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Digitalisierung und Nachhaltigkeit geben Deutschlands Bauindustrie einen Wachstumsschub

Eine stabile Nachfrage und politische Initiativen treiben das Wachstum im Jahr 2026 trotz Schwankungen in der Lieferkette voran.

Frankfurt am Main, 14.01.2026

Der aktuelle Bericht „Construction Market Insights” des internationalen Bauberatungsunternehmens Linesight signalisiert positive Entwicklungen für die europäische Bauindustrie, getrieben durch Dekarbonisierung und Infrastrukturinvestitionen. In Deutschland sorgen der Rechenzentrumssektor, Programme für saubere Energie und europäische Initiativen für Aufschwung. Globale Unsicherheiten, volatile Lieferketten und neue regulatorische Anforderungen stellen jedoch Risiken für die Umsetzung dar.

Nachdem die deutsche Bauproduktion im Jahr 2025 um rund 3 Prozent zurückgegangen ist, dem fünften rückläufigen Jahr in Folge, gibt es für 2026 Anzeichen für einen spürbaren Aufschwung im deutschen Bausektor. Prognosen gehen von einem moderaten Wachstum der Bauleistung um 2,1 Prozent aus. Diese Entwicklung wird vor allem durch öffentliche Investitionen in die Infrastruktur, Energieversorgung und Rechenzentren sowie durch steuerliche Anreize gestützt. Deutschland gehört damit zu den Ländern, für die eine Rückkehr zum Wachstum erwartet wird, liegt jedoch hinter europäischen Spitzenreitern wie Schweden. Für 2026 wird dort mit einem Anstieg der Bauleistung um 4,3 Prozent gerechnet. 

„Nach Jahren rückläufiger Bauleistung gewinnt der deutsche Markt wieder an Dynamik. Öffentliche Investitionen geben wichtige Impulse für Infrastruktur und Industrie. Dies erhöht jedoch auch die Anforderungen an Planung und Umsetzung. Insbesondere bei den Lieferketten zeigt sich, wie entscheidend verlässliche Rahmenbedingungen für den Projekterfolg sind“, sagt Giles Heather, Director Europe, Country Head Germany bei Linesight.

Lieferketten: Entspannung trotz Unsicherheiten

Aufgrund eines stärkeren Wettbewerbs und sinkender Preise für einige Rohstoffe erholten sich die Lieferketten im Jahr 2025. Es ist zu erwarten, dass auch im Jahr 2026 der Bau von Rechenzentren Druck auf die Lieferketten ausüben wird, insbesondere bei Strom- und Kühlsystemen. Artikel mit langen Vorlaufzeiten wie Transformatoren und Generatoren werden weiterhin knapp sein, was durch die hohe Anzahl an Projekten im Bereich erneuerbare Energien und KI-Infrastruktur noch verschärft wird.

Materialpreise: Preise stabilisieren sich, doch geopolitische Unsicherheiten trüben den Ausblick

Während sich die Stahl- und Aluminiumpreise weitgehend stabilisieren, zeichnen sich für 2026 neue Preiserhöhungen ab. Gründe dafür sind regulatorische Maßnahmen wie die Einführung des Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) und strengere Emissionsziele im EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS). Diese Maßnahmen betreffen insbesondere CO2-intensive Materialien wie Zement, Beton und Stahl.

In Deutschland bleiben die Preise für Zement und Beton aufgrund steigender Energie- und CO2-Kosten weiterhin hoch. Auch die Dieselpreise bleiben volatil, beeinflusst durch geopolitische Faktoren, neue Steuern und aufkommende Biokraftstoffe wie HVOs. 

„Die Klimapolitik, volatile Energiepreise und der anhaltende Fachkräftemangel wirken sich direkt auf die Bauindustrie aus. Diese Faktoren wirken nicht isoliert, sondern sind miteinander verknüpft und haben direkte Auswirkungen auf Termine, Budgets und Lieferketten. Wer heute Projekte managen will, braucht mehr als nur eine gute Planung: Er braucht fundierte Marktkenntnisse, vorausschauende Beschaffung und klare Risikostrategien“, sagt Neil Doyle, Director of Procurement and Supply Chain bei Linesight.

Vorsichtiger Optimismus für 2026

„Insgesamt sind die makroökonomischen Aussichten für Europa in 2026 von vorsichtigem Optimismus geprägt“, sagt Heather. „Das Wachstum in 2026 wird in erster Linie von Projekten in den Bereichen Infrastruktur, Energie und Versorgungswirtschaft getragen und durch die Ziele der EU für erneuerbare Energien und die digitale Transformation unterstützt. Dennoch bleiben die Energieversorgung und -planung kritische Engpässe für alle Sektoren und werden auch im kommenden Jahr weiterhin große Hindernisse darstellen.“

Construction Market Insights Report

Der Construction Market Insights Report beleuchtet zweimal jährlich die wichtigsten Trends in der europäischen Baubranche und vergleicht die Entwicklungen in 13 europäischen Schlüsselmärkten (Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Israel, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Spanien und Großbritannien). 

Der Report basiert auf den aktuellsten, quartalsweise erhobenen Marktdaten. Linesight analysiert dafür Daten aus einer Vielzahl von verifizierten Quellen und arbeitet mit zahlreichen Stakeholdern entlang der gesamten Lieferkette zusammen. Zudem werden makroökonomische Indikatoren verschiedener Institutionen wie IWF, Eurostat und nationale Statistikämter für die Analyse herangezogen.