Experten erwarten in den kommenden Jahren steigende Wohnimmobilienpreise
- Core-Wohnimmobilien in Deutschland bleiben im Fokus der Asset Manager
- Value-Add-Strategien gewinnen zunehmend an Bedeutung
- Investments in gefördertes Wohnen sind bei Anlegern beliebt
- Institutionelle Anleger verlangen derzeit Ausschüttungsrenditen zwischen 3,0 und 4,0 Prozent p.a. bei Core-Immobilien
- Chancen sehen die Experten in Spanien, den Niederlanden und in Irland
In Deutschland werden die Wohnungsmieten und die Kaufpreise in den kommenden vier Jahren jedes Jahr weiter ansteigen. Investment- und Asset-Manager wollen vor diesem Hintergrund 2026 vor allem in Core-Objekte oder gefördertes Wohnen investieren. Deutschland bleibt dabei eine wichtige Investment-Destination. Wenn sich gute Gelegenheiten bieten, kommen 2026 auch Value-Add-Investments in Frage – beispielsweise in Projektentwicklungen oder energetische Sanierungen. Investmentchancen außerhalb von Deutschland sehen die Beteiligten u.a. in den Niederlanden, Spanien und Irland. Im Vergleich zu anderen Nutzungsarten ist im Wohnsegment die Stimmung in Bezug auf Investment- und Mietmarkt am besten.
Das sind die Kerninhalte der heutigen Online-Pressekonferenz „Wohn-Investmentmarkt 2026: Beendet die Wirtschaftskrise den fragilen Aufschwung oder geht die Erholung weiter?“, an der Simon Lieb, Geschäftsführer, KINGSTONE Residential Investments, Felix Meyen, Geschäftsführer, HIH Invest, Andreas Trumpp, FRICS, CREA®, Head of Market Intelligence & Foresight, PTXRE und Dr. Lars Vandrei, Head of Research, Catella Investment Management teilnahmen.
Zunächst konstatierte Andreas Trumpp: „Vom makroökonomischen Umfeld sind keine Impulse für den Immobilienmarkt zu erwarten. Das Wohnsegment ist jedoch weitgehend davon unabhängig, da das Angebot knapp bleibt und die Nachfrage steigt. Dies spiegelt sich auch im Immobilienklimaindex wider, demzufolge sich die Assetklasse Wohnen gegenüber den anderen Nutzungsarten am besten entwickelt. Ein großes Problem sind die sinkenden Fertigstellungszahlen in Deutschland: Von über 300.000 fertiggestellten Wohneinheiten vor der Zinswende werden wir 2026 auf voraussichtlich unter 200.000 Einheiten fallen. In der Folge werden die Neuvertrags-Mieten in den Jahren 2026 bis 2029 weiter deutlich ansteigen.“ Auch bei den Preisen erwartet PTXRE in den Jahren 2026 bis 2029 einen deutlichen Anstieg. Bereits 2025 sind die Preise sowohl in A-, B-, C- und D-Städten gestiegen. Diese Entwicklung wird sich bis 2029 in allen vier Städtekategorien fortsetzen. Gegen Ende 2029 dürften sich in allen vier Städtekategorien die Preise wieder auf dem Level des Peaks im Jahr 2022 befinden.“

Core-Immobilien weiterhin im Fokus
Welche Investment-Absichten haben die teilnehmenden Asset Manager das Jahr 2026? Dr. Lars Vandrei führt für Catella IM aus: „Unser Fokus bleiben Core- und Core+-Wohnimmobilien in Europa. Der deutsche Markt steht dabei weiter im Fokus, aber wir blicken zudem positiv auf beispielsweise die Niederlande und Spanien. Wir wollen vor allem Wohnungen mit erschwinglichen Mieten kaufen. Damit meinen wir nicht gefördertes Wohnen, sondern Wohnungen, die preislich zwischen dem geförderten und dem normalpreisigen Wohnen liegen. Wir haben eine eigene Definition von Erschwinglichkeit, die sich an der Medianmiete im Markt orientiert.“

Value-Add-Strategien rücken auch im Wohnbereich in den Fokus
Für die HIH Invest kommentiert Felix Meyen: „Wohnen wird bei unseren Investmentaktivitäten 2026 der Schwerpunkt sein. Dabei setzen wir auch in Deutschland und Europa auf das Core- bzw. Core-Plus-Segment in Großstädten mit mehr als 200.000 Einwohnern.“ Die HIH Invest wird 2026 zudem auch neue Strategien verfolgen. Meyen dazu: „Wir werden ausgewählten Anlegern Value-Add-Strategien anbieten. Wir verfolgen dafür zwei Ansätze. Erstens kaufen wir ältere Objekte in etablierten Lagen an, sanieren diese energetisch und verkaufen sie anschließend. Zweitens suchen wir baureife Projektentwicklungen, in die wir einsteigen können. Diese führen wir dann zu Ende und verkaufen sie. Investoren können sich über individuelle Strukturen an beiden Investment-Ansätzen beteiligen.“

Gefördertes Wohnen bei institutionellen Investoren gefragt
Für KINGSTONE Real Estate erläutert Simon Lieb: „Gefördertes Wohnen ist bei institutionellen Investoren klar gefragt. Unser Schwerpunkt im Wohnbereich wird 2026 entsprechend auf diesem Segment liegen. Für unseren ersten Fonds im Bereich Gefördertes Wohnen haben wir im Rahmen eines Individualmandats 150 Mio. EUR Eigenkapital eingeworben und befinden uns aktuell in der Investitionsphase, die wir planmäßig 2026 abschließen werden. Die anhaltend hohe Nachfrage institutioneller Investoren bestätigt die Attraktivität dieser Produktlinie, sodass wir die Strategie konsequent fortsetzen. Ergänzend sind wir im Wohnsegment weiterhin opportunitätsgetrieben im Value-Add-Bereich aktiv.“ Welche Renditen erwarten institutionelle Anleger aktuell? Dr. Vandrei sagt dazu: „In sehr guten Lagen in A-Städten verlangen die Investoren aktuell Ausschüttungen von circa 3,0 bis 3,5 Prozent p.a., am liebsten 4 Prozent, was wir aber für wenig realistisch halten.“ Felix Meyen ergänzt: „Ich sehe etwas höhere Anforderungen am Markt. Bei Core-Produkten wünschen sich unsere Anleger 3,5 bis 4,0 Prozent Ausschüttungsrendite p.a.“
Wo sehen die Beteiligten Chancen? Simon Lieb von KINGSTONE antwortet: „Die Chancen des öffentlich geförderten Wohnens liegen in der Verbindung von Investitionssicherheit und gesellschaftlicher Verantwortung. Für Investoren bietet das Produkt einen langfristigen Anlagehorizont mit regelmäßig über die gesamte Mietbindungsdauer gesicherter Zinssicherheit zu attraktiven Konditionen. Gleichzeitig sorgt die bundesweit hohe Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum für geringe Leerstandsquoten und stabile Erträge. Darüber hinaus leisten potenzielle Investoren zugleich einen konkreten Beitrag zur Schaffung von dringend benötigtem, bezahlbarem Wohnraum.“
Zum Thema Chancen sagt Dr. Vandrei: „Chancen sehen wir derzeit vor allem in Spanien und in den Niederlanden. In beiden Märkten sehen wir einen großen Bedarf an energieeffizienten Objekten mit erschwinglichen Mieten. In Spanien lässt sich dies bei höheren Renditen realisieren im Vergleich zu Deutschland – in den Niederlanden wirkt sich die Energieeffizienz positiv auf die regulierten Mieten aus. Auch Irland ist sehr interessant. Hier sind die Preise und Mieten in den letzten Jahren stark gestiegen. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass der Markt auch sehr volatil ist.“
