeigt ein gemischteres Bild. Global bleiben die Erwartungen moderat positiv (+10 %), was jedoch einen Rückgang gegenüber dem Vorquartal (+27 %) darstellt. Auf Länderebene berichten mehrere wichtige Märkte, darunter Frankreich, Kanada und China, weiterhin negative Erwartungen für den Gewerbeimmobilienbau. In Deutschland sind die Erwartungen weiterhin im positiven Bereich, aber von +73 % auf +41 % gefallen.
Finanzielle Restriktionen und unzureichende Nachfrage werden zunehmend als Belastungsfaktoren genannt
Finanzielle Restriktionen sind weiterhin das am häufigsten genannte Hemmnis für die Bautätigkeit: 61 % der Befragten weltweit nennen dieses Problem (leicht rückläufig gegenüber 66 % in Q3). Gleichzeitig nennen 58 % den Wettbewerb als Herausforderung, während 50 % berichten, dass unzureichende Nachfrage die Aktivität belastet. Der Anteil derjenigen, die diesen Punkt nennen, ist im gesamten Jahr 2025 erhöht geblieben.
58 % der Befragten geben an, dass Materialkosten weiterhin eine Herausforderung darstellen (nach 55 % in Q3), allerdings deutlich unter den Anteilen der Jahre 2023 und 2024. Fachkräftemangel wird von 50 % als Hemmnis genannt und ist damit gegenüber dem Vorquartal weitgehend unverändert, was auf eine anhaltende strukturelle Knappheit hinweist.
Europa: Dynamik bleibt insgesamt stabil trotz erneut deutlicher Schwäche in Frankreich
Die Ergebnisse in Europa zeigen, dass sich die Erholung der Bautätigkeit fortsetzt, wenngleich das Tempo je nach Region unterschiedlich ausfällt. Auf gesamteuropäischer Ebene liegt der CSI bei +14, leicht unter dem Wert von +18 im Vorquartal, aber weiterhin im positiven Bereich.
Construction Sentiment Index bleibt in den meisten Ländern positiv
Spanien verzeichnete in Q4 mit +60 den stärksten CSI-Wert (nach +46 in Q3). Deutschland verbesserte sich leicht von +32 auf +34. In Italien und Irland stieg der CSI ebenfalls auf +18. Großbritannien meldete einen neutralen Wert von +2 (nach -3 zuvor). Frankreich hingegen erlitt einen deutlichen Rückgang auf von +11 auf -22 und weist damit den schwächsten Wert in Europa auf.
Auf europäischer Ebene verbesserten sich die aktuellen Arbeitsauslastungen in beiden privaten Sektoren. Der Nettosaldo für den privaten Wohnungsbau stieg von +11 % auf +17 %, der für den privaten Gewerbeimmobilienbau von + 3 % auf +8 %. Der Nettosaldo für den Bereich Infrastruktur ging von +21 % auf +11 % zurück, bleibt jedoch im Expansionsbereich. In Deutschland stieg der Nettosaldo für den privaten Wohnungsbau von 0 % auf +54 % und im Bereich Gewerbeimmobilienbau von +30 % auf +35 %, der Bereich Infrastruktur lag unverändert bei einem Wert von +33 %.
Finanzielle Restriktionen und Fachkräftemangel belasten weiterhin
Fachkräftemangel ist europaweit inzwischen das am häufigsten genannte Hemmnis bei der Bautätigkeit, genannt von 55 % der Befragten. Finanzielle Restriktionen folgen mit 54 %, leicht unter dem Vorquartal. Materialkosten werden von 50 % als Herausforderung genannt. Der Anteil, der Planungs- und Regulierungshemmnisse nennt, sank auf 44 %, was auf eine gewisse Entspannung administrativer Hürden hindeutet.
Länder mit besonders ausgeprägtem Fachkräftemangel sind die Niederlande (88 %) und Spanien (83 %). Auch in Deutschland ist es mit 53 % das am häufigsten genannte Hemmnis. Finanzielle Restriktionen werden am häufigsten in Italien (69 %), den Niederlanden (63 %) und Deutschland (50 %) genannt.
Zwölfmonatserwartungen bleiben positiv, haben sich jedoch abgeschwächt
In Europa haben sich gegenüber dem dritten Quartal 2025 die Erwartungen in allen Sektoren abgeschwächt, bleiben aber positiv. Folgende Werte wurden erreicht: Infrastruktur: +24 % (von +45 %), privater Wohnungsbau: +31 % (von +35 %), privater Gewerbeimmobilienbau: +20 % (von +28 %). Spanien und Deutschland zeigen weiterhin den ausgewogensten Ausblick über alle Sektoren, auch wenn in Deutschland die Werte gefallen sind: Wohnungsbau von +44 % auf +38 % und Gewerbeimmobilienbau (+73 % auf +41%). In Frankreich gilt der private Gewerbeimmobilienbau mit -17 % als klarer Nachzügler, mit erwarteter Kontraktion im kommenden Jahr.
Fazit: Dynamik in Europa bleibt insgesamt stabil Susanne Eickermann-Riepe FRICS, Senior Vice President (SVP) der RICS weltweit: „Die Ergebnisse in Europa zeigen, dass sich die Erholung der Bautätigkeit fortsetzt, wenngleich das Tempo je nach Region unterschiedlich ausfällt. Auf gesamteuropäischer Ebene ist der Construction Index leicht gesunken, aber Deutschland behält die Dynamik bei. Gegenüber dem dritten Quartal 2025 haben sich die Erwartungen in allen Sektoren abgeschwächt, bleiben aber positiv. Trendgeber ist weiterhin der Sektor Infrastruktur. Spanien und Deutschland zeigen weiterhin den ausgewogensten Ausblick über alle Sektoren.”
